Lange Nacht der Bücher

Die Lange Nacht der Bücher leitet am 7. November 2018 die BUCH WIEN 18 ein, die bis 11. November 2018 in der Messe Wien, Halle D, U2 Station Krieau stattfindet. Es wird gelesen, gesungen, gekocht und gefeiert. Welche Stars heuer geladen sind, wer das Eröffnungskonzert gibt und was dich sonst noch erwartet erfährst du hier.

Mit einem Konzert von Clara Luzia starten wir beschwingt in den Abend, gefolgt wird ihr Auftritt von der renommierten TV-Journalistin und ZIB 2 Anchorwoman Lou Lorenz-Dittlbacher, die uns in die Mechanismen der Macht einweiht.

Radio Wien – Moderator Reinhardt Badegruber stellt dieses Jahr den „Wien Quiz“ – Master der „Langen Nacht“. Ihr Wissen ist gefragt – es winken tolle Bücherpreise!

Star-Kabarettist Florian Scheuba führt als Moderator durch die Büchernacht, das Publikum erwarten die Stars der österreichischen Literaturszene Bernhard Aichner und David Schalko, sowie Hanna Herbst, die sich bei der Präsentation ihres neuen Buches Fragen zum Feminismus stellt.

Der beliebte Poetry Slam darf natürlich nicht fehlen – Slam-Ikonen Mieze Medusa und Markus Köhle begrüßen Slam-PoetInnen aus Belgien, Deutschland, Luxemburg, der Schweiz und aus Österreich, die dieses Jahr eine besondere Runde in ihrer jeweiligen Mundart bestreiten!

Die beliebte Kabarettgruppe maschek sorgt für äußerst humoristische Eindrücke aus ihrem neuen Werk und Christina Bauer und cookinCatrin liefern erstmals auf einer eigenen Kochbühne mit der Kreation ihrer Köstlichkeiten eine reine Gaumenfreude.

Interaktiv wird es am Stand der Antiquare: BesucherInnen können persönliche Fundstücke vor Ort schätzen lassen und alte literarische Kost bewundern.

Alles Infos zum Programm: www.buchwien.at & www.buchwien.at/programm2018

Pressetext, Bericht folgt

Bachmann Preislesen

Buchcover
Bachmannpreislesen 1989 im ORF Landesstudio Klagenfurt, ein Foto von Helmut Utri

Sonntag, 8. Juli 2018 wird zu einem Datum, das eine Handvoll jüngerer Autoren nicht so schnell vergessen wird, aber bald vergessen sollte. An jenem Tag in der Gegenwart Kärntens – lange nachdem Ingeborg Bachmann in diesem Land zugegen war – wird in ihrem Namen eine Menge Geld und Ruhm ausgeteilt. Die Preisverleihung findet heute feierlich, vom ORF ausgeweidet, zum 42. Mal statt. Der in Berlin lebende Exil-Grazer Christian Ankowitsch berichtet für die Deutschen, denn dort ist das Zielpublikum, der große Bruder wird wohl auch saftig absahnen.

Texte lassen sich schwer oder gar nicht nach ihrem Vortrag allgemeingültig bewerten, so sehr sich die Juroren auch bemühen, es bleibt inszeniertes Theater. Ich selbst war auch einige Jahre hindurch als Textscout für den Verlag dort, aber irgendwann verlor sogar der „Telefonbuchkritiker“ Marcel Reich-Ranitzky Unterhaltungswert. Da half es nix, dass sich die Buffets bei den offiziellen Empfängen der Politik unter feinster kulinarischer Last bogen und reichlich Alkohol den Paparazzi und sonstigen hohen Gästen die Optik mit Seitenblicken weichzeichnete.

Österreichische Autorinnen und Autoren scheinen Klagenfurt mittlerweile zu meiden. Aber Teilnahme kann ich nicht verurteilen, da die Chance auf Öffentlichkeit, ein hohes Preisgeld und nicht zu unterschätzende Werbung für ihre Bücher eine starke Versuchung darstellt. Auch wenn unser Juror Klaus Kastberger mit Sarkasmus auf so manchen Text reagiert. Dazu sitzt er ja dort – und nicht die Autorinnen und Autoren. Auch wenn die internationale Presse mit mildem Interesse auf die Tage der deutschsprachigen Literatur blickt, habe ich mehr von einem Poetry Slam.

