Happy Birthday, Harri

60 Jahre Harri Stojka

Seine Finger greifen auch mit 60 noch unfassbar schnell die Saiten am Hals seiner Gitarre, die der Virtuose aus Wien, Floridsdorf, Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, im Lauf seines Lebens in einem sehr breiten musikalischen Spektrum eingesetzt hat, etwa in der eigenen Band, dem Harri Stojka Express, an den ich mich noch gut erinnere, da wir etwa im gleichen Alter sind (OT: Wie es mir mit 60 geht? Früher freute ich mich aufs Fortgehen, jetzt ist es aufs Heimkommen.) aber auch mit Gipsy-Weltmusik und Rockstars wie Peter Wolf und Frank Zappa bis hin zu Musikern aus dem indischen Rahjastan, wo er auf der Suche nach seinen Wurzeln war.

Harri Stojka (* 22. Juli 1957 in Wien) ist ein österreichischer Gitarrist, Komponist, Arrangeur, Bandleader und Sänger, der als einer der bedeutendsten österreichischen Jazz-Musiker der Gegenwart gilt. „Harri“ entstammt der Lovara-Roma-Dynastie vom Stamm der Bagareschtschi und zählt zu den bekanntesten Roma Österreichs. Sein weltmusikalisch geprägter Musikstil wird auch „Gipsysoul“ genannt. Daneben spielt er mit Erfolg auch swingorientierte Musik, weiß das Lexikon.

 

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Auf seiner Birthday Concert Tour lässt er sich in der Generalmusikdirektion Graz, dann dem Kulturzentrum Kremsmünster, dem Treibhaus in Innsbruck und schließlich im Wiener Konzerthaus mit guten Freunden aus vielen Jahren feiern. Other Doors nennt sich seine jüngste Formation mit Claudius Jelinek, Gitarre, Alex Deutsch, Schlagzeug und Peter Strutzenberger, Bass. Im Roma Musik Enseble erweitert sich die Besetzung um Geri Schuller, Keyboard, Saška Janković, Gesang, Andi Steirer, Percussion, und Herbert Berger, Klarinette, und jm India Express mit Kutle Khan, Gafur Khan und Aditya Bhasin, Maultrommel, Tarang, Tabla, Gesang.

Das Publikum in Graz, großteils ebenso 60 oder darüber, war hellauf begeistert, lauschte, klatschte, sang „Happy Birthday, dear Harri“ und tanzte zur zweiten Draufgabe, einem zwar betagten aber immer noch swingenden Tune aus seinem neuesten Projekt, Harri Stojka goes Beatles.

Seine offizielle Website: www.harristojka.at

50 Jahre steirischer herbst

Updates >> 24. September >> 11. Oktober >> 14. Oktober

Die letzte Eröffnung

Where are we now? Die scheidende Intendantin Veronica Kaup-Hasler erinnerte in ihrer emotionalen Rede, dass der steirische herbst das älteste multidisziplinäre Festival für zeitgenössische Kunst in Europa sei und sich immer wieder neu erfinden müsse. Mit fünfzig Jahren am Buckel und dem 88-jährigen früheren Präsidenten Kurt Jungwirth anwesend kam ich mir auch schon sehr alt vor. Immerhin hat der steirische herbst seit dem Jahr 1977 mein Leben begleitet und damit sicher auch meine Offenheit für Neues und meine Liebe zur Avantgarde durch ein erweitertes Kulturverständnis mitgeformt. Obwohl es heute noch Menschen gibt, die unter dem steirischen herbst einfach den Herbst in der Steiermark verstehen, bin ich überzeugt, dass durch die unermüdliche Aufklärung des Festivals das seinerzeit kleinstädtische Bewußtsein der Einheimischen im Lauf der Jahre weltoffener geworden ist. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Die nackte Performance

Die dänische Choreografin Mette Ingvartsen kannte ich bereits von 7 Pleasures, die ich vor zwei Jahren das Vergnügen hatte im Dom im Berg zu sehen. Mit to come (extended) landete sie eine gelungene Urauführung, einen vielstimmigen Orgasmus vor weitaus größerem Publikum. Die Anwesenden waren von der erotischen Körpersprache sichtlich begeistert, wenn auch ohne spontane Entkleidungen und Beteiligung am Tanz, die wohl so manchem in den Sinn gekommen war. Schade, dass man während der zweiteiligen blau/nackten Vorstellung nicht fotografieren durfte, Wer nicht dabei war und die Produktion dennoch unbedingt sehen will, muss eben nach Paris fliegen.

Das große Buffet

Als nach dem lange anhaltenden Applaus für die Tänzer ein schier endlos scheinendes Buffet langsam auf die Bühne gerollt wurde, war die Reaktion etwas zögerlich, doch dann ging es schnell, La Grande Bouffe war in der Tat ein opulent-sinnliches Angebot für den Gaumen, dem niemand widerstehen konnte. Beim darauf folgenden Abtanzen konnte man die Kalorien ohnedies wieder abbauen, sich mit den numehr bekleideten Tänzern aus aller Herren Länder unterhalten und nach Mitternacht guter Dinge nachhause fahren.

Stattegg, am 23. September 2017

Die nackte Performance II

Am nächsten Tag setzt sich das Nacktsein auf der Bühne fort. Ich frage mich, ob es in einer Zeit, in der die in den 60ern erkämpfte Freiheit von einem neuen Konservatismus langsam wieder überdeckt wird, der Kunst bedarf, an sexual liberation zu erinnern.

