La Strada Graz Festival 2018

Jedes Jahr verspricht uns Werner Schrempf Superlativen aus der Welt des Straßen- und Figurentheaters, vor allem auch aus dem Neuen Zirkus, dessen scheinbare Schwerelosigkeit und präzise Koordination der Bewegung mich so fasziniert. Es mag vielleicht an meiner eigenen zunehmend schwindenden Beweglichkeit liegen, welche die Bewunderung der gesunden Artisten und Tänzer immer größer werden lässt. Wie auch immer, lassen wir das große Staunen einfach zu, wenn uns La Strada Graz von 27. Juli bis 5. August 2018 verzaubert. Denn der Intendant hält immer, was er verspricht.

Opernring 12/I
8010 Graz
T. +43 316 69 55 80

La Strada ist eine Arbeitsgemeinschaft des Vereines zur Förderung von Straßenkunst und Figurentheater in Österreich und der Firma die ORGANISATION, Büro für Gestaltung und Veranstaltungsorganisation GmbH.
Wer laufend am Laufenden sein möchte, dem steht die La Strada-App als gratis Download zur Verfügung.

Eröffnung

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Gerald Ganglbauer bei der La Strada Eröffnung © Nikola Milatovic

Standing Ovation gibt es wiederum von der Eröffnung am Freitag in der Oper zu berichten, wo das französische Kollektiv Compagnie XY mit Il n’est pas encore minuit… frei nach André Heller „fliegende Menschen“ kreiert hatte,  ganz ohne Trapez. Ça va? Mais oui!

Nur noch bis 3. August zu sehen!

Fotos von Nikola Milatovic

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Stattegg-Ursprung, am 24. Juli 2018

Zirkus im Augarten

Bestias – Baro d’Evel Cirk Cie

Zum Stamm der „Bestias“, so der Titel der Produktion im Zirkuszelt gehören Brieftauben, Pferde und Menschen, und sie erzählen eine Geschichte, die einen Anfang hat und ein Ende. Oder doch nicht? Dem französisch-katalanischen Duo Camille Decourtye und Blaï Mateu Trias gelingt es jedenfalls mit „Neuem Zirkus“, also einer wohldosierten Mischung aus inszenierter Akrobatik, zeitgenössischem Tanz und Gesang, die Zuseher im Bann zu halten, auch wenn die Geschwindigkeit variiert und man im babylonischen Kauderwelsch manchmal den Faden verliert.

Es wird fetzig zur live gespielten Musik von Nicolas Lafourest, es wird wild gestritten, es wird sinnlich, auch zart und leise, wenn die zwölfjährige Tochter der beiden Zirkusdirektoren kleine Auftritte hat, und spassig, wenn sich die schlaksige Noëmie Bouissou, die schon mit sieben Jahren in die Zirkusschule in Toulouse ging, verbiegt als hätte sie keinen Knochen im Körper.

Erst in einem Gespräch mit jener Artistin nach der gelungenen Aufführung wird mir klar, warum gerade aus Frankreich, Katalonien oder dem französischen Kanada so viel Zirkuskunst kommt: Weil es dort Schulen dafür gibt. Das Ergebnis sind großartige Kollaborationen und innovative Projekte, wie jenes von Baro d’Evel Cirk Cie. Wir können La Strada dankbar sein, dass Graz in den Tourdaten der Compagnie aufscheint.

Noch bis Sonntag. Nicht versäumen!

Open  Dance

So ist La Strada authentisch: Tango die halbe Nacht

Zum Ausklang des Abends gab is noch Tango auf der Kaiserfeldgasse, aber kaum Platz zum Tanzen. Rudi Lackner vom Grand Café Kaiserfeld und Werner Schrempf waren jedenfalls sehr zufrieden mit den Besucherzahlen.

