Nick Cave

Ich kannte und schätzte Nick Cave schon seit Jahrzehnten, als er mir in Wim Wenders Film „Himmel über Berlin“ aufgefallen war. Bald darauf lebte ich wie er in Australien, habe ihn aber zufällig nur ein einziges Mal bei einem Besuch in Wien live erlebt, wo ich als frischer Landsmann nach dem Konzert ein paar Worte mit ihm getauscht habe. Das war Anfang der 90er und er war „The Good Son“ und wir waren miteinander auf Augenhöhe verbunden.

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Nick Cave in der Stadthalle Wien | © El Nino

Heute, 30 Jahre später, ist er ein Superstar und es war mir nicht möglich, ihn in Wien zu treffen und mit ihm über Parkinsong Duets zu reden. Sein Management hat ihm meine Mails wahrscheinlich nicht einmal weitergegeben, geschweige denn beantwortet. So ist das nun einmal mit Superstars. Deshalb war ich mehr als überrascht, wenige Tage nach seinem Auftritt in Wien in den Konzertmitschnitten eines Kollegen zu sehen, wie er sich völlg ohne Berührungsangst in der Menge badete. Für das Wiener Publikum muss das ein Erlebnis gewesen sein!

Danke, El Nino | raiRau7, dass du am 1. November 2017 mit der Kamera meine Augen und Ohren in der Stadthalle warst.

Wenn ich zuhause Nick Cave höre, sind das meist seine melancholischen Balladen mit den Bad Seeds, obwohl er mit seiner anderen Formation, Grinderman, auch heute noch ziemlichen Lärm machen kann.

Das aktuelle Album von Nick Cave & The Bad Seeds habe ich bereits vor einem Jahr in Gangway Music mit folgender Review vorgestellt:

Reviewermusic Nick Cave & The Bad Seeds
Skeleton Tree
AIR Studios, London 2016
Reviewed by Gerald Ganglbauer | 15 September 2016

Cover: Skeleton TreeNick Cave und ich haben einiges gemeinsam: Wir sind gleich alt, lebten beide in Australien und lieben Musik und Literatur und das Internet. Ich habe ihn zwar nur einmal in Wien getroffen, aber ich weiß, dass wir beide auch die dunkle Seite der Welt kennen, wenn wir um einen geliebten Menschen trauern und das öffentlich tun. Ich in Büchern, er mit einem Album wie Skeleton Tree, Trauerarbeit für den Verlust seines Sohnes. Am 14. Juli 2015 verunglückte Arthur Cave tödlich, der 15-Jährige stürzte an Englands Südküste von einer Klippe.

Das Cover ist schwarz. Kein Design. Kein Verkaufsspin. Cave schenkt es einfach der Welt. Weltweiter Release über das Internet. Cave läßt die Welt teilhaben an seinem Verlust, aus dem die Welt wiederum wunderschöne traurige Lieder erfährt und die Bad Seeds den Ton wie immer auf den Punkt treffen.

Ich höre und liebe die Lieder von Nick Cave & The Bad Seeds nun schon seit 1983, also seit der Bandgründung mit Blixa Bargeld in Berlin, dann dem „Himmel über Berlin“ (Wings of Desire), das sind bereits einige Jahrzehnte, „The Ship Song“ ist immer noch einer meiner Alltime-Favorites. Das gegenwärtige Album ist jedoch das dunkelste: „When you feel like a lover, nothing really matters, when the one you love is gone.“ (I Need you) hat mich zu Tränen gerührt.

Und da ist auch noch „One More Time With Feeling“ ein zweistündiger, in Schwarz-Weiß gedrehter Film. Auch darin Trauerarbeit. Die Kameras zeigen ihn bei der Studioarbeit, in die Aufnahmen sind Interviewszenen hineingeschnitten, in denen Cave über den Sinn des Lebens und den Tod reflektiert. Den Film habe ich noch nicht gesehen und will ihn vielleicht auch gar nicht sehen. Die Musik berührt mich tief genug und die Worte, sagt Nick Cave, sind mächtig. Dem kann ich nur zustimmen.

Nick Cave & The Bad Seeds | „I Need You“ 2016

Nick Cave & the Bad Seeds’ sixteenth studio album, Skeleton Tree, is out now on vinyl, CD and across all digital platforms.

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