Simon Mayer – Oh Magic

In der Abgeschiedenheit des Dom im Berg ist diese Erinnerung großartig gelungen. Der Oberösterreicher Simon Mayer hat es im besten Sinn mit seinem choreografierten Konzert Oh Magic mit Clara Frühstück, Tobias Leibetseder und Patric Redl, sowie den von Manuel Wagner ferngesteuerten Robotern bewiesen. Die Premiere bot 70 Minuten lang Überraschungen, anfangs im verdunkelten Raum den zaghaft suchenden Scheinwerfer eines R2-D2 artigen Lichtroboters, die ruhige Melodie eines selbstspielenden Klaviers, einer Triangel, Rückkopplungen eines Mikrofonroboters im Zusammenspiel mit dem Erscheinen des Menschen mit Stimme, Atmung und rockigem Sound Design, bis hin zur schrittweisen Entkleidung, ekstatischer Besessenheit mit dem nackten Körper und an Wahnsinn grenzende Trommelrituale. Ich gebe zu, dass diese Subsummierung in einem Satz der erlebten Show in keiner Weise gerecht wird, aber vielleicht verirrt sich der eine oder andere Leser noch zum Talk nach der zweiten und letzten Aufführung am Sonntag.

Stattegg, am 24. September 2017

Die zwei Alten

Einmal gänzlich ohne nackte Haut kommt die berührende Dokumentation der belgischen Künstlergruppe Berlin vom (Über-)Leben von Nadia und Pétro Opanassovitch Lubenoc aus. Zwei 80-jährige, die sich weigerten, nach dem nuklearen Meltdown im 25 Km entfernten Tschernobyl das ukrainischen Dorf Zvizdal (so auch der Titel des Stücks) zu evakuieren, werden einfühlsam porträtiert.

Massstabgetreues Modell aus Zvizdal

Über einige Jahre hinweg wurden die beiden eigensinnigen Verweigerer jeglicher Vernunft besucht und gefilmt, wie sie ihren kontaminierten Heimatboden bestellen und abgeschnitten von der Welt ohne Strom und fließendes Wasser der Natur und den unsichtbaren Strahlen trotzen. Auch die Liebe zwischen den beiden früheren Nachbarn wuchs im Sperrgebiet. Das umfangreiche Filmmaterial bis zum Tod Pétros wurde in eine multimediale Aufführung eingebettet, die mich nachdenklich hinterließ, was im darauffolgenden Talk auch das Publikum zum Ausdruck gebracht hat.

Auf dem Heimweg sind mir Parallelen zu Marlen Haushofers Die Wand in den Sinn gekommen.

Nadja lebt im Internet weiter: berlinberlin.be/chernobyl code: leavingzvizdal

Stattegg, am 11. Oktober 2017


Die nackte Performance III

Auch Apollon Musagète, die „Freakshow“ von Florentina Holzinger, wollte ich mir anschauen, aber leider war das wegen einer Terminkollision mit dem Jazz Festival Leibnitz nicht möglich gewesen. War sehr gut, wie man mir berichtet hat.

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Apollon Musagète | Foto ©2017 Radovan Dranga

Eine Gelegenheit, wieder einmal meinem Bedauern Ausdruck zu verleihen, dass ein Großteil der Produktionen viel zu kurz, nämlich meist nur zweimal, auf die Bühne kommt. Einem Besucher mit durchschnittlicher Freizeit ist es dadurch kaum möglich, sich alles anzusehen. Die herbst-Statistik gefällig? An 24 Festivaltagen gab es 137 Projekte und 451 Einzelveranstaltungen, das ist genauso wenig machbar, wie alle Bücherneuerscheinungen des Herbstes zu lesen.

Where Are We Now?

In der „Philosophierkantine“ des steirischen herbst werden bei einem Glas Wein und Speisen aus der Bar Gedanken weitergesponnen. Aber erst einmal wurde in eigener Sache das herbst-Buch vorgestellt.

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Buchpräsentation: 50 Antworten auf die Frage „Where Are We Now?“

Vorträge wurden als Diskussionsgrundlage serviert: Mangelnder Zugang zum Weltkulturerbe wurde von einer Kuratorin bedauert, Weltreligionen in einem Filmbeitrag angesprochen und heftig diskutiert, danach kam eines meiner Lieblingsthemen und ein süßes Dessert auf den Tisch: „Poly“ (Polyamory), ein Thema, das an unserem Tisch für angeregte Gespräche sorgte. Um Trading in einem Eisbrecher ging es im letzten Vortrag des Abends, aber da sich die Uhrzeiger gegen Mitternacht bewegten, hatten sich die Tische schon weitgehend gelichtet. Gute Nacht.

