Stockwerk Graz – City of Jazz

Graz scheint tatsächlich die Stadt des Jazz zu sein, denn gerade habe ich einen neuen Jazz Venue entdeckt. Na ja, neu ist er nicht, denn es gibt ihn schon sehr lange. Aber ich habe zumindest eine gute Ausrede – ich war 25 Jahre weg. Otmar Klammer hat ihn vor 18 Jahren mitten im Zentrum etabliert und er läuft seither fast non-stop Mo – Sa 16:00 – 01:00 und So 16:00 – 24:00.

Stockwerk Jazz
Jakominiplatz 18, 8010 Graz
+43.316.82 14 33

Andreas Schaerers Stimme als Instrument im Album “Please don’t feed the Model”

Der Schweizer Andreas Schaerer (Stimme) und die Österreicher Martin Eberle (Trompete) und Peter Rom (Gitarre) haben das Publikum (O-Ton Schaerer: Never judge an audience by its size.) am 30. November mit Roms skurrilen Kompositionen hellauf begeistert. Aber vorerst rasch einmal der Link zum Stockwerk – stockwerkjazz.mur.at – darüber wird es noch viel zu berichten geben. See you there.

Rom/Schaerer/Eberle, Stockwerk Graz | © Gerald Ganglbauer 2012

ECM wird 40 mit Jan Garbarek

Jazz auf Schallplatten von ECM hat mich begleitet, seit ich die Grazer Keplerspatzen nach dem Stimmbruch verlassen musste. Der Knabenchor hat meine Liebe zur Musik entfacht und sehr neugierig auf andere musikalische Richtungen gemacht. Damals traten in der “Jazzhauptstadt” auch alle auf, die Rang und Namen hatten, Eberhard Weber, Don Cherry, oder Jan Garbarek. Meine Freunde sammelten Aufnahmen dieser Künstler auf schwarzem Vinyl und ich durfte sie mir mit meinem Ferguson Tonbandgerät auf 18 cm Spulen aufnehmen. Jetzt wird ECM 40 und Jan Garbarek gastiert im wunderschön restaurierten Gleisdorfer forumKLOSTER.

Ort: forumKLOSTER
Rathausplatz 5
8200 Gleisdorf
Datum: 20. November 2012
Beginn: 20:00 Uhr

Hörgenuss in ansprechendem Rahmen

Jan Garbarek im forumKLOSTER in Gleisdorf, 20 Nov. 2012 © Gerald Ganglbauer

Ich werde hier über das Konzert der Jan Garbarek Group – das ist Jan Garbarek (Saxophon), Rainer Brüninghaus (Piano), Yuri Daniel (Bass) und Trilok Gurtu (Percussion) – nur berichten, werde es aber so halten wie der Meister himself, nämlich nichts zu seiner Musik sagen. Er erschien wortlos mit seinen begnadeten Kollegen, die allesamt in großartigen Soli ihr Können bewiesen, auf der schlicht dekorierten, jedoch stimmungsvoll beleuchteten Bühne des Gleisdorfers forumKLOSTER und spielte…

Die vier gut aufeinander eingespielten Musiker kommunizierten ihre unterschiedlichen Klanggewebe ausdrucksstark, verzauberten das Publikum mit sinnlichen Kompositionen und erotischen Schwingungen. Jeder, der diese Musik kennt, weiß um den unverwechselbaren Garbarek-Sound. Daher nur ein paar Bildern ohne Worte.

Jan Garbarek Group Fotos © 2012 Gerald Ganglbauer

Nähere Infos gibt es bei der Stadt Gleisdorf und bei ECM records.

MURTON Musikfestival 2012

Flüsse sind die Lebensadern der Kulturen. Sie verbinden ganze Kontinente und an ihren Ufern hat immer schon der Austausch zwischen Menschen und Völkern stattgefunden. Auch heute noch. Das Grazer MURTON FESTIVAL erkundet diese multikulturellen Begegnungsräume entlang des Flusses, entdeckt und belebt die heißen Sommernächte mit Programmen, die quer durch die Ethnien, ihre Musik und ihre Kulturen führen.