Stattegg-Ursprung, am 2. August 2018

La Belle Image

Big band French Style – Musiker in Bewegung

Das war ein großartiger Spass am Freiheitsplatz, „a Gaude“ trotz Affenhitze. Die Tanzbeine zuckten, die Lachmuskeln wurden trainiert und auch die Hände hatten zu tun. Bewegung, wie vom Arzt verordnet. Das geheime Rezept: Lateinamerikanisch inspirierte Musik einer gut synchronisierten tanzenden Brass Band. Neben mir schwitzte die Komponistin „aus Solidarität“, ein Wort, das dem deutschen Kulturbetrieb fremd geworden ist – hier ist jeder gegen jeden – wo hingegen in Frankreich der Begriff „compagnie“ blüht. Künstlergruppen überall.  Gut drauf, lustig und locker, keine „Tall Poppies“, Hör-, See- und Spielvergnügen für Publikum und  Künstler gleichermassen. Das wurde mit viel Applaus belohnt und verschwitzte Menschen vor und hinter der Bühne, die nur ein symbolischer Strick am Boden markierte, zerstreuten sich mit strahlenden Gesichtern wieder über die Straßen der Stadt.

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NoFit State Circus and Motionhouse

Neuer Zirkus: Die Show der Briten nannte sich schlicht „Block“

Was einfach begann – als Spiel mit großen grauen Blöcken – wurde schließlich zum Bau eines wackligen Turms, auf dem die Truppe herumturnte als wäre er ein solides Bauwerk, bis sie ihn im großen Finale umstürzten. Das war einfach gesagt das, was sich in 40 Minuten am Grazer Hauptplatz ereignete, und in Weiz und Stainz, weshalb sehr viele Zuseher bei freiem Eintritt großartige Akrobatik erleben durften, von der sie noch lange erzählen werden.

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Stattegg-Ursprung, am 3. August 2018

La Strada Graz Festival 2017

Machine de Cirque (Kanada)
Machine de Cirque

Foto © Nikola Milatovic

La Strada: Die fünf Ausnahmekünstler des jungen kanadischen Ensembles sind allesamt Multitalente, die neben dem artistischen auch ihr musikalisches Können unter Beweis stellen. Unter der Regie von Vincent Dubé erschaffen sie eine einzigartige, eine surreale Welt.

15 Jahre nach der Apokalypse finden sie ihre ganz eigene Überlebensstrategie. Ihr Weg zur Rettung führt über eine höchst erstaunliche Maschine – gleich einem Ersatzteillager, mit dessen Teilen sie sich meisterlich spielen. Immer bereit, ihre Körper und Seelen zu entblößen und uns zum Lachen zu bringen, zu bewegen und zu überwältigen.

Cirque Aïtal (Frankreich)
Pour le meilleur et pour le pire

Foto © Strates-Mario del Curto
„Von kühnen Balanceakten bis zu wild-wirbelndem Spiel auf der Wippe geht das französisch-finnische Paar an seine Grenzen. Schönheit und Anmut, Leidenschaft und ungefilterte Empfindsamkeit behalten hier immer die Oberhand.“ Le Monde

La Strada: „In guten wie in schlechten Zeiten“ heißt diese großartige Produktion des Neuen Zirkus – und auf eine Reise durch genau jene nimmt das Akrobaten-Paar Kati Pikkarainen und Victor Cathala seine Zuschauer mit. Balancierend, durch die Luft fliegend, einander haltend und hebend, inszenieren die beiden Artisten ihre Beziehung, lassen die Zuschauer an der Entwicklung, Spannung und dem Rhythmus des menschlichen Miteinanders teilhaben; streiten, versöhnen und lieben sich in der Manege. Und zeigen damit ihre ganz eigene Interpretation des zeitgenössischen Zirkus: geerdet und ohne Glitter – Autoradios, Abgase und wunderbare Akrobatik inklusive.

Standing Ovations für beide Produktionen: Die Eine bot großartige Akrobatik auf der Opernbühne, die Andere poetische Einblicke im Zirkuszelt

Die Zirkusmaschine sah ich mit den weit offenen Augen eines Kindes, das aus dem Staunen nicht hinaus kam und sich emotional wie schon lange nicht um die Artisten bangte. Was es zu sehen bekam, war eine Superlative akrobatischer Präzision in den unglaublichsten Kunststücken zur rockigen Musik des hauseigenen Schlagzeugers.