Pursuit of Happiness

Mit meinem letzten Gig im 50. steirischen herbst schließt sich der Kreis. Nature Theater of Oklahoma und die slowenische EnKnapGroup inszenieren in der Grazer Helmut List Halle ihre Suche nach dem Glück: „Pursuit of Happiness“. Das zweiteilige Stück trug ganz eindeutig die Handschrift der New Yorker. Im ersten Teil die Saloon-Szenen, Whiskey an der Bar, Finger am Abzug der Colts, Raufereien und ausgeschlagene Zähne, danach der überlange Monolog des Künstlers. Ich erinnerte mich an Life and Times – Episode VI, auch hier wieder die betont künstlichen Bewegungen, die extrem artikulierte Sprache, den persiflierten Akzent der Südstaaten und die großartige Darstellung der Tanzgruppe, für die der hohe Textanteil auch etwas Neues war, wie wir im anschließenden Talk erfuhren. Bleibt zu hoffen, dass die acht Slowenen (zwei Mitglieder der Gruppe waren nicht in dieser Produktion) auch mit eigenen Shows nach Graz kommen.

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Abschied von Pavel und Kelly, die in Neuberg an der Mürz noch den Dreh von Die Kinder der Toten fertigstellen, und von Veronica, deren Nachfolge  Ekaterina Degot antreten wird. Ich bin schon gespannt auf den 51. steirischen herbst (und den Ausgang der morgigen Nationalratswahl).

Stattegg, am 14. Oktober 2017

All that Jazz

Berndt Luefs Jazztett Forum Graz ist ein fester Bestandteil der hiesigen Jazzszene, Luef selbst ein Urgestein. Wir kennen einander seit Jahrzehnten und ich habe schon einige Berichte in Gangway Music Reviews über seine Musik verfasst. Über die zehn hervorragenden Jazzmusiker, allesamt Profis mit eigenen Bands oder im Musikunterricht, braucht man nichts mehr zu sagen, auch deren Schrullen (wie barfuß auf der Bühne zu stehen) sind bekannt.

Cover_35d7230f16Für mich bislang unbekannt war Dorothea Jaburek, eine sehr sympathische kleine Frau mit großer Stimme, die ich auch deshalb erwähne, weil sie nach der Show meine Frage sofort spontan mit einem JA beantwortet hat, ob sie mit uns bei Parkinsong Duets mitsingen würde.

Hier eine Hörprobe, fünf Minuten Live Mitschnitt von gestern Abend, „Between the Walls“, von der gleichnamigen CD, den ich mit meiner nagelneuen ultrakleinen Canon IXUS 190 aufgenommen habe. Viel Vergnügen.

Dorothea Jaburek ist auf Facebook und hat eine ausführliche „hörbare“ Website – www.dorotheajaburek.com

2016

“Heite grob ma Tote aus”

Voodoo Jürgens, 2016

Jahresrückblick mit ELP auf dem Plattenteller

Dieses Jahr wurde es mir bewusst. Unsere Generation ist vom Aussterben bedroht, denn mehr und mehr Babyboomer lösen die Verbindung zum Mutterschiff Erde. Der biologische Zerfall ist angelaufen, unsere Wurzeln finden keinen nahrhaften Halt mehr im Boden. Meine Zeitgenossen wandern einer nach dem anderen ab ins Nirwana, oder wohin auch immer, wobei Himmel, Fegefeuer und Hölle schon grundsätzlich ausgeschlossen sind.

Im Jahr 2016 verstarben musikalische Legenden wie David Bowie, Leonard Cohen, Prince oder George Michael. Mit den Songs der ersteren konnte ich mich identifizieren, letztere waren gar nicht mein Geschmack. Aber die wahre Erkenntnis unserer Sterblichkeit liegt in der Tatsache, dass bereits zwei Drittel von ELP tot sind, wie auch Thomas Huber, einer meiner besten Freunde aus der Jugendzeit.

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Durch die Wüste (1980), Rannach (2012) und Kohfidisch Open Air (1977)

In Graz bin ich mit Emerson, Lake & Palmer herangewachsen, die ich 1973 auf meinem allerersten großen Rockkonzert live gesehen hatte. Welcome back my friends, to the show that never ends hat sich in mein Hirn eingebrannt, wie religiösen Menschen die Möglichkeit von unbefleckter Empfängnis. Speziell bei den Zeugen Jehovas, deren Besuche ich damals freudig zuließ, weil ich das nichtsahnende Paar in angeregter Diskussion immer wieder vom „rechten Weg“ abbringen wollte. Das gelang mir zwar nie, war aber eine ausgezeichnete Vorbereitung in Kommunikation und Rhetorik auf das spätere Studium.

Aber zurück zu ELP, dem Anlass zu dieser Betrachtung. Nach dem Konzert haben mir die Ohren vom quadrophonen Klangerlebnis so geglüht, dass ich mir sofort das gleichlautende dreifach-Album gekauft habe und die drei Briten zu meinen Lieblings Progrockern machte. Derart sozialisiert – soweit ich das beeinflussen wollte oder konnte –  habe ich auf unzähligen Openairfestivals in den späten 70er und frühen 80er Jahren guten Rock und freie Liebe gesucht und meine gelb-braun-gestreiften Hosen bekamen vor vier Jahrzehnten dementsprechend oft grüne Flecken auf uneinsichtigen Wiesenstücken.

Heuer ging die Show für ELP doch zu Ende. Keith Emerson starb am 11. März 2016 in seinem Haus in Santa Monica, Greg Lake starb am 7. Dezember 2016 an Krebs. Carl Palmer, Jahrgang 1950, geht es gut. Schlagzeuger leben gesünder.

