Stattegg Village Jazz – 17:00

Village Jazz | Open Stage | Großmütterchen Hatz | Tori Freestone Trio | LUTrio | Sponsoren | Afterparty | Fotos | Presse

Open Stage

René Pettinger

Eine Stunde vor Beginn des Hauptprogramms ist unser Tontechniker René Pettinger von EPS Records, der kurzfristig für Peter Droneberger eingesprungen ist, mit dem Soundcheck fertig. Junge Musiker und Bands haben nun eine Gelegenheit, ihr Talent auf der Bühne zu demonstrieren.

Theresa Ansperger/Lilly Seitinger und Lukas Meissl haben sich jeweils für 15 Minuten auf der Bühne angemeldet und wir sind gespannt, was diese jungen Musiker spielen werden. Lassen wir uns überraschen.

Village Jazz Aufkleber – nicht nur für Stoßstangen

Nach dem Zeltaufbau folgte eine Diskussion, ob die Bühne nun quer oder doch längs aufzustellen sei. Publikumsbewegungen und bessere Akustik überzeugte dann doch für eine längs ausgerichtete Bespielung des Zeltes. Schank und Shop links, Bühne rechts. Dazwischen und auch draussen am Platz viel Publikum.

Aufbau und Einbau

steirischer herbst ’22

steirischer herbst ’22
Ein Krieg in der Ferne
Prolog-Ausstellung 1.7.–1.8.22
Festival 22.9.–16.10.22
Eröffnungstage 22.9.–25.9.22
Programmvorschau aus einer Pressemitteilung vom 30.6.22
In seiner 55. Ausgabe widmet sich der steirische herbst unter dem Titel Ein Krieg in der Ferne in einem dichten Programm an Ausstellungen, Performances und Diskussionen der bedrohlichen Präsenz von Schlachten, die unsere Gesellschaft geistig abschirmt.
Chefkuratorin und Intendantin Ekaterina Degot beschreibt das Konzept ihrer fünften Ausgabe wie folgt:
 
„Kriege sind in die Geschichte des steirischen herbst eingeschrieben. Während frühe Festivalausgaben vom Kalten Krieg überschattet wurden, fanden spätere statt, als gleich nebenan die Jugoslawienkriege wüteten. Der russische Angriff auf die Ukraine ruft auf schmerzhafte Weise verblichene Erinnerungen an den Ersten und Zweiten Weltkrieg wach und bildet den neuesten Eintrag in dieser langen Liste drohender Kämpfe in der unmittelbaren Nachbarschaft.
 
Gelegentlich hat man jedoch immer noch den Eindruck, dass in dieser gemütlichen Ecke Österreichs, wie auch an vielen anderen behaglichen Orten in Europa, Kriege und Konflikte fehl am Platz sind. Ausbrüche des Mitgefühls gegenüber denen, die von Kriegen ,anderswo‘ betroffen sind, sind zweifellos aufrichtig, aber gleichzeitig gilt die Welt hier als sicher. Die Front wird auf Abstand gehalten, nicht gesehen und nicht gehört, bis das Verdrängte mit voller Wucht zurückkehrt.“
 
Ein Prolog zum Festival beschäftigt sich bereits von 1. Juli bis 1. August mit dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine – dessen Relevanz und Nähe nun nicht mehr ignoriert werden können. In der Sonderausstellung Ein Krieg in der Ferne. Prolog. Die umkämpfte Ukraine in Videokunst und Film präsentiert der steirische herbst historische und zeitgenössische Videokunst und Filme zu diesem Krieg in der Neuen Galerie Graz, kuratiert von Mirela Baciak und David Riff. Zu den teilnehmenden Künstler:innen zählen Pavel BrăilaOleksandr DovzhenkoDana KavelinaZoya LaktionovaKateryna LysovenkoMykola Ridnyi und Philip Sotnychenko. Anlässlich der Eröffnung am 1. Juli finden Artist Talks und eine Podiumsdiskussion mit dem Journalisten Herwig G. Höller, der Schriftstellerin Julya Rabinowich und dem Historiker Peter Ruggenthaler zur Bedeutung des Ukrainekriegs aus österreichischer Sicht statt.

Herzstück des Festivals im Herbst ist eine Gruppenausstellung in beiden Flügeln des ersten Stocks der Neuen Galerie Graz, für die der historische Eingang in der Neutorgasse wieder geöffnet wird. Das Festivalteam hat zu weniger bekannten und vergessenen Werken ihrer Sammlung von Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert recherchiert. Manche Arbeiten scheinen auf den ersten Blick arglos, andere sind verstörend politisch. Sie werden zeitgenössischen Kunstprojekten gegenübergestellt, von denen viele neu in Auftrag gegeben wurden.
 
Die Ausstellung stellt klassische Narrative der Moderne infrage und bietet eine subjektive und fragmentarische Neuinterpretation der Sammlung der Neuen Galerie Graz, die Spuren ignorierter Kriege, verborgener Geschichten und unterdrückter Konflikte offenlegt. Sie verbindet Vergangenheit und Gegenwart und erforscht die künstlerische Reflexion einer zunehmend gespaltenen Welt, die von der Auflösung von Imperien, anhaltendem Kolonialismus und wachsenden Klassenkonflikten geprägt ist. Während so die dunkleren Seiten der Moderne untersucht werden, reflektiert das Festival auch seine eigene tieferliegende Politik und Geschichte. Diese Ausstellung ist eine Kooperation mit der Neuen Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum und läuft bis 12. Februar 2023.
 
