Rock-Generationen

Vier Bands rockten gemeinsam ein Konzert im Grazer Moxx: „Doppeldecker“ (grob geschätzter Altersdurchschnitt 30+), „Speed Limit“ (50+), „Catwalk“ (40+) und „Mad Soul Empire“ (20+). Bei einzelnen Bandmitgliedern liege ich sicher falsch, aber um die Rock-Generationen anzudeuten genügt die Skala als Beweis, dass die Rockmusik der 80er weiter lebt. Keep on rockin‘.

Doppeldecker

Eine Band aus dem Süden Burgenlands mit deutschen Texten, humorigen Inhalten (wie Kernöl oder Uhudler) und fetzigem Melodic Rock. Leider ging das Publikum auf ihren Wunsch nicht ein, zu ihren Balladen zu schmusen. Gut gemeint wars allemal.

Speed Limit

Melodic Metal brachten diese vier Herren im gesetzten (knapp unter meinem) Alter aus Salzburg mit. Ich nützte die Pause für eine private Unterhaltung mit Chris Pawlak (Bassgitarre) und fand viele Parallelen zu meiner eigenen Musikgeschichte. Joe Eder (Leadgitarre) und Chris Angerer ließen die Gitarren kreischen und hatten Spaß, obwohl sie noch nie vor so wenigen Besuchern aufgetreten waren, wie hier im Moxx. Übrigens: Hannes Vordermayer, Sänger und Schlagzeuger, erinnert auf den ersten Blick an Gerd Sojka (Badhoven). Die beiden kennen sich sogar.

Catwalk

1987 in Graz gegründet, aufgelöst und wiedervereint, zeigte sich das Outfit rund um den Sänger und Bassisten Johnny Schwarzinger bei diesem Reunion-Gig in Bestform. Die Band (obwohl mir bislang nicht bekannt) muss eine gute Fanbase haben, denn der Saal begann sich zu füllen. Roland „Josh“ Joham spielte Gitarre hinter dem Kopf und Norbert Steinkellner waltete am Keyboard. Leider waren die beiden meist außerhalb der Scheinwerfer und somit schwer ins Bild zu rücken.

Mad Soul Empire

Mir war die Gruppe junger Leute in der ersten Pause aufgefallen, weil sie im Saal stehen blieben als alle anderen sich die Beine vertraten, ein Getränk, oder frische Luft holten. Auf meine Frage, ob sie Groupies von „Doppeldecker“ seien, bekam ich eine kryptische Antwort. Stellte sich heraus, dass die junge Dame die Sängerin des letzten Acts war. Da MItternacht nahte, war ich schon ziemlich OFF und ließ es mit einigen Fotos bewenden.

Ein Dank an die Veranstalter, was für eine schöne Idee, einer Musikrichtung über mehrere Generationen hinweg eine Perspektive zu geben. Aber ein wenig mehr Publicity hätte dem Event nicht geschadet, denn die Bands hätten viel viel mehr Publikum verdient. Keep on rockin‘.

Augartenfest im Volksgarten

Soundportal Bühne

Samstag. Vida Noa, Karmic, Gnackwatschn und der großartige Australier Dub FX füllten am bis dato heissesten Sommertag die Wiese vor der Soundportal Bühne der Grazer Version des Wiener Donauinselfestes.

Mittwoch. Das alte Sprichwort „Schmiede das Eisen, solange es heiß ist.“ trifft für diesen Artikel voll ins Schwarze, denn am Samstag war das Fest, am Abend habe ich das Dub FX Video bearbeitet und das Schreiben des Artikels, den ich im Kopf hatte, für andere mir wichtige Dinge um vier Tage verschoben. Aber nun ist der Kopf leer, das Eisen kalt, die Worte, die ich für das Fest gesammelt hatte scheine ich ausgeschwitzt zu haben.

Vielleicht helfen einige Handyfotos auf die Sprünge?