“A bullet had found him
His blood ran as he cried
No money could save him
So he laid down and he died”

Aus: Lucky Man (Greg Lake)

Ausgegrenzt

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Airbourne am Big Day Out in Perth | Foto © 2011 Gerald Ganglbauer

Graz liegt nicht mehr auf der Landkarte des Rockzirkus

Die jungen Grazer tun einem leid. Sie müssen sich mit Andreas Gabalier zufrieden geben und aus dem Ausland kriegen sie gerade noch Unstimmig ein allerletztes Mal zu sehen. Auf der Landkarte internationaler Tourneen existiert Graz schon lange nicht mehr. Man muss sich sogar Rammstein im Westaustralischen Perth am Big Day Out anschauen oder zumindest nach Wien oder München fahren. Niemand kommt mehr nach Graz.

Zu meiner Zeit waren sie alle hier, von ELP über Dire Straits bis zu Frank Zappa. Auch der große Leonard Cohen. Aber heute gibt es keinen Vojo Radkovic, der sie für Vojo Concerts verpflichtet hätte. Er könnte sich das exorbitante Risiko heutzutage auch gar nicht mehr leisten. Damals ist die Neue Zeit eingesprungen. 2016 traut sich kein Grazer Veranstalter mehr an Rocklegenden, denn selbst ein ausverkauftes Konzert würde die Kosten nicht decken und die Stadt Graz erachtet Popkultur nicht als förderungswürdig. Ohne private Sponsoren bleibt es halt bei Gabalier. Sorry, Graz.

steirischer herbst 2016

Vom 23. September bis 16. Oktober 2016 krempelt sich der steirische herbst die Ärmel hoch:“ Wir schaffen das.” Die diesjährige Eröffnungsproduktion entführt in die Traumwelten des französischen Theaterzauberers Philippe Quesne. Für den steirischen herbst gräbt er sich unter die Erdoberfläche und stößt dort auf eine skurrile Gesellschaft.

steirischer herbst Logosteirischer herbst festival gmbh
Sackstraße 17
8010 Graz Austria
t +43 316 823 007
f +43 316 823 007 77
info@steirischerherbst.at

Wir schaffen das.
Über die Verschiebung kultureller Kartografien
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Kultur soll leistbarer werden mit den neuen herbst-Blocks | Grafik © steirischer herbst
herbst-Block

Gerald GanglbauerDas diesjährige Motto könnte sich sogar auf mein neues Buch beziehen, habe ich doch mit meiner Geografie der Liebe immer schon kulturelle Grenzen verschoben. Wen das plakative “Wir schaffen das” hierzulande wozu motivieren soll, werden wir am 23. September auch nicht herausfinden. Behauptet hat es Angela Merkel, wobei Ähnlichkeiten mit Slogans von Bob the Builder und Barack Obama rein zufällig sind, wie ich annehme.

Heuer wird das Kulturangebot des steirischen herbst für jedermann erschwinglich mit den neuen herbst-Blocks: bis zu 56% des Ticketpreises sparen, herbst-Blocks (ab € 70 für den ermäßigten 6er) ab sofort online kaufen und einlösen. Das gesamte Programm gibt es auf www.steirischerherbst.at zu sehen. Wir werden von der Eröffnung berichten, Fotos vom musikprotokoll posten und hier mit einem Rückblick abschließen.

Buchungshotline +43 (0)1 96 0 96 (zum Ortstarif)
Öffnungszeiten: Mo – So: 09:00 – 21:00 Uhr
Sommeröffnungszeiten Juli & August: Mo – So: 09:00 – 20:00 Uhr

Stattegg-Ursprung, am 30. Juli 2016

Eröffnung

Über die herbst-Eröffnung kann ich nichts berichten, da ich zu dem Zeitpunkt in Portland, Oregon (USA) eine Präsentation meines virtuellen Selbsthilfe-Modells am 4th World Parkinson Congress machte und erst am 26.9. wieder in Graz landete. Es sei gut gelaufen, höre ich, beim Fest in der Helmut List Halle tummelten sich wie immer viele Leute. Das herbstliche Gesichtsbad ist für heimische Kulturschaffende schließlich ein Pflichttermin.

Apichatpong Weerasethakul (TH)
Cemetery of Splendour / Fever Room

Apichatpong Weerasethakul am Eröffnungsabend der Viennale 2010 im Wiener Gartenbaukino | Foto: © Manfred Werner
Apichatpong Weerasethakul am Eröffnungsabend der Viennale 2010 im Wiener Gartenbaukino

Mittwoch tauche ich ein: Der steirische herbst zeigt den neuen Film des thailändischen Regisseurs Apichatpong “Joe” Weerasethakul, ein sanftes Meisterwerk von traumwandlerischer Magie, das ganz hervorragend zu meinem Jetlag passt. Ich frage mich nur, welche Absicht dahinter stand, nach der Filmvorführung zwei selbstgefällige (weil eine Beteiligung aus dem Publikum ignorierende) vormalige Standard-Köpfe, nämlich Alexander Horwath (Österreichisches Filmmuseum) und Claus Philipp (Wiener Stadtkino) auf die Bühne zu setzen, und als Experten die “aus dem Kino kommen”, über einen Regisseur zu reden, der weit genug weg ist, um sich der Peinlichkeit nicht auszusetzen, wie marktschreierisch die beiden ihr 2009 erschienenes mittlerweile vergriffenes Buch über “Joe” oder gar “Joey” nun als PDF (!) auf einer DVD (!) bewerben. Und um den TALK nicht gänzlich zum Marketing-Spin absinken zu lassen, projiziert man den Film in sehr kleinem Rahmen (Orpheum Extra), so dass die Karten innerhalb der herbst-Fangemeinde schon ausverkauft waren, lange bevor die Show über die Bühne ging und das gemeine Volk überhaupt eine Chance hatte, sich etwas anzuschauen. Man fragt sich, ob der steirische herbst nun ein elitäres Programmkino geworden sei. Doch dafür war der Raum zu kalt und das Sitzen zu unbequem, auch wenn die Intendantin in der Pause auf lauwarme Drinks einlud.