Das performative Programm des Festivals aktiviert andere Motive und Erinnerungen im Zusammenhang mit Kriegen und Konflikten in neuen Auftragsarbeiten von Boris Charmatz, Boris Nikitin, Theater im Bahnhof,Giacomo Veronesi, Ming Wong und Raed Yassin.
 
Im Forum Stadtpark präsentiert der steirische herbst eine Ausstellung zum Filmemacher Harun Farocki, die sich gegen die Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts richtet. Sie enthält auch weniger bekannte Werke und wird sowohl von Diskussionen und Gesprächen als auch dem herbstkabarettbegleitet, das heuer mit Verena DenglereSeL (Lorenz Seidler) und Les Trucs seinen Auftakt feiert.
 
In einer neuen Zusammenarbeit mit dem Literaturmagazin manuskripte steuert der steirische herbst eine Sonderrubrik mit Kriegstagebüchern und -gedichten aus der Ukraine bei, ausgewählt von der Lyrikerin Galina Rymbu.

Künstler:innen 
 
Gabriel AbrantesFriederike AndersBoris CharmatzKeti ChukhrovJosef DabernigHarun FarockiJannik FranzenAslan GoisumAssaf GruberEmil GruberFlaka HalitiYuriy IllienkoIman IssaZhanna KadyrovaRajkamal KahlonKateryna LysovenkoEkaterina MuromtsevaHenrike NaumannNavaridas & DeutingerBoris NikitinIgor Friedrich PetkovićNihad Nino PušijaMykola RidnyiWillem de Rooij, Augustas SerapinasTheater im BahnhofGiacomo VeronesiMing WongRaed Yassinherbstkabarett mit Verena DenglereSeL (Lorenz Seidler)Les TrucsZvjezdana FioFranz Yang-Močnik und andere Künstler:innen aus der Sammlung der Neuen Galerie Graz
 
Die vollständige Liste der teilnehmenden Künstler:innen und Kollektive wird im September veröffentlicht.


Ein Krieg in der Ferne. Prolog. Die umkämpfte Ukraine in Videokunst und Film, Installationsansicht, Neue Galerie Graz. Credit: Universalmuseum Joanneum / J.J. Kucek
Festivals-im-Festival 

Wie gewohnt umfasst der steirische herbst die Festivals-im-Festival musikprotokoll und Out of Joint – das Literaturfestival im steirischen herbst. Unter der Leitung von Elke Tschaikner beleuchtet das musikprotokoll 2022 von 6.10. bis 9.10. mit Whodentity aktuelle Fragen nach Zugehörigkeiten. Konzipiert von Klaus Kastberger, fragt Out of Joint von 11.10. bis 14.10. vor dem Hintergrund großflächiger Zerstörung, kriegerischer Aggressionen und Ressourcenverschwendung Wer wir waren? und welche Alternativen es zum Bestehenden gibt.
Parallelprogramm
 
Ein vielfältiges Programm von rund 20 Institutionen und Kunstschaffenden in Graz und der Steiermark ergänzt den steirischen herbst ’22. Wie jedes Jahr finden sich neben bekannten Namen auch neue Kollaborationen auf der Liste. Zu den Projekten außerhalb von Graz werden Bustouren angeboten.
Partner in Graz

Annenstrasse 53,APORON 21esc medien kunst laborGrazer KunstvereinHALLE FÜR KUNST SteiermarkKunsthaus GrazmanuskripteSteirische Kulturinitiative und Theater Quadrat
 
Partner in der Steiermark und darüber hinaus

ARGE Oper im Durchbruchstal (St. Barbara im Mürztal), eisenerZ*ART(Eisenerz), Haus lebt (Hartberg), Steirische Kulturinitiative (Maribor, Ruden und Villach), Theater Quadrat (Oberzeiring), WIENDRAMA (Eisenerz, Fohnsdorf, Fürstenfeld, Gnas, Möderbrugg, Stainz)
 
Partner Kunst der Verführung

Creative Industries Styriadesignforum SteiermarkFH JOANNEUM | Institut Design & KommunikationGraz MuseumKULTUM. Zentrum für GegenwartKunst und Religion in GrazKunsthaus GrazHDA – Haus der ArchitekturFG Werbung & Marktkommunika­tion der WK SteiermarkAnkünder
6 Ausstellungen zum Thema Grafikdesign im Spannungsfeld von Kunst und Werbung; ein Projekt initiiert von Siegfried Gruber, koordiniert von Creative Industries Styria
Ö1 Festivalpodcast
 
Das dritte Jahr in Folge arbeitet der steirische herbst mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Ö1 für einem Festivalpodcast zusammen. Zeitgenössische Kunst in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen in den Fokus rücken, die Interdisziplinarität in der Kunst fördern und der Reflexion des Zeitgeschehens ausreichend Raum bieten – all das sind Themen, die Ö1 und den steirischen herbst miteinander verbinden. Auch diesmal wird der Festivalpodcast zu weiterführenden Gesprächen und Gedanken einladen – sowohl auf Ö1 als auch auf radiothek.ORF.at.
Der steirische herbst ’22 wird gestaltet von allen teilnehmenden Künstler:innen, Partnerinstitutionen, Denker:innen, Philosoph:innen sowie Ekaterina Degot, Intendantin und Chefkuratorin, Henriette Gallus, stellvertretende Intendantin, Christoph Platz, Leiter der kuratorischen Belange, David Riff, Senior Curator, Dominik Müller, Kurator, Mirela Baciak, Kuratorin, Gábor Thury, Kurator, und dem gesamten Team des steirischen herbst. Mit kuratorischer Beratung von Goran Injac.
 