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Tatsächlich, mit den Visuals kommen auch Erinnerungen, z.B. an das Gespräch mit Vida Noa, der schlanken großgewachsenen Architektin aus Graz, die seit 1992 schon „ehrliche texte mit ohrwurmqualität“ macht, aber jetzt erst ihr Debütalbum herausgebracht hat. Ich bot ihr an, es in Gangway Music zu besprechen, worauf sie – real neben mir sitzend mit einem Köfferchen voller CDs – meinte, ich könne ihr ja eine Mail schreiben und das Album herunterladen. Das war das Ende der Rezension.

Während Karmic’s bunte Frauen ihre Poplieder sangen (die Band ist aus Kalifornien mit einer privaten Verbindung nach Klagenfurt) und der ewig lange Bassist seine weissen Zähne herzeigte, machte ich von meinem Backstage Bändchen Gebrauch (alles auf dem Fest war bei freiem Eintritt, nur für die Künstlerbereiche musste sich die Presse akkreditieren) und sah mir das Fest aus der Bühnenperspektive an. Die Sonne heizte auf die menschenleere Wiese, da ein Großteil des jungen Publikums im Schatten wartete.

Bei Gnackwatschn kamen sie dann  hervor und tanzten zu Ska. Deren Bassist war etwa halb so groß wie sein Vorgänger, aber ebenso heiß.

Das Ein-Mann-Orchester Dub FX mit den Live-Loops aus Melbourne begeisterte schließlich jeden (und sogar mich) mit Hip-Hop und Rap durch viel Straßenmusik erprobte Präzision in den energiegeladenen Stücken bis schließlich sein Midi den hohen Temperaturen auf der Bühne nicht mehr gewachsen war. Einige Kontrollen der Verkabelung und Neustartversuche später stoppte ich die Videoaufzeichnung und ging.

Ich habe keine Ahnung, ob die Technik schließlich wieder funktionierte oder nicht (the show must go on) aber ein Bandmitglied der nächsten Gruppe (The Uptown Monotones, die ihre neue EP in der Aftershowparty im p.p.c. präsentierten) erzählte am nächsten Tag am Schotterteich nur von einer „sehr langen  Nacht“. Und die liegt in meinem Alter und Zustand in der Schlafenszeit die mir das iPhone einteilt.

Noch ein Wort zur Location Volksgarten. Geht nicht aufs Klo! Und wenn eure Blasen platzen, nur mit Atemmaske. Oder trinkt nicht so viel Bier! Die vom Besucherandrang hoffnungslos überforderten öffentlichen Toiletten waren bis zum Rand vollgeschissen und verbreiteten eine dementsprechende Atmosphäre. Nächstes Jahr wird man gern wieder am Originalschauplatz sein Bier entsorgen.

THE Big BASE Band

The Base versus Jazz Orchester Steiermark

Mit Norbert Wally bin ich schon seit Jahren befreundet, dennoch war ich skeptisch, als er mir von der Kooperation seiner Band, THE BASE , mit der Big Band von Sigi Feigl erzählte. Nachdem ich in der Generalmusikdirektion die 20 Mann (nein, 19 Männer + 1 Dame) gesehen und gehört habe, bin ich jedoch absolut überzeugt vom Erfolg dieser Fusion.

Der Einsatz von Bläsern war den Indie-Rockern nicht fremd, gibt es doch in zahlreichen Stücken der Band Trompete und Posaune von Imre Lichtenberger Bozoki. Ein Vielfaches an Bläsern mit Rhythmusgruppe Keyboard und Bass, neu arrangiert und notiert, ergab einen rundum perfekten Klangkörper, der sich behutsam Wallys Gitarren und seiner einzigartigen Stimme fügte.

Und dann waren da auch noch  die Solisten, die ich teilweise als Berndt Luefs Musiker kannte, allen voran der großartige Patrick Dunst. Dass sich ein Jazz Orchester so gut von sanften Balladen bis zu heftigsten Dreschern mit Rock verbinden konnte, war ein geniales Hörerlebnis.