(MURTON GRAZ 2012 Programmheft)

Die Welt am Fluss

Das erstmalig über die neue Freiluftbühne am Mariahilferplatz gehende MURTON Festival for contemporary music styles and culture lässt sowohl verwöhnte Grazer Musikliebhaber als auch Gäste der Stadt ganz schön aufhorchen.

 Es heißt, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Beim neuen Murton Festival gestatte ich mir dieses Lob jedoch schon nach der ersten besuchten Vorstellung. Da kann nichts mehr schief gehen, außer vielleicht, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt. Aber auch in dieser Hinsicht kann Petrus nichts anstellen, denn die neue überdachte Bühne am Mariahilferplatz trotzt jedem Regenguss.

Warum sage ich das? Der für das täglich (bei freiem Eintritt!) präsentierte Hauptprogramm gewählte Platz hat sowohl jahrelange Tradition als auch ein wunderschönes Ambiente. Kopfsteinpflaster, alte Herrenhäuser, moderne Architektur, gute Infrastruktur und ist an ganz Graz sowohl über das Radwegenetz als auch die Tram gut angebunden. Die neue Bühne ist schön, hat eine hervorragende Akustik und bietet 300 sitzenden Zuhörern Platz, sowie noch weit mehr Zaungästen. Und wie eingangs erwähnt, bietet sie auch ein Dach zum Schutz gegen eventuelle Naturgewalten. Sie muss die Stadt Graz wohl Unmengen gekostet haben, wird aber sicher einer Reihe von Veranstaltungen jahrein jahraus gute Dienste leisten. Weitere Venues wie die Postgarage, GMD und das PPC ergänzen mit Nachtvorstellungen.

Vom Programm her ist ebenso ein Hörgenuss garantiert. Mein erster Abend, ein Montag. Ed Partyka, nuBox & Concept Art Orchestra (USA/Deutschland/Tschechien/Slowakei) hat mich schlichtweg umgeblasen. Die solistischen Leistungen aller Musiker waren großartig, Ed Partyka hatte keine Mühen, sich durch hunderte einzelne Seiten Partitur hindurch zu blättern und dabei zu dirigieren, und die synthetischen Einspielungen zu den „6 Movements of Sonification“ gaben dem begeisternden Orchester noch den letzten Touch. „Bigbandtronics“, ein neuer Begriff für meine Ohren. Jazz vom Feinsten.

Heute führt uns Vesna Petkovic auf den Balkan mit Gypsy Brass aus Rumänien. Nicht entgehen lassen.

Überhaupt ist das Programm sehr international, nicht immer Weltmusik im ursprünglichen Sinn, aber Musik aus aller Welt, was am Mittwoch noch in einer sogenannten „Welttafel“ münden soll, wo eine kulinarische Weltreise in 8 Gängen bevorsteht. Inklusive Tischmusik. Ich bin schon gespannt.

Abgerundet wird das Programm nach der „langen Nacht am Fluss“ noch durch einen Happen Literatur am letzten Tag, „a little alien“ im Kulturzentrum Minoriten. Der „Versuch des Ankommens in Worten“ zu Mittag geht abends in die „Spoken Poetry – Die Welt im (Rede-)Fluss“ über. Natalie Resch hat diesen Programmpunkt gestaltet, so wie zuvor schon jeder Tag von einem Kurator präsentiert wurde.

Vielleicht treffe ich irgendwo Hansjürgen Schmölzer, der im Dramaturgie und Presse Projektteam des Festivals mitarbeitet. Vor 30 Jahren haben wir gemeinsam an der Uni Graz studiert. Auch wenn sich an der Mur die Welt trifft, Graz bleibt doch ein Dorf. Wenn auch ein sehr kultiviertes und freundliches Dorf.

Das Festival läuft noch bis zum 19. August 2012. Das Programm gibt es auf www.murton.at zu sehen.

Ed Partyka, nuBox & Concept Art Orchestra © Gerald Ganglbauer.

Graz, am 14. August 2012