Chicago Plan

Eyes Wide Shut

ChicagoPlan - 9

Nach dem ersten Stück im ersten Set war ich  etwas planlos. Die vier Musiker spielten zwar vom Blatt, aber jeder für sich mit geschlossenen Augen. Mon dieu, war das nun Free Jazz, worauf ich mich hier unvorbereitet eingelassen hatte? Keine Spur, den Ohren der Zuhörer im Stockwerk Graz wurden Kompositionen geliefert, die klare Strukturen erkennen ließen, wenngleich diese auch ständig wechselten. Creative Jazz aus den United States war eben anders als europäischer oder australischer Jazz.

Aber es passte alles zusammen, was man sich an ungwöhnlichen Symbiosen nur vorstellen konnte. Angefangen bei der Instrumentierung. Ich hatte noch kein Chello (und Electronics) in einem Jazz Quartett gesehen. Aber was Fred Lonberg-Holm (55) mit seinem „geschrumpften Bass“ zupfte, strich, kratzte und quietschte, passte. Eine drei-saitige Gitarre, die ihm sein Vater gebastelt hatte brachte ihn zur Musik, wie er mir in der Pause erzählte. Und der Mojo, mit dem der in Chicago gebürtige Drummer Michael Zerang (auch er wird heuer 60) die Rhythmen sammelte, vorantrieb und wechselte, passte ebenso. Der Mann, dessen Haar wie Rapunzel bis zum Boden reicht, ist auch Komponist und spielte Schlagzeug mit zahlreichen Bands von kreativem Jazz über Weltmusik bis zu Rock und mehr, und es passte. Der 60-jährige Berliner Import Gebhard Ullmann, bestückt mit Tenorsaxofon und Bassklarinette noch der „normalste“ im Jazz Quartett, passte natürlich. Und Steve Swell aus Newark/New Jersey, der mit 64 Jahresringen älteste der vier, hielt die Augen ebenfalls geschlosssen, wenn er seinen Körper mit der Posaune bis zum Boden schwingen ließ, und auch das passte.

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Variations on a Master Plan. Das macht Lust auf eine Reise nach Chicago, denn dort gibt es Creative Jazz vom feinsten, wie dieses Quartett. 2016 erschien Chicago Plan, ein selbst betiteltes Debütalbum bei Clean Feed. Davor hatte jeder der vier schon zahlreiche CDs in anderen Gruppierungen und Projekten aufgenommen. An diesem Abend war Chicago in Graz und hat die Zuhörer musikalisch bereichert, wofür Otmar Klammer zu danken ist. Die Stadt Chicago wird dennoch ein Reiseziel auf meiner Bucket-List bleiben.

Mario Rom’s Interzone

Truth Is Simple To Consume

Allein diese Fotografie der drei distinguierten Gentlemen von Severin Koller macht eine Ankündigung ihrer CD-Präsentation im Stockwerk Jazz, Graz unabdingbar. Mit nur drei Tagen Vorlauf bis Mittwoch den 13. Dezember, 20 Uhr bleibt allerdings nicht viel Zeit, den vorweihnachtlichen Termin noch unterzubringen. Aber wenn Herr Klammer mit derartig schönen Worten bittet, davon Kunde zu tun, ist es ein Pflichttermin.

Das dritte Album

Mario Rom's Interzone CDDas Trio rund um den atemberaubend virtuosen Trompeter ist schon jetzt eine der erfolgreichsten Jazzbands, die das Land in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Mittlerweile waren Mario Rom und die Seinen mit ihrer so unbekümmerten wie ungestümen Musik schon auf der halben Welt zugange. Gerade erst waren sie in Kanada, Marokko, Indien und in Admont, wo sie ihr neues – drittes – Album präsentiert haben.
Mit der surrealistisch witzigen, vierteiligen Online-Filmserie Everything Is Permitted, eingefangen zwischen Mexiko, New Orleans und Österreich, erregten Rom, Kranzelbinder und Pirker großes Aufsehen und haben damit schon vor ein paar Jahren ein kleines Stück europäische Musikgeschichte geschrieben. So etwas hatte man bislang noch nicht gesehen!

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Nun kommen die drei bärtigen Herren mit den ausgeflippten Ideen zur Präsentation ihres dritten Albums ins Stockwerk zurück.
Ein seltener Beweis, dass sich hot und cool oder free und retro nicht ausschließen müssen. Sie räumen alle stilistischen Wegweiser zur Seite, swingen, grooven, dampfen, nehmen abrupt Tempo aus der Bewegung, sie spielen, wie es ihnen die Energie gerade gebietet.