Die allseits bekannten Hits der Band waren gut gewählt, vom ältesten Song über seine fortlaufend nummerierten Girlfriends zu „Malibu Stacy“, „Buffalo People“ (16 Songs in Self Defense) und meinem persönlichen Favorit „I Bet It Rains“ (Where Is My Weather) bis zum gesuchten VJ aus dem Disco Bazaar und weiteren wohlfeilen Tunes. „The Rats“ (Secret Second Thoughts) bildeten den passenden Abschluss, denn auch nach zwei Stunden wollte noch keiner das Schiff verlassen.

Die beiden Auftritte wurden mitgeschnitten um daraus ein Live Album zu produzieren. Eine großartige Idee für jene, die nicht dabei sein konnten. Kauft  ein Stück Musikgeschichte, das nur noch von Sigi Feigls Hilfsbereitschaft übertroffen wurde, als er mir eigenhändig (und ohne mich zu kennen) seinen Bürosessel holte, als klar wurde, dass ich mich mit meinen Rückenschmerzen unbedingt hinsetzen musste, wenn ich das Konzert zur Gänze genießen wollte. So konnte ich  schmerzfrei zuhören. Danke, Sigi!

Holler My Dear im Orpheum Extra

Holler My Dear haben nun  nach drei Jahren ihr drittes Album im Orpheum Extra vorgestellt. Beim Launch ihrer zweiten CD Eat, Drink, and Be Merry in der „pangea musik lebt“ Reihe in der Postgarage waren sie mir aufgefallen. Ihre Musik  verweigerte Zuordnung  einer Schublade, also nahmen sie vier: Pop, Swing, Funk, Folk – ich hätte auch noch eine Priese Jazz hinzugefügt.

Steady As She Goes baut auf diese Fundamente, auch wenn der Titel eine ruhige Seefahrt suggeriert. Einen Titel zu wählen, der schon stark besetzt ist, etwa von Hot Tuna und den Raconteurs, ist mutig, abgesehen davon, dass keiner der 16 Tracks an einen Shanty erinnert und außer dem Titelsong und Memories und The Deep nichts mit dem Meer zu tun hat. Aber egal, man muss nicht alles verstehen.

Das Konzert hinterließ jedenfalls wieder eine sehr angenehme Hautsensation. Die sechs Musiker sind alle Perfektionisten, nicht nur am eigenen Instrument, sonder auch Reihum. Stephen Molchans (Trompete) war am Piano zu sehen, am Schlagzeug und sogar als Rapper. Apropos Rap: Laura Winkler, Spitzname „Laus“ hat auch gelegentlich eine schnellere Zunge, als ein Normalbürger zu denken vermag. Eine Herausforderung, will man mitsingen. Übrigens hat sich Lucas Dietrich vom U-Bass  getrennt, spielt aber immer noch eine kleinere Version eines E-Bass. Ist praktischer und klingt besser. Na dann.

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Holler My Dear: Steady As She Goes, Traumton Records, Berlin 2018

Nick Cave

Ich kenne und schätze Nick Cave schon seit Jahrzehnten, als er mir in Wim Wenders Film „Himmel über Berlin“ aufgefallen war. Bald darauf lebte ich wie er in Australien, habe ihn aber zufällig nur ein einziges Mal bei einem Besuch in Wien live erlebt, wo ich als frischer Landsmann nach dem Konzert ein paar Worte mit ihm getauscht habe. Das war Anfang der 90er und er war „The Good Son“ und wir waren miteinander auf Augenhöhe verbunden.

Nick Cave in der Stadthalle Wien | © El Nino

Heute, 30 Jahre später, ist er ein Superstar und es war mir nicht möglich, ihn in Wien zu treffen und mit ihm über Parkinsong Duets zu reden. Sein Management hat ihm meine Mails wahrscheinlich nicht einmal weitergegeben, geschweige denn beantwortet. So ist das nun einmal mit Superstars. Deshalb war ich mehr als überrascht, wenige Tage nach seinem Auftritt in Wien in den Konzertmitschnitten eines Kollegen zu sehen, wie er sich völlg ohne Berührungsangst in der Menge badete. Für das Wiener Publikum muss das ein Erlebnis gewesen sein!