Talk mit Alexander Horwath (Österreichisches Filmmuseum) und Claus Philipp (Wiener Stadtkino) | Foto: © Gerald Ganglbauer
Kino Talk Kino Talk Kino Talk Kino Talk

Zwei Tage später, Freitag: Fever Room. Vor dem Orpheum sind kaum Leute, ich sehe Gerhard Melzer und wir wundern uns über die wenigen Besucher des “ausverkauften” Zwillingswerkes von Apichatpong Weerasethakul. Drinnen sind wir gezwungen, am nackten Boden zu sitzen. In Südost-Asien ist das wohl so üblich, hier bezweckte die Unbequemlichkeit vermutlich, nicht aus Langeweile einzuschlafen. Einmal, und noch einmal werden uns Orte und Gegenstände aufgezählt, bezeichnet, aus der Erinnerung an Träume. Jen und Itt, die schlafenden “Hauptdarsteller” in beiden Filmen teilen sich ihre Träume. Der Mekong Fluss, eine Höhle, und – als Sohn zweier Ärzte – immer wieder Szenen aus dem Krankenhaus. Nun statt auf einem auf vier Screens, fast bis zum Stillstand verlangsamt. Auch hier Schlafattacken. Der thailändische Heimatfilm ohne Handlung ist durch die Vervielfachung nicht weniger langatmig, trotz teils schöner visueller Eindrücke, die sowohl den politischen Aspekt in einem unter der Militärdiktatur zerfallenden Land einbeziehen, als auch die Umweltverschmutzung. Aber im Westen sitzt man auf Stühlen und glaubt nicht an Geister, auch wenn sie sich im zweiten Teil der “Installation” mit Laserlicht und Weihrauch dem Publikum präsentierten. Keine Warnung, dass man mit ungeschützten Augen nicht in den Laser schauen dürfe, und so erwachte ich heute mit brennenden Augen, weil das weiße Licht uns immer und immer wieder viel zu lange direkt in die Pupillen strahlte.

Lasershow aus “Fever Room” | Foto: © Chai Siris / Kick the Machine Films

Der 46-jährige Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok, der 2010 als erster thailändischer Filmemacher die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes erhielt, sagt in einem französischen Interview, dass er es mag, wenn das Publikum “im Dunkeln sitzt wie Zombies”. Er will, dass wir uns unterordnen. Ich vermute, dass Europäer diese filmische Auseinandersetzung mit Thailands Geistern bestenfalls als “interessant” bezeichnen, obwohl Matthias Dell im SPIEGEL ONLINE begeistert scheint. Aber wenn es uns hier interessiert, wäre es in einem Südost-Asien Schwerpunkt im KIZ Programmkino besser aufgehoben, ohne dass sich das Publikum als “Oberfläche, auf die ein Licht projiziert wird” unterordnen muss.

Stattegg-Ursprung, am 30. September 2016

musikprotokoll

Das musikprotokoll war anfangs noch schwach besucht, erst Blixa Bargeld füllte den Dom im Berg | Fotos: © Gerald Ganglbauer
Dom im Berg Dom im Berg
Blixa Bargeld Blixa Bargeld

Blixa Bargeld
Kommod vs. Schiach

Wenn auch schon etwas gerundet (wie viele in unserem Alter) so ist Blixa Bargeld auch im schwarzen Anzug immer noch ein bunter Vogel. Er kann sogar kreischen wie ein Sulphur-crested cockatoo. Das muss er mit Nick Cave im australischen Outback gelernt haben. Wie auch immer, der Mann, der die Einstürzenden Neubauten oder Nick Cave and The Bad Seeds in seiner Biografie hat, ist auch (fast) solo eine imposante Erscheinung. Ich habe zwar ein oder zwei Alben der Neubauten am Mobiltelefon und höre ab und zu auf YouTube auch neuere Sachen, hatte das Material dieser One-Man-Show aber nicht gekannt. Daher war ich umso mehr beeindruckt, was man mit einer Stimme, zwei Loop-Recordern und einem guten Tontechniker an schrägen Klängen und mitreissenden Rhythmen live auf der Bühne zusammenbasteln kann. Kreative Ideen vorausgesetzt, wie z.B. das Sonnensystem akustisch nachzubauen, dabei das Publikum in eine unendliche Tonschleife einzubauen (und über Unendlichkeit zu philosophieren) oder spontan aus dem Publikum zugeworfene Worte – wir einigten uns nach einiger Diskussion auf Kommod und Schiach – in einem Duell zu verarbeiten. Das waren knappe eineinhalb Stunden bester Unterhaltungsqualität, die es wert waren darauf zu warten. Die beiden vorangegangenen Klangkünstler habe ich größtenteils mit einer jungen Dame in einem Seitenstollen des Schlossbergs vertratscht. Und ich erreichte laufend (und keuchend) auch gerade noch die vorletzte Straßenbahn nach Andritz.