MARIO ROM´S INTERZONE (A) sind Mario Rom – trumpet, Lukas Kranzelbinder – bass und Herbert Pirker – drums

The Necks

Tonight at Orpheum Extra

(Pure Scenius) „This was selfless art, with the participants always servants of the musical thread… Australia’s inventors of acoustic, jazz-inflected minimalism, The Necks. Beforehand there seemed a danger of the Necks‘ unique and complete conception being ravaged by any interlopers. But Eno was astute enough to suggest musical contexts in which The Necks could do what they do – and arguably be the music’s linchpin – while being embellished with flawless empathy“
SYDNEY MORNING HERALD

The Necks – Live in Concert | Recorded at Jazzhouse in Copenhagen, filmed by Søren Rye, mixed by Klaus Q Hedegaard

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At the Orpheum Extra stage in Graz, all the way from Sydney, Australia | Photos Gerald Ganglbauer www.thenecks.com

 

Happy Birthday, Harri

60 Jahre Harri Stojka

Seine Finger greifen auch mit 60 noch unfassbar schnell die Saiten am Hals seiner Gitarre, die der Virtuose aus Wien, Floridsdorf, Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, im Lauf seines Lebens in einem sehr breiten musikalischen Spektrum eingesetzt hat, etwa in der eigenen Band, dem Harri Stojka Express, an den ich mich noch gut erinnere, da wir etwa im gleichen Alter sind (OT: Wie es mir mit 60 geht? Früher freute ich mich aufs Fortgehen, jetzt ist es aufs Heimkommen.) aber auch mit Gipsy-Weltmusik und Rockstars wie Peter Wolf und Frank Zappa bis hin zu Musikern aus dem indischen Rahjastan, wo er auf der Suche nach seinen Wurzeln war.

Harri Stojka (* 22. Juli 1957 in Wien) ist ein österreichischer Gitarrist, Komponist, Arrangeur, Bandleader und Sänger, der als einer der bedeutendsten österreichischen Jazz-Musiker der Gegenwart gilt. „Harri“ entstammt der Lovara-Roma-Dynastie vom Stamm der Bagareschtschi und zählt zu den bekanntesten Roma Österreichs. Sein weltmusikalisch geprägter Musikstil wird auch „Gipsysoul“ genannt. Daneben spielt er mit Erfolg auch swingorientierte Musik, weiß das Lexikon.

 

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Auf seiner Birthday Concert Tour lässt er sich in der Generalmusikdirektion Graz, dann dem Kulturzentrum Kremsmünster, dem Treibhaus in Innsbruck und schließlich im Wiener Konzerthaus mit guten Freunden aus vielen Jahren feiern. Other Doors nennt sich seine jüngste Formation mit Claudius Jelinek, Gitarre, Alex Deutsch, Schlagzeug und Peter Strutzenberger, Bass. Im Roma Musik Enseble erweitert sich die Besetzung um Geri Schuller, Keyboard, Saška Janković, Gesang, Andi Steirer, Percussion, und Herbert Berger, Klarinette, und jm India Express mit Kutle Khan, Gafur Khan und Aditya Bhasin, Maultrommel, Tarang, Tabla, Gesang.

Das Publikum in Graz, großteils ebenso 60 oder darüber, war hellauf begeistert, lauschte, klatschte, sang „Happy Birthday, dear Harri“ und tanzte zur zweiten Draufgabe, einem zwar betagten aber immer noch swingenden Tune aus seinem neuesten Projekt, Harri Stojka goes Beatles.

Seine offizielle Website: www.harristojka.at

Stockwerk Jazz

Liebe Damen und Herren,

was sollen wir sagen? Österreich hat gewählt.
Ohrenmäßig könnte das Ergebnis für ein Musikland wie Österreich ja Symbolcharakter haben. Dreimal größere Ohren als der vermeintlich neue Bundeskanzler haben jedoch die Herren Ray Anderson, Mark Helias und Gerry Hemingway (jeder für sich, nicht zusammen!). Zwar hören die drei prominenten Jazzmusiker damit nicht das Gras wachsen, sondern jene charismatischen Töne, die ihre Kollegen auch zwischen den Noten spielen.
Ähnliches gilt für die Worte des japanischen Haiku-Meisters Kobayashi Issa, magische Worte, denen sich das Duo Gasser/Masaria in unserem zweiten Konzert in dieser Woche widmet.