Danke, El Nino | raiRau7, dass du am 1. November 2017 mit der Kamera meine Augen und Ohren in der Stadthalle warst.

Wenn ich zuhause Nick Cave höre, sind das meist seine melancholischen Balladen mit den Bad Seeds, obwohl er mit seiner anderen Formation, Grinderman, auch heute noch ziemlichen Lärm machen kann.

„Skeleton Tree“, das aktuelle Album von Nick Cave & The Bad Seeds habe ich bereits vor einem Jahr in Gangway Music wie folgt vorgestellt.

Nick Cave und ich haben einiges gemeinsam: Wir sind gleich alt, lebten beide in Australien und lieben Musik und Literatur und das Internet. Ich habe ihn zwar nur einmal in Wien getroffen, aber ich weiß, dass wir beide auch die dunkle Seite der Welt kennen, wenn wir um einen geliebten Menschen trauern und das öffentlich tun. Ich in Büchern, er mit einem Album wie Skeleton Tree, Trauerarbeit für den Verlust seines Sohnes. Am 14. Juli 2015 verunglückte Arthur Cave tödlich, der 15-Jährige stürzte an Englands Südküste von einer Klippe.

Das Cover ist schwarz. Kein Design. Kein Verkaufsspin. Cave schenkt es einfach der Welt. Weltweiter Release über das Internet. Cave lässt die Welt teilhaben an seinem Verlust, aus dem die Welt wiederum wunderschöne traurige Lieder erfährt und die Bad Seeds den Ton wie immer auf den Punkt treffen.

Ich höre und liebe die Lieder von Nick Cave & The Bad Seeds nun schon seit 1983, also seit der Bandgründung mit Blixa Bargeld in Berlin, dann dem „Himmel über Berlin“ (Wings of Desire), das sind bereits einige Jahrzehnte, „The Ship Song“ ist immer noch einer meiner Alltime-Favorites. Das gegenwärtige Album ist jedoch das dunkelste: „When you feel like a lover, nothing really matters, when the one you love is gone.“ (I Need you) hat mich zu Tränen gerührt.

Und da ist auch noch „One More Time With Feeling“ ein zweistündiger, in Schwarz-Weiß gedrehter Film. Auch darin Trauerarbeit. Die Kameras zeigen ihn bei der Studioarbeit, in die Aufnahmen sind Interviewszenen hineingeschnitten, in denen Cave über den Sinn des Lebens und den Tod reflektiert. Den Film habe ich noch nicht gesehen und will ihn vielleicht auch gar nicht sehen. Die Musik berührt mich tief genug und die Worte, sagt Nick Cave, sind mächtig. Dem kann ich nur zustimmen.

Nick Cave & The Bad Seeds | „I Need You“ 2016

Nick Cave & the Bad Seeds’ sixteenth studio album, Skeleton Tree, is out now on vinyl, CD and across all digital platforms.

Spring and the Land

SUMMERSET, CD und Vinyl

Wer in der Popmusik überleben will, muss drei Kriterien erfüllen.

  1. Die Musik/Besetzung und/oder Stimme muss so unverwechselbar einzigartig sein, dass man sie im unendlichen Musikbrei sofort erkennt, wie zB. David Surkamp (Pavlov’s Dog), Michael Stipe (R.E.M.), Phil Collins (Genesis). Auch Voodoo Jürgens, Klaus Nomi oder Norbert Wally ist bzw war diese Qualität eigen, um auch deutschsprachige Musiker zu nennen.
  2. Man muss in der „richtigen“ Stadt leben. New York, Melbourne oder London bieten Musikern unendliche Möglichkeiten an Labels und Music Venues. Graz, Wies und nicht einmal Wien gehören in diese Kategorie, Berlin vielleicht.
  3. Man muss mit Produzenten, Kritikern und MTV Redakteuren „schmoozen“ können, um das jiddische Wort zu bemühen, und mit den wichtigsten Radiostationen auf du und du sein. Auf FM4 gespielt zu werden ist cool, aber noch lange nicht die Welt.