Kurator:innen der Ausstellung in der Neuen Galerie Graz: Ekaterina Degot mitDavid RiffChristoph PlatzMirela BaciakBarbara Seyerl (steirischer herbst), mit kuratorischer Beratung von Gudrun Danzer und Günther Holler-Schuster (Universalmuseum Joanneum)
 
Das vollständige Festivalprogramm ist ab 1. September online. Der Online-Ticketverkauf beginnt ebenfalls am 1. September.
Über den steirischen herbst
 
Der steirische herbst ist ein jährlich stattfindendes interdisziplinäres Festival für zeitgenössische Kunst, das seit seiner Gründung im Jahr 1968 ein kritisches Anliegen verfolgt und die begrifflichen Grundlagen, was Kultur für das Zeitgenössische bedeuten könnte, immer wieder neu definiert. Als produzierendes Festival mit internationaler Strahlkraft ist der steirische herbst fest in Graz und der Steiermark verwurzelt und rückt künstlerisches Schaffen in den Fokus, das gesellschaftspolitische Fragen kommentiert und öffentliche Debatten auf unterschiedliche Art, quer durch alle Disziplinen und Medien provoziert und konturiert.
Für Rückfragen steht das steirischer herbst Pressebüro gerne zur Verfügung.
 
presse@steirischerherbst.at 
t +43 316 823 007 61

steirischer herbst ’21

Europaplatz Graz … Ansprachen … Ansprachen … Ansprachen … steirischer herbst ’21

Eröffnungsrede von Ekaterina Degot
Europaplatz, 9.9.21, 17:00

[Sprechchor: The! Way! Out!]

Ich will raus.
Raus aus dem Lockdown.
Raus aus der Pandemie, und raus aus den Maßnahmen gegen sie.
Raus aus der Krankheit, und raus aus der Hygiene.
Raus aus der Gefahr, und raus aus der Sicherheit.
Ich möchte raus aus diesem Zaun hier um uns herum. Und ich muss Ihnen versichern, dass es heute, hier auf diesem Platz, am Ende dieser Eröffnung, die eine umzäunte Eröffnung ist, mehr Ausgänge als Eingänge geben wird. Weil ich weiß, dass auch Sie rauswollen.

Stellen Sie sich vor, dass ich eine Studentin in der Sowjetunion bin, ganz am Ende des Kalten Krieges, von dem ich noch nicht weiß, dass er ganz am Ende ist – Enden und Anfänge sind schwer zu fassen. Was ich weiß, ist, dass es mir nie möglich sein wird, das Land zu verlassen, nicht mal als Touristin, nicht mal für einen kurzen Abstecher. Ich werde das „Draußen“ nur träumen und indirekt erleben – über Bücher und Film vielleicht, obwohl auch sie nicht immer verfügbar sind. Ich bin in einer Kleinheit gefangen, in diesem riesigen Land, das sich winzig anfühlt, weil es keinen Platz für Kafka und auch nicht für Orwell hat. Dies wird für immer meine intellektuelle Klaustrophobie bestimmen.

Stellen Sie sich vor, dass ich eine Schriftstellerin in Graz in den frühen 1950ern bin. Bevor es das Forum Stadtpark und bevor es den steirischen herbst gab. Aber ich weiß noch nicht, dass dies die Zeit „davor“ ist, weil es sich wie eine Ewigkeit anfühlt, die nicht voranschreitet. Schwere und dunkle Zeiten, die stillstehen wie ein Sumpf. „Wir sind wir. Graz ist Graz“, wie es Alfred Kolleritsch mit einem Gefühl der traurigen Resignation ausdrückte, als er seine Jugend nach dem Nationalsozialismus beschrieb. Als diese anonyme Schriftstellerin im Graz der frühen Fünfziger möchte ich nur raus. Und im Gegensatz zu meinem jungen Moskauer Selbst könnte ich als diese anonyme Schriftstellerin das Land verlassen. Aber ich fühle auch, dass diese Energie des Raus-Wollens, diese Energie der Negation einen Nutzen hat und mehr wert ist als die banale Geste, ein Zugticket nach Paris zu kaufen.

Stellen Sie sich vor, dass ich eine afghanische Frau im Jahr 2021 bin. Ich weiß, dass die Amerikaner rauswollen, und es ist ihr Recht, denn es ist nicht ihre Geschichte. Ihr Weg hinaus führt sie nach Hause, ins Bekannte, zu dem, was ihres ist. Aber ich möchte auch hinaus, ins Unbekannte, zu dem, was nicht meines ist. Genau aus dem Grund, dass dies meine Geschichte ist, und ich sie nicht verdiene. Ich hatte das Unglück, am falschen Ort geboren zu werden. Ich habe das Recht, hinauszuwollen. Aber ich werde nicht mal aus dem Haus gelassen – von den Taliban. Und ich werde nicht aus meiner Identität als afghanische Person gelassen – vom Westen. Eine afghanische Person, die ihre eigenen Traditionen und Möglichkeiten haben soll, andere als im Westen, so sieht es zumindest der Westen. Also bin ich gefangen.