ORF Radio-Symphonieorchester Wien & Klangforum Wien
Größe macht doch was aus

Unter der Leitung von Johannes Kalitzke war eine Urauffführung der besonderen Art in Graz zu erleben. Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien vereinte sich mit dem Klangforum Wien zu einem fast 100-köpfig anmutenden Klangkörper für die Werke der türkischen Komponistin Zeynep Gedizlioglu (im Bild rechts unten) und des Slowenen Vito Zuraj. Zeitgenössische/neue Musik gehört nicht zu meiner täglichen Beschallung, aber hin und wieder kann sie auch mich durchaus entzücken. Ungewöhnliche Besetzungen wie in einer Komposition für drei Mundstücke (links oben) bis zum unisonen Klang aller nur denkbaren Instrumente in oft nicht vorgesehenem Einsatz ebendieser gehört zu den seltenen “ganzkörperlichen” Hörerlebnissen, die einen von FM4 zu Ö1 wechseln lassen. Noch besser war es allerdings, dieses “Concerto Grosso” live zu erfahren.

ORF Radio-Symphonieorchester Wien & Klangforum Wien in der Helmut List Halle | Fotos: © Gerald Ganglbauer
List Halle List Halle
List Halle List Halle

Stattegg-Ursprung, am 7. Oktober 2016

Exkurs zur Geografie der Liebe

Der dritte Tag musikprotokoll fiel für mich verständlicherweise aus, da ich an jenem Abend eine eigene Lesung/Buchpräsentation/Talk aus meinem neuen Buch Geografie der Liebe im passenden Ambiente des KunstGartens hatte. Volles Haus, gute Stimmung, aber die Journalisten waren wohl alle beim steirischen herbst.

Intime “Wohnzimmer-Atmosphäre” im KunstGarten Graz | Foto: © Irmi Horn / Gangan Verlag
Gerald Ganglbauer liest im Kunstgarten, 8.10.2016

Stattegg-Ursprung, am 10. Oktober 2016

Die Bilanz

Der steirische herbst 2016, der dem Leitmotiv “Wir schaffen das. Über die Verschiebung kultureller Kartografien” folgte, ist zu Ende. Die Intendantin zog wiederum Bilanz, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass der Dampf raus war. Kann man sich wirklich 50 Jahre lang der Avantgarde widmen und sich immer wieder neu erfinden? OK, ich habe heuer den Anfang wegen einer Terminkollision mit einem Kongress in Portland und das Ende wegen eines Festivals in Leibnitz nicht gesehen, aber dazwischen war nicht wirklich viel, wie mir schien, und nichts das mich vom Stockerl gehaut hätte wie so manches in den Jahren zuvor. Ja haben sie es denn geschafft? Was wollten sie überhaupt schaffen? Wer wollte es schaffen? Wir als Menschheit, Europäer, Österreicher, Kulturschaffende, Künstler, oder nur als Publikum?

Daraufhin habe ich mich auf der Straße umgehört und das Ergebnis meiner improvisierten Umfrage hat selbst mich überrascht. Obwohl der steirische herbst bald 50 wird gibt es Grazer, die noch nie vom steirischen herbst gehört hatten, bzw. dachten, dass es sich dabei um die Jahreszeit Herbst in der Steiermark handle. Dann gab es jene, die zwar davon gehört hatten aber nicht wussten, dass er gerade über die Bühne ging, geschweige denn, was das heurige Leitmotiv meinte. Den Poststempel habe man zwar auf Bussen und in Schaufenstern gesehen, aber da er seit Jahren gleich aussieht, nicht beachtet. In der Firma steirischer herbst festival gmbh sollten schon die Warnlampen aufleuchten.

Die vorläufige Bilanz: An 24 Festivaltagen gab es 130 Projekte und 465 Einzelveranstaltungen. Mehr als 50.000 Besucherinnen und Besucher (diese Zahl stagniert seit Jahren) zählte das Festival, nicht zugerechnet seien dabei die Projekte, die im öffentlichen und medialen Raum stattgefunden haben. Man freute sich zwar auch über die Auslastung von über 90% bei den szenischen Produktionen und Konzerten, aber im Vorjahr waren es noch 95%. Etwa 900 Beteiligte aus insgesamt 56 Nationen waren involviert.

Stattegg-Ursprung, am 16. Oktober 2016

Stockwerk Graz – Weihnachtskonzert

Jedes Jahr um diese Zeit laden KPD* sich gerne Gäste ein. Dem Vernehmen nach sind bislang auch alle Musiker unseres diesjährigen Weihnachtskonzertes pumperlgesund (im Vorjahr musste das traditionelle Konzert wegen Erkrankung von gleich zwei Musikern ja erstmals in seiner langen Geschichte abgesagt werden). Das traditionelle Weihnachtskonzert ist gleichsam auch unser letztes Konzert in diesem Jahr.
Otmar Klammer

StockwerkStockwerk Jazz
Jakominiplatz 18, 8010 Graz
phone: +43.316.82 14 33

Weihnachtskonzert

Bettina Wenzel (Stimmen) | © Otmar Klammer, Stockwerk Graz 2012

Bettina Wenzel (Stimmen), Nika Gorič (Sopran), Martin Philadelphy (Gitarre), Heimo Puschnigg (Klavier), Josef Klammer (Schlagwerk, Elektronik)

Otmar Klammer*) KPD steht bekanntlich für das langjährige neutönerische Klammer-Puschnigg Duo, das Jahr für Jahr ein spezielles Weihnachtskonzert für die Reihe STOCKWERKJAZZ erarbeitet. Die dabei jährlich wechselnden Gastmusiker sind so auserlesen wie das stilistisch nicht fassbare Programm ungewöhnlich, aber noch immer irgendwie weihnachtlich ist.