 

Tanja Maljartschuk gewinnt Bachmannpreis 2018

Inzwischen zwitschern es die Tweets von den Bäumen: Die Bachmannpreis-Gewinnerin 2018 heißt Tanja Maljartschuk, Bov Bjerg gewann den Deutschlandfunkpreis. Nach vier Wahlgängen gewann Özlem Özgül Dündar den KELAG-Preis. Drei Wahlgänge brauchte es für 3sat-Siegerin Anna Stern. Raphaela Edelbauer gewann den Publikumspreis.

Welttag des Buches

23. April ist WELTTAG DES BUCHES und kunstGarten begeht ihn mit einer Literatur-Matinee

Die Autorin Marlen Schachinger (Foto: Wolfgang H. Wögerer, Wien) liest aus ihrem neuen und brandaktuellen Roman Martiniloben (5. Sep 2016, SEPTIME)

WBD-LandingPage_01_HeaderMona will der kalten Anonymität, dem aggressiven Gegeneinander und dem permanenten Stress in der Stadt entfliehen. Sie zieht in ein Dorf an der Landesgrenze, wo sie sich Ruhe und ein solidarisches Miteinander erhofft. Fortan pendelt sie zwischen beiden Lebenswelten und stellt fest, dass diese sich im Innersten ähneln. Das Dorf entpuppt sich als ebensolche Hölle wie die Stadt – nur mit einer anderen Dynamik: Mikrokosmos einer Gesellschaft, deren Klima durch Unsicherheit und Ängste dominiert ist, die einen radikalen Egozentrismus und rechte Tendenzen hervorrufen. Der vermeintlich erstarkte Gemeinschaftssinn äußert sich in manipulativer Sozialkontrolle: Fremdes wird kritisch beäugt, kommentiert und im Zweifel – ausgeschlossen. Als Mona sich für die im Dorf untergebrachten Flüchtlinge einsetzt, erfährt sie Missgunst und Ausgrenzung am eigenen Leib.
Durch Gerüchte genährt und Hetze geschürt, kippt die Stimmung im Dorf in Übergriffigkeit. Zum Martiniloben, dem Fest des Jahres, dem großen ländlichen Sauf- und Fressgelage, eskaliert die Situation.

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Karl-Markus Gauß schreibt: »Wie viele Autorinnen versammeln sich unter dem Pseudonym Marlen Schachinger? Ich schätze mindestens fünf. Die eine ist eine feministische Intellektuelle und Kämpferin erster Güte. Die zweite eine echte Stubengelehrte, die sich für so ziemlich alles interessiert. Die dritte gibt als fleißige und kollegiale Anthologistin einen Sammelband nach dem anderen heraus. Die vierte veröffentlicht Biografien, Sachbücher, Studien, Essays, Kurzgeschichten. Und die fünfte schreibt Romane, in denen sich alle fünf Frauen, die sich auf ihr gemeinsames Pseudonym geeinigt haben, regelmäßig treffen und bestens miteinander auskommen.«

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Aus organisatorischen Gründen  wird um Anmeldung bis zum Vorabend gebeten – unter kunstgarten@mur.at oder +43 316 262787. Bei Schönwetter und über 18° Celsius auf der Gartenbühne! Matinee Beginn 11:15.

schachinger lesung

Irmi Horn

Payer-Weyprecht-Str. 27
8020 Graz | Österreich
fon+fax +43(0)316 262787

Gerald Ganglbauer – Schreiben am Netz

Die Büchersendung aus Innsbruck kam mit einem gelben Kleber über der Verschlußlasche zu meiner PO Box in Strawberry Hills: “Von der Australischen Post zur Kontrolle der Quarantäne geöffnet.” Seit dem 11. September 2001 wird nun auch ‘Snail Mail’ auf Viren geprüft. Beruhigend oder seltsam – jedenfalls aber eine interessante Beobachtung, wenn eine Neuerscheinung ankommt, die sich die Frage stellt: “Welche Bedingungen erwartet die Literatur im digitalen Zeitalter?”