Sowohl die Rechte wie auch die Linke haben uns jetzt alle in einem bestimmten Rahmen gefangen.
Es gibt eine rechtsradikale Kleinheit, mit Familie, Patriarchat und Fremdenfeindlichkeit.
Es gibt eine linksradikale Kleinheit, mit unterdrückten Identitäten, Safe Spaces, Flugscham und einem Misstrauen gegenüber großen Narrativen.
Ich möchte raus aus dem Kleinen.
Ich möchte nicht nur hinaus aus Afghanistan, der Sowjetunion oder diesem Graz nach dem Nationalsozialismus. Ich möchte aus Prinzip hinaus aus dem „Hier und Jetzt“, das „Hier und Jetzt und sonst nichts“ bedeutet. Hinaus aus der erstickenden Kleinheit, die jenen Gewalt antut, die nicht dazugehören.
Ich bestehe auf ein Recht, woanders zu sein, jemand anderes zu sein.
Dafür brauche ich Kunst.
Die Kunst ist bei uns, um unsere Wirklichkeit, unsere Orte und unsere Zeiten darzustellen, aber auch, um sie zu negieren, denn nach Magritte wissen wir, dass eine Pfeife keine Pfeife ist, dass es umso weniger eine Pfeife ist, umso mehr es danach ausschaut. Indem sie das Leben auf eine überaus realistische Art und Weise darstellt, sagt die Kunst uns eigentlich, dass es etwas außerhalb davon gibt.

Wenn sie das tut, ist die Kunst gefährlich für totalitäre Regime ebenso wie für noch nicht totalitäre, sondern einfach nur überregulierte, wie das, unter dem wir gerade leben.

In der geängstigten und angstlösenden westlichen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, die von Sicherheit auf allen Ebenen besessen ist und allen Uneinigkeiten oder Konflikten mit rechtlichen wie moralischen Mitteln zuvorkommen möchte, ist es nicht mehr die Sphäre des Lebens, sondern die der Kunst, in der alles Unvorhersehbare möglich ist: bedeutsame Begegnungen, totale Zufälle, gewagte Vermutungen sowie tragische und unüberbrückbare Differenzen.
Lassen Sie es uns nicht Freiheit nennen; das Wort ist gleichzeitig ein Zuviel und ein Zuwenig, ehrgeizig und abgedroschen. Lassen Sie es uns, etwas bescheidener, A Way Out, einen Ausweg, nennen. Some kind of way out.Irgendein Ausweg.

„There must be some kind of way out of here,“
Said the joker to the thief.
„There’s too much confusion,
I can’t get no relief.
Businessmen, they drink my wine,
Plowmen dig my earth.
None of them along the line
Know what any of it is worth.“

Diese Zeilen von Bob Dylan aus den späten Sechzigern hatten wir nicht im Kopf, als wir dieser Ausgabe ihren Namen gaben. Aber sie passen, denn der Joker und der Dieb sind unsere Helden, sie sind Künstler, sie sind freie Geister. Sie sind diejenigen, die einen Ausweg finden können.

[Sprechchor: The! Way! Out!]

Vielleicht muss ich ausgehen. Um einige Kleider oder Schuhe auszuführen, die sich seit fast zwei Jahren im Winterschlaf befinden, um ein Glas Wein zu trinken, um mich zu unterhalten.

Nicht jede Kultur kennt übrigens diesen Begriff des „Ausgehens“. Ich würde mir etwa schwer damit tun, ihn ins Russische zu übersetzen. In Russland kann man ins Theater gehen oder jemanden besuchen, aber wenn man „ausgeht“, dann bedeutet das einfach, dass man physisch auf die Straße hinausgeht, um, sagen wir mal, den Mist rauszutragen.

Warum nehmen wir, wenn wir im Deutschen, Englischen oder Französischen von „ausgehen“ sprechen, an, dass es sich um eine Party handelt und nicht um einen Spaziergang mit dem Hund? Wussten wir immer schon, dass es, wie während der Lockdowns, die hinter uns liegen, eines Tages ein seltenes Vergnügen sein wird, sich auf der Straße aufzuhalten? Oder ist es vielleicht so, dass es wirklich ein festlicher Augenblick, eine Feier ist, wenn man sich selbst zurücklässt und andere trifft? Nicht die Feier eines „Wir“-Gefühls, das noch zerbrechlicher ist als unsere Egos. Sondern die Feier dessen, dass man einfach nicht die ganze Zeit in sich selbst ist und rausgeht?

Allerdings, um auszugehen muss man in einer Stadt sein. Auf dem Dorf geht man kaum aus: Da es dort keine anderen, keine Fremden gibt, riskiert man auch nicht, ihnen gegenüberzustehen. Man bleibt sicher bei sich daheim, selbst wenn man auf den Markt geht.