Den traditionellen Gesangspart übernimmt heuer die lyrische Sopranistin Nika Gorič aus Maribor, und Bettina Wenzel wird als zweite (oder erste?) Sängerin gesangstechnisch keinen Stein auf dem anderen lassen.

Normale Singtöne, also do, re, mi, fa, so und so weiter sind Wenzels Sache nicht. Nein, sind sie wirklich nicht. Zischen, Schnalzen, Zwitschern, Quietschen, Grunzen, Glucksen und Meckern sowie Formen vorsprachlicher Lautäußerungen sind es schon eher. Beschrieben ist die Mission von Bettina Wenzel damit aber nur unzulänglich. Die Kölner Stimmakrobatin und unangefochtene Meisterin im Wenzeln ist jedenfalls der diesjährige Stargast unseres traditionellen Weihnachtskonzertes.

Damit aber noch nicht genug, hat sich doch das verwegene Gespann Klammer/Puschnigg mit Martin Philadelphy weiters einen Gitarristen eingeladen, der zu den buntesten Vögeln der Rock- und Improvisationsszene im Lande zählt und dem wir auch einen gewissen Hang zum Song nachsagen wollen.

Auf der Abendordnung stehen klassisch Improvisiertes, improvisiertes Klassisches, weihnachtlich Avantgardistisches, zwölftönerisch Weihnachtliches und allseits Versöhnliches.

Graz, am 16. Dezember 2012

Das KPD Weihnachtskonzert

Samstag, 22. Dezember 2012, 21 (!) Uhr, Stockwerk Graz

Stockwerk Graz | Fotos © Gerald Ganglbauer 2012

Graz, am 23. Dezember 2012

Stockwerk Graz: Stefan Heckel Group

Otmar Klammers Programm begeistert mich. Wir sollten einmal ein Interview mit ihm machen, wie er all that Jazz nach Graz in sein “Stockwerk” bringt. Auch gestern (Freitag, 14. Dezember 2012) hat er uns wieder eine faszinierende Lifeline (Titel ihres neuen Albums) präsentiert: die “Stefan Heckel Group”, mit dem Briten Julian Argüelles am Saxophon, dem Zürcher Christian Weber (nicht verwandt mit Eberhard) am Bass, Wolfgang Rainer am Schlagzeug und dem Kapellmeister selbst am Akkordeon.

StockwerkStockwerk Jazz
Jakominiplatz 18, 8010 Graz
phone: +43.316.82 14 33

“Weltmusik” geht mit Zuhörern auf Reisen

Gerald GanglbauerDer ruhige Schweizer Bassist wird zum stürmischen Liebhaber seines schönen hölzernen Tonkörpers und das manchmal einbeinig gespielte Akkordeon versteht sich perfekt im Dialog mit dem satten Saxophon des kleinen Briten. Und die musikalische Reise beginnt. Manchmal fühle ich den Fahrtwind eines offenen Cadillac, dann sehe ich den Pfau am Dach, der Heckel zu einer Komposition inspiriert hat. Die Gruppe nimmt den Zuhörer als Anhalter mit auf die Reise, und wenn Otmar Klammer in seiner Einführung auch nicht ganz glücklich mit der Schublade “Weltmusik” war, so haben uns diese Tunes doch entführt, weit über die Grenzen unserer eigenen Kultur hinaus. Stockwerk – stockwerkjazz.mur.at – See you there.

Stefan Heckel Stefan Heckel
Wolfgang Rainer Christian Weber
Stefan Heckel Group, Stockwerk Graz | © Gerald Ganglbauer 2012
Julian Argüelles / Christian Weber Julian Argüelles / Christian Weber
Julian Argüelles / Christian Weber Julian Argüelles / Christian Weber
Julian Argüelles / Christian Weber | © G. Ganglbauer 2012

Nicht zuletzt der Größenunterschied macht gerade diese beiden zu einem spannenden Fotomotiv. See you there.

Graz, am 15. Dezember 2012

SEEED live in Graz!

Es ist SEEED Frontmann Peter Fox (Pierre Baigorry) anzukreiden, dass ich in den letzten Jahren von einem Haus am See* träume. Oder zumindest von einem an irgendeiner Wasserfläche. Nun kommen sie nach Österreich und ich werde mir anhören, warum diese elf Musiker so verdammt gut sind und Fox sich aus meinen Ohren kaum mehr wegdenken lässt.
Auch ohne zwanzig Kinder …

*Peter Fox Songtext Haus am See

SEEED Live CDMi. 21.11.2012, Wien, Wiener Stadthalle
Mi. 05.12.2012, Linz, Tips Arena Linz
Do. 06.12.2012, Graz, Stadthalle Graz

Die “Jungs aus Berlin” schmeißen eine schwer basslastige Party in der Stadthalle Graz

SEEED, Berlin © skalarmusic.at 2012

Gerald GanglbauerIm August 2007 verabschiedeten sich Seeed mit ausverkauften Konzerten und einem Knall in eine “kreative” Pause, um sich der Entspannung halber diversen verflucht erfolgreichen Soloprojekten zu widmen. Peter Fox kennt heute jedes Kind, doch es ist wieder an der Zeit gemeinsame Sache zu machen…

Seit 2001 hat die Band für großes Aufsehen gesorgt, drei Studio Alben und eine Live-DVD veröffentlicht, die alle Platinstatus erreichten, mehrere Echos und andere Preise verliehen bekommen. Vor allem aber hat Seeed sich als exzellente Live-Band mit zahlreichen Tourneen im In- und Ausland eine internationale Fanbase schaffen können.