Warum ich diese Präambel zu der Besprechung des zweiten Albums einer Band mache, die ich bislang noch nicht kannte, liegt auf der Hand. Spring and the Land hat diese Stimme, die einen schon im ersten Track, The Meadow, fasziniert und regelrecht überfährt. Die Kopfstimme und und die kleinen Risse und Unebenheiten sind einzigartig und im dazugehörigen Videoclip sehr schön herausgearbeitet.

Warum es diese auch handwerklich sehr gute Formation um Jacques Bush, Gitarre & Gesang und Marino Acapulco, Schlagzeug, (die richtigen Namen sind der Redaktion bekannt) auf der internationalen Landkarte der Popmusic noch immer nicht gibt liegt daher an Punkt zwei und drei. Die Musiker sind Grazer und viel zu sympathisch, um sich auf schmoozen zu verstehen.

Auch Dogboy!, die voraus gegangene Electronic-Formation der beiden mit dem Debutalbum Watersports, das bereits im Jahr 2002 erschienen ist, hat es nie nach Australien geschafft und nicht einmal in Österreich die Charts erobert.

Ich verdanke es Pumpkin Records unermüdlichem Wolfgang Pollanz und seinem kleinen aber feinen Pumpkin Pool Festival am 1. September 2017 in Wies, die Band persönlich kennengelernt zu haben. Nach diesem intimen Gig keimt in mir die Hoffnung, dass es  heimische Musiker doch noch schaffen werden, über die Grenzen hinaus bekannt zu sein und mit Popmusik nicht nur zu überleben, sondern wie Sterne zu scheinen.

Band Website – https://www.springandtheland.com/

Pumpkin Pool Festival

 

Freitag, 1.September 2017, 18.00
Atelier im Schwimmbad, WIES

Kleines, aber feines Musikfestival von pumpkinrecords.

Live on stage:
Matthias Forenbacher (solo)
Tiger Family
Spring and the Land

Matthias Forenbacher, dessen CD „Life Vest“ vor einiger Zeit auf pumpkin erschienen ist, eröffnet den Abend mit einem Set aus alten und neuen Songs – für „Freunde wohltuend unmoderner Klänge mit ihrer stimmigen Mischung aus Folkrock, Country und alternativem Singer/Songwritertum“ wie die Wiener Zeitung schrieb.
Auch die Tiger Family, deren erste LP 2016 ebenfalls auf pumpkin erschien, spielt leise, akustisch und entspannt – „so ist eine andere Dynamik möglich, was Herz und Emotion angeht.“ (Zitat „Kleine Zeitung“).
„Pop der Marke hübsch, prachtvoll und spinnert“, schrieb jüngst der Wiener Falter über Spring and the Land. Die Grazer Band bewegt sich in ihrem eigenen Kosmos und erforscht dabei die unendlichen Weiten der Popkultur.
Wer neugierig ist auf Musik abseits des Mainstreams, hat beim pumpkin pool festival Gelegenheit, viel Neues und Überraschendes zu entdecken.

Wolfgang Pollanz – www.pumpkinrecords.com

Live at the Parkhouse

Der Grazer Stadtpark hat was und das Parkhouse Café in seiner Mitte auch. Sonntags ab 18 Uhr gibt es Live Musik – dem alternativen Publikum entsprechend Indie Bands, wie letzten Lazy Sunday (das Programm wurde witterungsbedingt von Sonntag auf Montag verschoben) –  zwei heimische Outfits, The Tiptoes und Saint Chameleon.

lazy_sundays

Aufgrund des Montag-Termins konnte nur ein Teil der Band um die Sängerin Miriam Bichler auftreten (die ich wegen des wunderschönen Badetages am Lake Schwarzl  versäumt habe), dafür durfte man zu Bandleader Luka Sulzers aktueller Besetzung (ohne Francesco Doninelli und Lukacz Custos, dafür mit neuem Schlagzeuger und Klarinette/Saxofon) auch einen schnellen Shag (den Swing-Tanz aus den 1930er und 1940er Jahren) tanzen.