Ist Graz eine „Drinnen-“ oder eine „Draußen-Stadt“?

Es gibt wunderschöne Parks in Graz, in denen sich die Menschen sehr zuhause fühlen, aber sehr wenige Plätze, auf denen sie einer anderen architektonischen Logik untergeordnet wären als in ihrem häuslichen Leben, der sozialen oder politischen Logik einer Agora, eines Forums, einer Arena.

Man kann das auch lieben. Wie der große Grazer Schriftsteller Dževad Karahasan einst bemerkte, war er in Graz „nachhaltig beeindruckt von der Liebe, die man in dieser Stadt dem Stadtpark entgegenbringt“, und irritiert „von der Geringschätzung, die in der Beziehung dieser Stadt zu ihren Plätzen zum Ausdruck kommt“. Er fand Graz sehr machtfeindlich und zwanglos und hatte Freude daran, „daß der Hauptplatz so gar nichts Pathetisches an sich hat, sondern ganz offensichtlich primär für die Menschen da ist und nicht für den Staat“. Es gefiel ihm, dass es „niemanden stört …, daß es richtige Plätze, wie sie einer Stadt würdig sind, im Grunde genommen nicht gibt“.

Uns beim steirischen herbst gefällt das auch, aber gewiss vermissen wir auch Plätze als politische und soziale Foren. Wir vermissen sie auf einer pragmatischen genauso wie auf einer konzeptuellen Ebene, weil wir an diesen Orten immer mit unserer Geschichte des Jahres anfangen wollen. Wir suchen nach Plätzen, die vielleicht auch rund sind und sich nach politischem Forum anfühlen! Und der Europaplatz hat uns dabei nie im Stich gelassen.

Also, Graz: eine „Drinnen-Stadt“? Graz hat eine starke „Drinnen“-Atmosphäre, nicht so stark wie das Moskau meiner Jugend, wo alle wichtigen Gespräche in der Küche stattfanden, aber nah dran – hier finden die Gespräche auf den Markplätzen statt.
Es gibt großartige Märkte in Graz, aber es gibt wenig Kaffeehäuser im wienerischen Sinne, die, wo man Zeitung lesen soll, während man Fremde durch große Fensterscheiben beobachtet, wo man sich eine politische Meinung bilden soll, vermutlich eine kritische, denn zu viel Beobachtung führt zweifellos zu einer überentwickelten Kompetenz auf diesem Gebiet. Diese Cafés sind Orte eines sitzenden politischen Flaneurtums. Es gibt sehr wenige Kaffeehäuser dieser Art in Graz im Vergleich zu Wien oder Paris. Sie sind eher alle ganz im Inneren, warm, dunkel, und wenn es einen Gastgarten gibt, ist er von der Straße nicht einsehbar. Wer sich dort trifft, hat das Gefühl, Teil einer gefährlichen und illegalen Oppositionsgruppe zu sein. Dies ist der mittelalterlichen Struktur der Stadt geschuldet respektive verdankt sich ihr. Elfriede Jelinek trauerte einst um das Café Erzherzog Johann in der Sackstraße, wo sie sich mit anderen Schrifsteller:innen traf, allen voran Fredy Kolleritsch. Jetzt ist es womöglich, schrieb sie, „ein vampirischer Ort, der vielleicht in der Nacht seine Zähne in die Passanten schlägt, die vorübergehen“. Es wird niemanden überraschen, dass Orte, an denen politisch brisante Gespräche geführt werden, ihre gefährliche Störkraft über Jahre beibehalten.

[Sprechchor: The! Way! Out!]

Wie soll man die Mauer dieser unpolitischen Häuslichkeit durchbrechen? Der steirische herbst stellt und beantwortet diese Frage seit Jahrzehnten. Aber heutzutage ist nicht nur der konservative Geist gegen uns – es ist ein konservativer Geist, der durch die Pandemie und die allgemeine Atmosphäre der Angst enorm bekräftigt wurde.

Die Pandemie hat uns alle klein gemacht, beschränkt auf unsere eigenen vier Wände. Sie hat uns auch kleingeistig gemacht. Alles auf planetarischer Ebene Große wird von der Linken wie von der Rechten verdächtigt, und vieles davon zurecht – an Ihnen, zu entscheiden: Marktwirtschaft; Überproduktion; unverantwortliche Reisen; universalistische Ideen, die nur die weiße, männliche Macht widerspiegeln; berufliche Ambitionen; die großen Narrative, die die letzte Säuberung überlebt haben. Die Kunst könnte man leicht auch mit diesem Bad ausschütten. Denn in der Kunst geht es immer darum, mit dem Status quo unzufrieden zu sein. Selbst wenn es ein überaus bescheidenes und biederes Stillleben ist, handelt es immer von etwas anderen, etwas Größerem.

Die Pandemie hat uns auch alle alt gemacht. Wir sollen zufrieden sein mit dem, was wir haben, nicht zu viel wollen, nicht davon träumen, um die Welt zu reisen. Wir müssen akzeptieren, dass viele Dinge außerhalb unserer Reichweite liegen, dass es zu spät ist. Wir sollen zufrieden sein in unserem Daheim, mit selbstgebackenem Brot und Enkeln, die wir irgendwann vielleicht haben werden. Es ist ein Pensionistenleben an einem Ort, der früher als Pensionopolis bekannt war.