Heuer wird die elfköpfige Gruppe aus Berlin wieder auf der Bühne stehen und mit Hits wie “Aufstehn!”, “Dickes B” oder “MusicMonks” eine schwer basslastige Party schmeißen. http://www.seeed.info

Graz, am 15. November 2012

Und plötzlich waren sie alle in der Stadthalle Graz, Publikum, Merchandise, ein paar Kollegen und eine Warm-Up-Band aus New York, die niemand kannte und die ich gleich vergessen habe, obwohl sie sich reichlich Mühe gaben.

Publikum Merchandise
Warm-Up-Band Warm-Up-Band
Buntes Publikum, rot-schwarze Merchandise (sogar die Plastikbecher!) und schwarze Anheizer aus NYC | Fotos © Gerald Ganglbauer 2012

Um 21:00 kamen Pierre Baigorry (aka Fox), Frank Dellé und Demba Nabé auf die Bühne… aber davon morgen.

Graz, am 6. Dezember 2012

Wo war ich gestern? Ach ja, Peter Fox erscheint als letzter auf die Bühne, er gefällt sich im Grazer Applaus, begrüßt seine Fans und vergisst nie, Graz zu erwähnen, ein Vollblut-Entertainer eben. Der Boden der Stadthalle vibriert, alles dröhnt, die verdammt schlechte Akustik dieser Halle scheint aber keinen zu stören. Dankbar stecke ich mir angebotene Stöpsel in die Ohren. Und dann legen die Jungs aus Berlin richtig los!

Peter Fox Peter Fox
Peter Fox Peter Fox
Er tanzt und tanzt und… holt sich drei Mädels aus dem Publikum zum Tanz auf die Bühne | Fotos © Gerald Ganglbauer 2012

Ich erinnere mich an Konzerte im Liebenauer Stadion, damals war der Sound viel besser, aber wo sollte man sonst hin in dieser klirrenden Kälte. Mein allererster Mega-Gig hier in Graz waren Emerson, Lake and Palmer, damals war Quadrophonie gerade angesagt und klarer Ton, aber das war damals und heute heizen SEEED gut ein und der Bass wackelt den Bauch, was auch hervorragend zum wohlbekannten Fox-Tanzlied “Schüttel dein’ Speck” passt!

Tja. Das Publikum schüttelte in der Tat. Zu meiner Freude hielten sich auch 99% der Besucher an das generelle Rauchverbot und bewahrten somit im wohltemperierten Saal atembare Luft.

Peter Fox Peter Fox
Peter Fox Peter Fox
SEEED on stage, me in the front row | Fotos © Gerald Ganglbauer 2012

Ich muss zugeben, dass ich mir zuhause oder im iPod beim Nordic Walking doch lieber “Stadtaffe” anhöre, aber SEEED haben was, das kann man nur live erleben, weil es direkt ins Tanzbein geht. Und das ist auch eine Qualität!

Das Publikum ist jung, nur beim Fotografieren treffe ich Helmut Utri, einen Gleichaltrigen. Privat besuche ich heutzutage auch lieber kleinere gemütliche Venues oder Open-Air Konzerte, wo man in der Wiese liegen kann, aber dieser (mein erster) Gig in der Stadthalle wird mir in Erinnerung bleiben. Ich poste gleich noch eine Bildtafel und eine Hörprobe. Spannend war es auf alle Fälle und ich hoffe meine Ohren haben keinen dauerhaften Schaden genommen. Oder? Was hast du gesagt?

SEEED live in Graz SEEED live in Graz
SEEED live in Graz SEEED live in Graz
Fotos © Gerald Ganglbauer 2012

Die Auswahl aus 100+ Fotos fällt schwer… zwei noch und meinen “Film”. In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass diese 2 x 30 Sekunden am Ende des Konzerts aufgezeichnet wurden und nur die Atmosphäre im Publikum, nicht jedoch eine Darbietung selbst wiedergeben. Ton- und Bildaufzeichnungen waren bekanntlich verboten.

SEEED live in Graz SEEED live in Graz
Fotos und Video © Gerald Ganglbauer 2012

Aber diese eine Minute O-Ton vom Ende des Konzertes subsummiert einfach die Stimmung im Saal. Nachher geht mir das Lied “Augenbling” nicht aus dem Kopf. Deine Augen machen bling bling und alles ist vergessen… Was soll ich sagen, den Leuten hat es wirklich sehr gut gefallen, wie eine Blitzbefragung in der letzten Strassenbahn nach Andritz ergeben hat. Die Grazer fühlen sich mit Berlin einfach verbunden – nicht nur der Musikszene wegen.

Graz, am 7. Dezember 2012