Saint Chameleon arbeiten übrigens bereits im Studio an ihrem Debütalbum, das Anfang 2018 erscheinen wird.

Still Waters

Tommy kenne ich schon seit der Schulzeit. Wir haben damals Am Stadlgrund 13, im Haus meiner Eltern, miteinander musiziert. Davon gibt es sogar noch eine Aufnahme auf einem 18cm Spulen-Tonband. Aber diese Zeiten liegen Jahrzehnte zurück. Tommys Mutter war meine Deutsch-Lehrerin und Frau Professor Moretti mitverantwortlich für meine Liebe zum Buch. Ihr Sohn hätte am liebsten eine Karriere als Musiker eingeschlagen, damit aber seine Mutter enttäuscht, also hat er studiert und einen Brotjob an der Meduni. Seiner Leidenschaft mit der Musik ist er jedoch in verschiedenen Formationen treu geblieben. Seine jüngste Band nennt sich Still Waters, Sponsoring mit einem Mineralwasser-Produzenten steht noch aus.

Stille Wasser sind tief, heißt es.

Davon überzeugen die vier Musiker, deren Akustik-Instrumente den unplugged Stil der Band ausmachen: Alfred Valta, Bass, Thommy Puch, Schlagzeug, Perkussion, Thomas „Tommy“ Moretti, Gesang, Gitarre und Julia Sammer, Gesang, Geige. Die Lieder sind allesamt Eigenkompositionen von Moretti und Valta in englischer Sprache und philosophieren in langsamen Balladen wie auch schnellen Beats mehr oder weniger tief über das Leben. Alle vier beherrschen ihr Handwerk und das mit 22 Stücken abendfüllende Repertoire würde durchaus schon ein Debut-Album hergeben.

Einziger Kritikpunkt meinerseits war der Einsatz der beiden Singstimmen. Obwohl Sammer gut mit Moretti harmoniert, fand ich die junge Frauenstimme in den Soli unpassend. Schließlich sind es Morettis Lyrics – als Sänger ist er viel zu bescheiden. Schon in seinen früheren Bands dominierten die weiblichen Stimmen, nun sollte er endlich den Mut haben, sich selbst als Singer/Songwriter zu präsentieren und damit seinen Liedern ein unverkennbares Markenzeichen zu verleihen. Sammer glänzt ohnehin mit ihrem Violinspiel.

Das Konzert war der diesjährige Auftakt der von Werner Zinkl organisierten Veranstaltungsreihe „Kultur im Grünen“ im Ragnitzbad. Das Grazer Ragnitzbad wurde im Jahre 1929 errichtet, und war bis 2013 das einzige, in privatem Besitz befindliche, öffentliche Freibad von Graz. Knapp drei Millionen Euro hat die Stadt in den Kauf und in die Sanierung der Anlage investiert; sie wird von Barbara Zinkl gepachtet und liebevoll gepflegt.

Die Still Waters Fangemeinde war sehr zufrieden, durfte einmal mitsingen und bedankte sich mit kräftigem Applaus. Weitere Veranstaltungen – www.ragnitzbad.com

Über die Band – www.stillwaters.at

 

Unheilig: Ein letztes Mal

Der Graf lehrte uns wieder, den Kitsch zu lieben. “Ich wünsche dir, dass du immer glücklich bist, und das Leuchten deiner Augen niemals erlischt” widmeten Mütter ihren Söhnen, “die Zeit fliegt viel zu schnell an uns vorbei, ich halte dich, ich will nie mehr alleine sein, mh-mh-mh-mh, mit dir will ich unsterblich sein” … schworen sich Liebende mit Tränen in den Augen.

Ende einer Karriere am Gipfel

Ich habe ihn erst spät entdeckt, denn in Australien war seine Musik nicht im Radio (wie die seiner Landsleute Rammstein, an deren Stil er manchmal entfernt erinnert) und in Wien und Graz habe ich seine Auftritte verpasst. Vielleicht kann ich dem Phänomen Unheilig beim wirklich „letzten Mal“ auf den Grund gehen. Warum mag ich diese neue deutsche Schlagermusik?