Es gibt einen Lifestyle-Trend, der bereits vor der Pandemie eine riesige internationale Karriere hingelegt hat: das dänische Konzept der Hygge. Durch Zeitschriften wissen wir mittlerweile alle, was Hygge ist, und in der deutschsprachigen Welt braucht man dieses Wort nicht einmal, denn wir haben unsere biedermeierliche Gemütlichkeit. Hygge bedeutet, zuhause zu bleiben, besteht aus einfachen Freuden: Wärme, Behaglichkeit, Kaschmirpullover, Familie und Kürbissuppe. Es ist seit Jahrhunderten Teil der dänischen Kultur und jetzt sogar vegan und konsumkritisch, vielleicht sogar ein bisschen antikapitalistisch, und definitiv antimodern. Aber am meisten bedeutet Hygge, sich von den Problemen dieser Welt fernzuhalten, die Tür zur Welt für den inneren Frieden und die innere Stabilität zu schließen. Wir haben die letzten Jahre eine Albtraum-Version von Hygge/Gemütlichkeit gelebt, und sie wurde auch als Weg zu unserer physischen und mentalen Gesundheit beworben. In Graz sehen wir sogar eine sehr erfolgreiche Outdoor-Variante von Hygge – mit Picknicks, Fahrrädern und viel, viel Sport.

Erlauben Sie mir, etwas Skandalöses zu sagen: Österreich könnte das Dänemark Mitteleuropas sein. (Oder ist Dänemark, seit Hamlet, vielleicht die beste Metapher für Allesmögliche?) Das Gefühl der Kleinheit zu hegen, Glück darin zu finden, ist sehr dänisch, aber auch sehr nachkriegsösterreichisch. Das Gleiche gilt, wenn man die Suche nach Glück zum Hauptziel seines Lebens macht. Oder sich auf die sozialistische Vergangenheit beruft, mit ihren Annahmen der Gleichheit. Natürlich basiert diese Gleichheit wie überall auf dem – zumindest geistigen – Ausschluss derjenigen, die nicht gleich oder nicht gleich genug sind, mit ihren unterschiedlichen Pässen und anderen Hautfarben.

In Dänemark haben einige mutige Denker:innen bemerkt, dass eine Hygge-Situation um ein wärmendes Feuer herum weniger hyggelig wird, wenn Nicht-Hygge-Menschen dabei sein, also Ausländer. Ich glaube, das wissen wir auch hier. Bei der Gemütlichkeit geht es um Konformität und Konsens, die von denen zunichtegemacht wird, die sie stören. Diejenigen, die ein Problem benennen, sind selbst ein Problem.

In Dänemark hat man auch bemerkt, dass rechte Politiker:innen permanent Hygge-Ideologie als fremdenfeindliches Argument einsetzen. Als Argument für Sicherheit auf allen Ebenen, wo alles, was diese Sicherheit bedroht, nicht toleriert werden kann.

Aus dem aktuellen, von Hygiene dominierten Blickwinkel ist es übrigens sicherer, draußen auf der Straße als drinnen zu sein. Das ist kontraintuitiv, denn die Straßen sind immer noch voller Hurricanes und Tornados, voller gefährlicher Fremder, mit ihren Autos und blitzschnellen Motorrädern, aber in letzter Zeit war alles ziemlich kontraintuitiv.

Aber aus dem Blickwinkel der Kunst ist es immer noch riskant, auf der Straße zu sein, und es ist genau dieses aufregende ästhetische Risiko, das uns dieses Jahr im Festivalprogramm fasziniert. Es ist riskant, wenn Künstler:innen mit aggressiver Werbung, gesprächiger, überpräsenter Architektur sowie abgelenkten und ablenkenden Massen um die Aufmerksamkeit des Publikums streiten. Die Kunst tritt in einen Wettstreit mit dem Wirklichen, aber das ist der einzige Weg, wirklich zu werden.

Besonders am Anfang dieses steirischen herbst, aber auch über den ganzen Monat, den er heuer dauert, brechen wir aus den White Cubes der Kunsteinrichtungen aus – ohne dabei zu verkündigen, dass wir dahin nie wieder zurückkehren – und zum Teil auch aus der Online-Welt, wo wir letztes Jahr unser großartiges Paranoia TV veranstaltet haben (obwohl wir online auch präsent sein werden, mit einigen interessanten und wilden Überraschungen). Wir wollen sie im echten Leben treffen. Parks werden vielleicht zu den Plätzen, die in Graz fehlen, Straßen – zu den seltenen Kaffeehäusern, die für die Lektüre und die Bildung eines politischen Bewusstseins da sind. Wir zählen darauf, dass Sie da sind, da draußen.

Kunst hat die magische Fähigkeit, uns glücklich zu machen. Sie macht jedenfalls mich sehr häufig glücklich. Aber sie ist nicht dazu da, uns glücklich zu machen. Vielleicht ist sie dazu da, uns unzufrieden zu machen mit den Orten, an denen wir uns befinden, und den Menschen, die wir sind. Diese Unzufriedenheit nennt man Hoffnung, Verlangen, sie heißt Bedeutung.