Ganglbauer über Johannes Fehr, Walter Grond (Hrsg.)
Schreiben am Netz. Literatur im digitalen Zeitalter.
Haymon Verlag, Innsbruck 2003

Literatur im digitalen Zeitalter

CoverDer Inhalt des Paketes: zwei schlichte weisse Bände im Schuber; mit zusammen rund 450 Seiten die Dokumentation eines Labor – Salon – Symposiums am Collegium Helveticum der ETH Zürich, sowie eine überarbeitete Chronik Walter Gronds, die in einer wöchentlichen NZZ-Kolumne veröffentlicht war. Grond, der seit dem Ausscheiden aus dem Grazer Forum Stadtpark in einem 400-Seelen-Dorf in Niederösterreich als Romancier und Essayist lebt, war von Fehr, dem stellvertretenden Leiter des Collegium Helveticum, im Frühjahr 2002 als ‘Writer in Residence’ nach Zürich geladen, “um gemeinsam mit anderen über das ‘Schreiben am Netz’ nachzudenken”.

Dieser literarische Salon im Internet versammelt einen Kreis, der dem Rezensenten (trotz fünfzehnjähriger Abwesenheit) real oder virtuell mehr oder weniger bekannt ist: Literaturwissenschafter, Autoren, Verleger, Kommunikationswissenschafter und Netzwerker von Susanne Berkenheger über Christian Eigner zu Klaus Zeyringer, um nur einige zu nennen. Der Rezensent hat ja, wie Grond, denselben Background: “Mitte der neunziger Jahre, als ich mit Dzevad Karahasan über Literatur zu diskutieren begann, rückten mit der Schaffung des World Wide Web die Kulturtechniken, die mit dem Computer verbunden sind, ins öffentliche Bewußtsein. […] Ich kommuniziere mit Menschen, nicht mit Maschinen. Und doch, die digitale Kommunikation bringt manches ins Wanken, was ich bisher für unzweifelhaft empfand.” Grond in: Die Chronik, S. 26-27.

Jene seit Jahren vertrauten Erfahrungen, die dem digitalen Zeitalter so eigen sind, bilden auch das Gerüst der Aufsätze, die eine interessante Dokumentation abgeben: “Wer viel Netzalltag erlebt, dem scheint nicht selten die Zumutung, die die Netzliteratur darstellt, die Zumutung des Netzalltages zu reflektieren. […] Der denkt: Ja genau, so ist es, das Leben im Netz – und er schaut in die Netzliteratur wie in einen Spiegel.” Berkenheger in: Das Symposium, S. 195-196. Andererseits: “Die Szene der digitalen Literatur und der Literaturbetrieb sind nach wie vor völlig getrennte Welten mit sehr wenigen Grenzgängern.” Beat Suter in: Das Symposium, S. 149. Alles in allem 24 Beiträge.

Und das Resümee? “Das Hinübergleiten – vom Labor und Salon im Internet zum Symposium in der Sternwarte zur Dokumentation im Buch – ist relativierendes Verfahren. Der Gewinn war vor allem Erfahrung. Konfusion auf einem höheren Level.” sagt Grond. Na ja, Fehr versichert: “Die im Rahmen von ‘Schreiben am Netz’ entstandenen Seiten bleiben zwar weiterhin über das Web zugänglich, aber in einer Form, in der nicht mehr daran weitergeschrieben werden kann: als Dokumentation und Archiv eines transdisziplinären Experiments”: http://www.collegium.ethz.ch/schreiben-am-netz/index.de.html

Für all jene, deren Alltag aus Schreiben besteht, ist ‘Schreiben am Netz’ wichtig, denn niemand kann sich dem Netz in unserem globalen Dorf heutzutage gänzlich entziehen.

Sydney, am 9. April 2003