Ein Zitat aus dem Pressetext –
Es ist der Abschluss einer beispiellosen Karriere: mit dem neuen Album „Gipfelstürmer“ verabschieden sich der GRAF und Unheilig musikalisch von ihren Fans. Das achte Studioalbum von Unheilig markiert zugleich den Höhepunkt einer 15 jährigen Bandgeschichte, die im deutschen Musikbusiness neue Meilensteine gesetzt hat. Mit dem sechsten Studioalbum „Große Freiheit“, das für über 1,7 Millionen verkaufte Exemplare mit 7fach Platin ausgezeichnet wurde, stellten Unheilig 2010 einen neuen historischen Chart-Rekord auf: 15 Wochen belegte das Album mit dem Überhit „Geboren um zu Leben“ ununterbrochen Platz 1 der Albumcharts und verdrängten damit Herbert Grönemeyer mit seinem Album „Ö“ vom Allzeit-Thron, den dieser seit 1988 belegte. Über drei Millionen verkaufte Tonträger, Millionen begeisterter Fans auf mehreren hundert Konzerten, Auszeichnungen wie „Echo“, Goldene Kamera“, „Bambi“ oder „Bundesvision Song Contest“: mit den letzten beiden Studioalben „Große Freiheit“ und „Lichter der Stadt“ eroberte der GRAF mit seinen Songs die Herzen eines Millionenpublikums und wurde innerhalb weniger Jahre zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Musikkünstler des neuen Jahrtausends. Nun erscheint mit „Gipfelstürmer“ wiederum ein Konzeptalbum, das, obwohl es einen Schlusspunkt setzt, doch zugleich den großen Bogen spannt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Das große Abenteuer „Unheilig“ geht langsam zu Ende. Wir alle durften Teil dieses Abenteuers sein und im Verlauf der letzten Jahre auch die Wandlung einer Künstlerpersönlichkeit sehr nah erleben und verfolgen, der der Schutz der Privatsphäre immer noch über alles geht. Wir haben einen Künstler erlebt, der durch seine Songs und die Liebe seines Publikums stetig gewachsen ist und seine Ängste besiegt hat. Einen Künstler, der den Schutz farbiger Kontaktlinsen und Fingernägel nicht mehr braucht, und der sein Stottern nicht mehr zu verstecken versucht, weil Musik seine Sprache wurde und millionenfach verstanden wird.

Aber der Graf wäre wohl nicht der Graf und Unheilig, wenn er ohne ein großes und besonderes Abschiedsgeschenk die Musikbühne verlassen würde. Das neue Album „Gipfelstürmer“ und die folgende gleichnamige Abschiedstournee werden noch einmal ein Zeichen setzen. Der allerletzte Vorhang wird für Unheilig auf einem besonderen Konzertereignis im September 2016 fallen.

Und so endet der Abschiedsbrief des Grafen mit den Worten: „Ich möchte euch alle bitten, die Botschaft meiner Texte und Songs mit all den positiven Werten in die Zukunft zu tragen und an Eure Liebsten weiter zu geben. Die Musik wird bleiben und der Glaube, die Hoffnung und das Gute daraus werden ebenso bleiben und überleben.“ – soweit der Pressetext. Meine persönlichen Eindrücke folgen.

“Ein letztes Mal” lässt UNHEILIG also nach mittlerweile 16 jähriger Bandgeschichte doch noch von sich hören. Freitag, 1.7. sieht man den Grafen in Graz, allerdings nicht Open Air wie angekündigt, sondern in der Stadthalle. Das in Österreich letzte Konzert am Samstag, 2.7. in Wien wird aufgrund der umfassenden Bautätigkeit am Gelände Krieau in den Festivalpark Marx Halle verlegt. Alle Termine: www.unheilig.com/termine/tour

Hier ist mein Bericht: Unheilig – Gipfelstürmer LIVE in Österreich

Ursprung, am 20. Mai 2016