Die Episoden des jungen Paares im Zirkuszelt waren ganz anderer Natur. Ein klappriger roter Simca 1000 und ein artiger Hund begleiteten die beiden durch dick und dünn, um am Ende die Prüfungen des (Liebes-)lebens mit kraftvoller wie humorvoller Akrobatik zwar verdreckt, aber gemeinsam zu bestehen: „Le vent nous portera.“

28. Juli – 5. August 2017
Tickets & Informationen: +43 316 26 97 89

La Strada Graz Festival 2012

Über das internationale Straßenfestival “La Strada”, das mittlerweile zum 15. Mal in Graz über Straße und Bühne geht und erstmals mit Maribor kooperiert.

“Alles Große wächst aus kleinen Dingen”

From Little Things Big Things Grow,
Paul Kelly/Kev Carmody, Australien

La Strada und die Straßenliteraturtage

Anfang der 80er-Jahre habe ich in Graz „Straßenliteraturtage“ veranstaltet. Erst lasen junge Autoren mit einfachen Mitteln wie Leitern und Megafon in der Fußgängerzone, dann spielte schon Leo Kysela seinen Blues aus Lautsprechertürmen zu den Lesungen im Stadtpark. Nach fünf Jahren stetem Wachstum, doppelt so großen Plakaten wie am Anfang und mit dem Kampfschrei „Pfui, die Literatur geht wieder auf die Straße“ habe ich schließlich das kleine Festival der Worte aufgegeben, weil ich erst nach Wien und dann nach Sydney gegangen bin. Wer weiß, wo die Grazer Straßenliteraturtage heute wären, hätte ich weiter gemacht.

Einer, der in den späten 90er-Jahren mit einfachem Straßentheater begonnen hat, ist Werner Schrempf, dessen „La Strada“ inzwischen dreimal länger wachsen durfte und diese Zeit auch trefflich genutzt hat. Ich erinnere mich an die Anfänge anlässlich meiner Graz-Besuche, wo in der Innenstadt Straßenkünstler inmitten von verwunderten Passanten auftraten. Nur damit lassen sich keine Eintrittskarten verkaufen, kein Geld herein bringen. Man musste also zusammen mit den Sponsoren (Hauptsponsor Steiermärkische Sparkasse) ein Budget erstellen, das letztlich eines der interessantesten Programme in das kleine Graz gebracht hat, das sich international messen kann. Und ich kann das durchaus behaupten, da ich im Sydney Festival in den letzten zwei Jahrzehnten Zeuge ganz fantastischer Open Air Produktionen war. Straßentheater reicht wohl vom Clown am Straßenrand bis zur aufwendig auf riesigen Gerüsten erbauten Figurentheater-, Zirkus-, oder Performancekunst. Von einer Show unter Mithilfe der Elemente wie Feuer und Wasser, was im großen Maßstab ohnedies nur unter freiem Himmel möglich ist, bis hin zum Theater in Bewegung durch die Straßen einer Stadt. Das ist nach wie vor kostenlos anzusehen, aber dafür auch ein Publikumsmagnet für geschlossene Venues mit verkauften Eintrittskarten.

Interessanterweise kann ich mich aus Sydney auch vor allem an französisch-kanadische und spanische Produktionen erinnern. Das spiegelt sich auch in „La Strada“ wieder. Morgen ist die Eröffnung in der Grazer Oper (was bereits mit kritischen Bemerkungen kommentiert wurde) mit „Les 7 doigts de la main“ (Die 7 Finger) aus Montreal. Wir blicken auf spannende zehn Tage Straßenkunst in Graz.

 Hier nur eine kleine Auswahl an Programmpunkten vom 27. Juli bis 5. August 2012. Das gesamte Programm gibt es auf www.lastrada.at zu sehen.