Das Leben ist der Ausweg für die Kunst, und die Kunst der Ausweg für das Leben – oder, wenn wir vorsichtiger sein wollen: der Ausweg aus dieser merkwürdigen umzäunten Situation, in der wir uns wiedergefunden haben, auf physischer wie metaphorischer Ebene.

Hiermit eröffne ich das heurige Festival, mit großem Dank an alle, die dazu beigetragen haben – Künstler:innen, Denker:innen, Autor:innen, meine Kolleg:innen im Team und Sie, das Publikum, die Sie immer im Bild sein werden.

[Sprechchor: The! Way! Out!]

Graz, 9.9.21, Ekaterina Degot

Jazz Festival Leibnitz 2020

Pannonica (Gina Schwarz) live im Kulturzentrum Leibnitz

Was für ein Fest! Das 8. Jazz Festival, das „Ausnahmefestival“, das Otmar Klammer und Isabella Holzmann in Zeiten der Pandemie auf die Leibnitzer Bühnen gebracht haben, wurde eine großartige, ausverkaufte Erfolgsgeschichte, dank sieben Bands, allesamt einheimischer Provenienz, den vielen südsteirischen Helferinnen und Helfern, die eine virenfreie Umgebung garantierten und dem treuen Publikum, das im geschätzten Altersdurchschitt jenen von den jungen Musikern der nächsten Generation verdoppelte.

Das Virus hielt sich von Leibnitz fern, zumindest nach meiner „STOPP Corona“ App und das scheint tatsächlich dem erzwungenen „Glücksfall“ (so Otmar Klammer) zu danken, das ursprünglich geplante internationale Aufgebot auf das nächste Jahr zu verschieben und den Massstab auf Austrian Jazzlines zu verkleinern, ohne dabei Qualität einzubüßen.

Kulturzentrum Leibnitz

Und so war es in der Tat, viele und verschiedene Künstler begeisterten das Publikum. Ich sage absichtlich „verschiedene“, weil manche in zwei oder gar drei Bands mitwirken und wie mir der Tompeter Mario Rom sagte, dessen Album Mario Rom’s Interzone – Truth Is Simple To Consume ich vor einiger Zeit besprochen hatte, wie gut es sei, auf Festivals nicht Bands, sondern Musikerfreunde zu treffen. Der Schlagzeuger Niki Dolp meinte beim Frühstück, dass der Grund dafür ein finanzieller Druck sei. Ich hatte die halbe Band Jakob Gniglers erst um halb Eins ins Hotel gebracht, da wartete um dreiviertel Acht bereits ein Taxi und am Sonntag trommelte er schon wieder mit Shake Stew.

Grottenhof

Der Sonntag zeigte sich wettermäßig von knallharter Sonne bis zu zarten Regentropfen als sehr wechselhaft, musikalisch in zwei Sets aber als totalen Ohrenschmaus, den die sieben Herren, später vom Blues Gitarristen Christopher Pawluk unterstützt, konstant groovig servierten. Ich werde übrigens Gnigler und Shake Stews neueste Alben Shake Stew – (A)live! und Gnigler – Straight On, Downstairs, 2nd Door Left im Musikteil besprechen.

Insgesamt waren es drei aussergewöhnlich schöne Tage mit dem Medikament „Jazz Live“, das fast ohne Nebenwirkungen der Seele in 2020, einem der seltsamsten Jahre meines Lebens, wohl taten, auch wenn sie durch die späten Stunden dem Körper viel abverlangten. Gerne würde ich 2021 das 9. Jazz Festival Leibnitz (30.9. bis 4.10.2021) noch erleben.

Austrian Jazzlines Update

Update vom Pressegespräch

Austrian Jazzlines, aka 8. Jazz Festival Leibnitz wird trotz Corona Pandemie von 2. bis 4. Oktober über die Bühnen gehen. Die Stimmung ist vorsichtig optimistisch.

Jazz Festival-Team: Otmar Klammer und Isabella Holzmann beim Pressegespräch im Eleven, Graz

Freitag ist ausverkauft, für Samstag und Sonntag gibt es noch einige Karten. Mitschnitte aller Konzerte werden wie immer auf OE1 gesendet. Ich werde berichten.

Großzügiger Jazz-Fan: Bürgermeister der Stadt Leibnitz, Helmut Leitenberger | © Gerald Ganglbauer

steirischer herbst ’20

24.9.–18.10.2020

„Wir sind dieses Jahr überall, und manchmal nicht dort, wo man uns erwartet“, schreibt Intendantin und Chefkuratorin Ekaterina Degot in der Paranoia TV-Programmzeitschrift. Der analoge Wegweiser durch den heurigen steirischen herbst ist ab Mitte September in der Paranoia TV Zentrale erhältlich. Mit einer Auflage von 390.000 Stück wird er außerdem der Kleinen Zeitung, den Salzburger Nachrichten, dem Standard und dem Falter unmittelbar vor der Festivaleröffnung österreichweit beigelegt. Einen Überblick über die größtenteils kostenfreien Veranstaltungen und facettenreichen Formate gibt es aber schon jetzt auf der von Paranoia TV gekaperten Website des steirischen herbst und unter www.paranoia-tv.com.

