Die Kinder der Toten

Casting

Nach drei Jahren (Life & Times, 2014) treffe ich Kelly Copper und Pavol Liška vom Nature Theater of Oklahoma auf der Pressekonferenz 50 Jahre steirischer herbst und entscheide mich spontan, am Casting für ihren Film „Die Kinder der Toten“ frei nach Elfriede Jelineks 666-seitigem Roman mitzumachen.

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„You’re in!“ sagt mir Pavol trocken und ich unterschreibe einen Darstellervertrag.

Matinee

Das gemeinsame Projekt des steirischen herbst mit dem Nature Theater of Oklahoma und dem Literatur h aus Graz wird im Palais Attems dem Publikum vorgestellt. „Der Große Dreh“ in der Obersteiermark kann beginnen.

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Das Nature Theater of Oklahoma will den Spass am (Stumm-)Film …

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… und Klaus Kastberger (2. v. l.) fordert die Beschäftigung mit dem Text Jelineks.

LOCATION

Im Hotel Appelhof in Mürzsteg ist ein Zimmer für mich reserviert. Sehr gemütlich in einer Villa wie aus einem Horrormovie, wo es überall im Gebälk gespenstisch knarrt, wenn man sich im Finstern die Treppe hinauf tastet. Mürzsteg ist ziemlich weit vom Geschehen entfernt. Aber egal wo man untergebracht ist, man fährt über das Wochenende gute 100 Km talauf talab von Mürzsteg nach Neuberg, nach Kapellen, wo ein Riesenplakat auf das FAZ Mürzer Oberland hinweist und zurück. Dieser Ort am verlassenen Bahnhof einer längst verschwundenen Schienenstrecke ist ausgelagerter Drehpunkt des steirischen herbst und dient der Filmcrew als das Basislager.

Ich bin schon sehr gespannt, worauf ich mich bei den Dreharbeiten eingelassen haben werde. Aber das dauert noch. Die Regisseure filmen in einer Fabrikshalle noch einige Szenen. Ich nütze die Zeit und lese unvorbereitet und öffentlich, jedoch nicht einmal so schlecht, meine 15 Minuten aus Jelineks Roman. Die Lesenden werden im Viertel-Stunden-Takt von Figuren aus Star Wars in einen in ein weisses Tuch eingepackten, ausrangierten Zugwagon begleitet, wo man einen Tag und Nacht durchlesenem 144 Stunden Lese-Marathon „Die Kinder der Toten“ abhält, den man sowohl im Hof aus Lautsprechern hört als auch für spätere Verwendung aufzeichnet.

SZENEN

  • Höllenszenario: Das Ende der Welt naht und die Erde verwandelt sich in eine Bühne für apokalyptisches Horrortheater. Die Polizei untersucht einen liegengebliebenen Holztransporter und findet eine übelriechende Leiche
  • Auferstehung der Toten: Weinendes Publikum im Kino betrauert seine Verstorbenen, die auf Super 8-Homevideos auf der Leinwand zu sehen sind. Nach einer Pause verwandelt sich ein Großteil der Kinogäste in Untote und durchstürmt die Leinwand, um die Verbleibenden zu attackieren.
  • Die Syrer: Sechs syrische Flüchtlinge werden von Einheimischen abgewiesen.
  • Im Supermarkt: Untote übernehmen die Kontrolle über den lokalen SPAR Supermarkt – und stellen ihn gehörig auf den Kopf.

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Und plötzlich ist man mittendrin im Film… Eine wertvolle neue Erfahrung, die ich mit nachhause nehmen darf. Hollywood wird mich nicht entdecken, wenn der Film ins Kino kommt, aber den Dreh hinter den Kulissen mitzuerleben hat großen Spass gemacht.

IM KINO

Mit den Dreharbeiten ist nun das künstlerische Projekt des steirischen herbst abgeschlossen. Jetzt geht es ans Produzieren. Unter maßgeblichem Engagement von Veronica Kaup-Hasler konnte im Sommer die Finanzierung des Materials als Film sichergestellt werden – der ORF, das Österreichische Filminstitut und das Land Steiermark sind beteiligt, produziert wird von Ulrich Seidl Film. Kelly Copper und Pavol Liska machen sich in den kommenden Monaten an die Bearbeitung des Materials, Ende 2018, Anfang 2019 soll der Film in die Kinos kommen.

Welttag des Buches

23. April ist WELTTAG DES BUCHES und kunstGarten begeht ihn mit einer Literatur-Matinee

Die Autorin Marlen Schachinger (Foto: Wolfgang H. Wögerer, Wien) liest aus ihrem neuen und brandaktuellen Roman Martiniloben (5. Sep 2016, SEPTIME)

WBD-LandingPage_01_HeaderMona will der kalten Anonymität, dem aggressiven Gegeneinander und dem permanenten Stress in der Stadt entfliehen. Sie zieht in ein Dorf an der Landesgrenze, wo sie sich Ruhe und ein solidarisches Miteinander erhofft. Fortan pendelt sie zwischen beiden Lebenswelten und stellt fest, dass diese sich im Innersten ähneln. Das Dorf entpuppt sich als ebensolche Hölle wie die Stadt – nur mit einer anderen Dynamik: Mikrokosmos einer Gesellschaft, deren Klima durch Unsicherheit und Ängste dominiert ist, die einen radikalen Egozentrismus und rechte Tendenzen hervorrufen. Der vermeintlich erstarkte Gemeinschaftssinn äußert sich in manipulativer Sozialkontrolle: Fremdes wird kritisch beäugt, kommentiert und im Zweifel – ausgeschlossen. Als Mona sich für die im Dorf untergebrachten Flüchtlinge einsetzt, erfährt sie Missgunst und Ausgrenzung am eigenen Leib.
Durch Gerüchte genährt und Hetze geschürt, kippt die Stimmung im Dorf in Übergriffigkeit. Zum Martiniloben, dem Fest des Jahres, dem großen ländlichen Sauf- und Fressgelage, eskaliert die Situation.

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Karl-Markus Gauß schreibt: »Wie viele Autorinnen versammeln sich unter dem Pseudonym Marlen Schachinger? Ich schätze mindestens fünf. Die eine ist eine feministische Intellektuelle und Kämpferin erster Güte. Die zweite eine echte Stubengelehrte, die sich für so ziemlich alles interessiert. Die dritte gibt als fleißige und kollegiale Anthologistin einen Sammelband nach dem anderen heraus. Die vierte veröffentlicht Biografien, Sachbücher, Studien, Essays, Kurzgeschichten. Und die fünfte schreibt Romane, in denen sich alle fünf Frauen, die sich auf ihr gemeinsames Pseudonym geeinigt haben, regelmäßig treffen und bestens miteinander auskommen.«

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Aus organisatorischen Gründen  wird um Anmeldung bis zum Vorabend gebeten – unter kunstgarten@mur.at oder +43 316 262787. Bei Schönwetter und über 18° Celsius auf der Gartenbühne! Matinee Beginn 11:15.

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Irmi Horn

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