The 7 Fingers (Kanada)
Sequence 8

„Emotionale Zustände auszuloten, hat die Kunst immer wieder versucht. Bilder, Musik, Drama – nun auch: Akrobatik. Erstmals wagt La Strada die Kooperation mit einer Gruppe aus Übersee, die in Österreich bisher kaum präsent war. Ihre jüngste Produktion „Sequence 8“ entsteht erst in diesem Frühjahr und unternimmt Streifzüge in die so dunklen wie aufregenden Welten des menschlichen Gefühlslebens. Freilich sind die „7 Fingers“ (Les 7 doigts de la main) aus Montreal in der Szene keine Unbekannten: Fein ziselierte Charaktere, virtuoseste Akrobatik, aus­geklügelte Choreografien kennzeichnen die Arbeiten der Gruppe, die international zu den erfindungsreichsten Zirkuscompagnien der Gegenwart gehört. In Quebec entwickeln sie ihre hoch angesehenen Projekte des neuen Zirkus und gelten damit als raffinierter Gegenentwurf zu den Überwältigungsspektakeln der Unterhaltungsindustrie. Für die acht Darsteller rund um Sebastien Soldevila und Shana Carroll zählt neben der körperlichen Virtuosität vor allem die Intensität einer Erzählung, die immer tief unter schimmernde Oberflächen führt. Perfekte Zirkuskunst – von Seiltanz, Jonglage und Clownerie bis zu schrägen Acts mit Skateboards – dient den Darstellern als außergewöhnliches Transportmittel für mitreißende Geschichten mit Tiefgang. Atemberaubend gut, herzzerreißend emotional.“

The 7 Fingers © Studio Pastis

dramagraz (Österreich)
Gott ist ein Deutscher

„Das gelobte Land: Es heißt Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich für viele Afrikaner, die nach Europa kommen. Eine von ihnen, eine Namenlose, ist hier, in einem Land, in dem sie sich eine bessere Zukunft erwartet, erhofft, erträumt hat, begleitet und verfolgt von den Stimmen aus ihrer Vergangenheit und von ganz realen Quälgeistern aus den Schlepperorganisationen. Fiston Mujila Mwanza war 2010 Stadtschreiber in Graz. Sein Stück „Gott ist ein Deutscher“ handelt vom Zerplatzen großer Träume und lässt dabei den Hintergrund kolonialer Vergangenheit und die erschütternde Praxis der Migration nicht aus. Folgerichtig wird ein LKW zur Bühne dieses brisanten zeitgenössischen Stückes über ein so allgegenwärtiges wie verdrängtes Thema. Mwanza widmet sich den Wanderbewegungen nach und in Europa, deren Ereignisse und Konsequenzen allzu oft der tagesaktuellen Berichterstattung überlassen werden.“

Jo Bithume (Frankreich)
Far West 2037

„Die nahe Zukunft. Unter Anleitung eines visionären Architekten baut eine Handvoll Männer und Frauen an der Stadt ihrer Träume. Auf einer ausrangierten alten Ölplattform in einem vergessenen Winkel der Welt entsteht ihr Utopia, in dem Wasser, Energie, Müll in einem originellen Kreislauf generiert und entsorgt werden, in dem jeder Bewohner seine Fähigkeiten optimal nutzen kann und alles in schönster Harmonie miteinander koexistiert. Allerdings kommen nach 17 glückseligen Jahren neue Migranten an Bord der utopischen Stadt – und das verändert einiges. Überleben im Angesicht der ökologischen Bedrohung, die Eroberung neuer Lebensräume durch den Menschen, der Versuch, sich an neue Verhältnisse zu anzupassen, das Ringen um Toleranz und Akzeptanz im Umgang mit den anderen: „Far West 2037“ ist reich an Motiven. Und dazu reich an optischen Eindrücken, denn Reininghausgründe werden zum Ozean, in dem eine vierzehn Meter hohe Offshore-Plattform vor Anker geht. Rund 20 Komödianten, Akrobaten, Musiker, Techniker bespielen die eindrucksvolle Struktur in einer Show, die eine bilder- und pointenreiche Zukunftsvision entwirft. Der Mensch als unberechenbarer Faktor in einem sonst überaus perfekten Do it yourself-Paradies: Kaum jemand könnte das so prachtvoll umsetzen wie die in Graz bestens bekannte Compagnie Jo Bithume, die heuer übrigens ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Die Franzosen liefern hier einen glänzenden Kommentar zur Öko-Debatte unserer Tage ab.“

Graz, am 26. Juli 2012