(Pressetext)

Dieses Jahr, das 53. des Festivals und das 9. meiner Berichte darüber, werde ich meist NICHT dort sein, wo man mich erwartet. Das Fortgehen fällt mir immer schwerer, die Eindrücke zu sammeln und niederzuschreiben wird immer mühsamer und Bild/Video/Text hier zu publizieren nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Irgendwann werde ich es ganz aufgeben müssen. Ich bezweifle, dass sich eine Nachfolgerin / ein Nachfolger findet, dem Gangway so wichtig werden könnte, dass er oder sie sich genau so viele Gedanken über das Kulturgeschehen macht, nämlich das, worüber ein Cult-Mag berichten sollte.

Oder fühlt sich eine Leserin / ein Leser angesprochen?

Sollte es hier also immer ruhiger werden, sind die zwei Seiten Kultur in der Tageszeitung offenbar ausreichend. Da könnte man sogar noch eine an den Sport abtreten. Nicht?

Gerald Ganglbauer
Stattegg, 31.08.2020

Die Einsamkeit dieser Stadt

La Strada im nördlichen Grazer Randbezirk Andritz

Erst dachten wir, dass uns gleich der Himmel auf den Kopf fallen würde, als sich plötzlich alle Schleusen über uns öffneten und wir unter Emergency Regenmänteln der Aufführung entgegen sahen. Dann hatte La Stradas Steffi die geniale Idee, das Stück um eine Stunde zu verschieben und in der Tat strahlte über dem Andritzer Hauptplatz um 18 Uhr wieder die Sonne, was mich an den Ausspruch aus Melbourne erinnerte: „If you don’t like the weather, wait five minutes“ und das Spiel begann eigentlich ….

Da sassen wir also im Babyelefanten-Abstand, wie jeder auch sonst eigentlich schön isoliert mit Kopfhörern – einsam eben – und harrten der Dinge die da eigentlich nicht kommen würden. Eigentlich war es wieder ein genialer Streich, diese Koproduktion von workinglifebalance ltd. und Theater im Bahnhof, die schon mit früheren Produktionen aufgefallen waren. So sassen wir auf orangen Klappstühlen unter dem Regenbogen und sahen eigentlich nichts als den leeren Platz und hörten Stimmen, die eigentlich nichts erzählten, außer, dass sie von eigentlich lustigen Ideen träumten, wie sich auszuziehen und eine Orgie zu feiern. Aber eigentlich schien mangels anwesenden Schauspielern keiner – mit Ausnahme der „Chorleiterin“ die einen Brunnenorgasmus hatte, dem „Bären“ mit der nackten Wampe und der Tänzerin auf der Telefonzelle – eigentlich keiner Interesse zu haben, aus seiner Isolation eigentlich herauszukommen. Und was hat das alles eigentlich mit dem Wort eigentlich zu tun? Find out!

Noch bis 1.8. täglich um 17:00, 18:00 und 19:00 am Andritzer Hauptplatz.

La Strada 2020

Wir schreiben das Jahr 2020, das erste Jahr,  in dem ich von meinem geschätzten Straßenfestival voraussichtlich nicht viel sehen werde. Nicht einmal in seiner Coronatauglichen Ausführung. Heute, Montag, den 27. Juli, hat mir die vor Jahren geladene LaStradaApp das neueste Programm automatisch auf mein Mobiltelefon gesendet. Zwei Gründe, mich als Stammberichterstatter zu entschudigen:  ich fühle mich zu schwach, mich ohne Begleitung auf den Weg in die Stadt zu machen (mit Grüßen von meinem Scheiß Parkinson), und ich muss  einen lange vorausgeplanten Termin in  Wien wahrnehmen.

Allerdings wird es  Gelegenheit geben, auch später noch einzutauchen, da sich der bislang enge Zeitrahmen erstmals über das volle Kalenderjahr erstrecken soll. Der/die geneigte Leser*in möge sich selbst informieren: www.lastrada.at

In Ermangelung eigener Eindrücke gebe ich das Wort dem Intendant.

Ein Festival in vier Sätzen

Gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern haben wir uns in den letzten Monaten auf Spurensuche begeben, wie ein vielfältiges kulturelles Leben in diesem besonderen Jahr möglich bleibt, wie wir Hoffnung und Zuversicht unterstützen, soziales Miteinander begleiten und diesen Prozess mit den Menschen in unserer Stadt teilen können.

Wir haben Wege gefunden und künstlerische Projekte entwickelt, mit denen wir unseren Lebensraum Stück für Stück zurückerobern. Die Community-Art unter Beteiligung der Bevölkerung rückt dabei besonders in den Fokus.

Ein erster Schritt war es, den diesjährigen Festivalzeitraum auf das gesamte Kalenderjahr zu erweitern und – in Analogie zum Aufbau einer Symphonie – in vier Sätze zu gliedern.

La Strada hat mit dem Projekt The Graz Vigil am 1 Januar zu Sonnenaufgang begonnen und wird am 31 Dezember mit dem Sonnenuntergang enden. Über den Sommer bis in den Herbst hinein werden wir ein ganzes Jahr lang mit einer Vielzahl künstlerischer Projekte die Stadt und ihren öffentlichen Raum durchwirken.

La Strada 2020 wird anders Besonders Und wir laden Sie herzlich ein, mitzuwirken und dabei zu sein!

Voll Zuversicht und Vorfreude
Werner Schrempf / Intendant