Mit Dank und lieben Grüßen,
Ihr Stockwerk-Wort zum Wahlsonntag
Otmar Klammer

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Stockwerk, Jakominiplatz 18, A – 8010 Graz, phone: +43 (0) 676 31 59 551, www.stockwerkjazz.mur.at

Do., 19. Oktober 2017, 20:00 Uhr

BASSDRUMBONE (US)

Ray Anderson – trombone
Mark Helios – bass
Gerry Hemingway – drums

BassDrumBone ist nicht allein eine Institution in der jüngeren Jazzgeschichte, sondern geradewegs ein Indikator. In rund vierzig Jahren gelang es dem Trio stets, formale Schärfe, thematische Wendigkeit und organischen Flow auf einer bezwingenden Spur des kreativen zeitgenössischen Jazz zu halten.
BassDrumBone ist ein Trio, das die Ungleichheit seiner Instrumentierung der einzigartigen Persönlichkeit seiner drei Mitglieder angetraut hat. Im Trio wachsen die drei US-Haudegen weit über die herkömmliche Praxis des Improvisierens hinaus. Ein wahres Kollektiv, dessen Musik drei verschiedene kompositorische und improvisatorische Ansätze zu einem außergewöhnlichen musikalischen Rapport vereint.
Im Herbst 1977 begannen Mark Helias, Gerry Hemingway und Ray Anderson als Trio zu spielen. Ihre erste Platte „Oahspe“ wurde 1979 auf Auricle Records veröffentlicht, jenem Plattenlabel, auf dem sich BassDrumBone nun mit dem großartigen Doppelalbum The Long Road in der internationalen Szene zurückgemeldet hat (inklusive den Gästen Jason Moran und Joe Lovano). Furchtlos schön.

Fr., 20. Oktober 2017, 20:00 Uhr

CLEMENTINE GASSER & ANDREA MASSARIA (CH / I)

Haiku Music
CD-Präsentation

Clementine Gasser – 5-string cello
Andrea Massaria – guitar

So soll es sein. Von Noten, Punkt und Beistrich genug, konvertierte Andrea Massaria, der sich als klassischer Gitarrist auf Villa Lobos und Bach spezialisiert hat, einst nach einem Konzert von Barney Kessel zum Jazz. Eine Entscheidung, der wir unter anderem die CD Corindilindoli mit dem Posaunisten Giancarlo Schiaffini zu verdanken haben.
Der Triestiner und die in Luzern geborene Cellistin Clementine Gasser, deren internationale Konzerttätigkeit im Bereich zeitgenössischer improvisierter Musik sie auch schon mehrfach ins Stockwerk führte (u.a. mit dem Saxophonisten Mikołaj Trzaska), haben nun jeweils sechs Haikus des japanischen Haiku-Meisters Kobayashi Issa (1763 – 1828) ausgewählt und anhand grafischer Partituren aufbereitet.
Wenn man weiß, dass Konkretheit und der Bezug auf die Gegenwart unverzichtbarer Bestandteil eines Haiku sind, kann das ja nur spannend werden. Die CD The Spring of My Life (Amirani Records) ist vorsichtshalber schon einmal nach Issas Hauptwerk benannt.

Foto: BassDrumBone (vl.: Mark Helias, Gerry Hemingway, Ray Anderson)

Jazz Festival Leibnitz

Jazz & Wein

Eins der Highlights im heimischen Kulturleben ist das alljährlich wiederkehrende Jazz & Wein im südsteirischen Leibnitz. Otmar Klammer tischte internationalen Ohrenschmaus auf, die Sausaler Weinbauern verwöhnten mit ihrer Jahrgangspräsentation, und Werner Schandor präsentierte die zweite Auflage seines im Falter Verlag erschienenen Reiseführers.

Donnerstag, 28. September, wurde das Festival um 19 Uhr nach im Normbereich liegenden Ansprachen mit dem Tori Freestone Trio (GB)Tori Freestone [Bild oben] Tenorsaxophon, Dave Manington, Bass und Tim Giles, Schlagzeug – im Weinkeller Schloss Seggau eröffnet und endete am Sonntag, 1. Oktober, beim Brunch um 11 Uhr im Weingartenhotel Harkamp mit Die Enttäuschung (D)Axel Dörner, Trompete, Rudi Mahall, Bassklarinette/Bariton Saxophon, Jan Roder, Bass und Michael Griener, Schlagzeug. Dazwischen fanden wie im Vorjahr die Jazzkonzerte im Kulturzentrum Leibnitz statt. Neu war heuer ein Gig für Nachteulen am Freitag um 23 Uhr mit Café Drechsler (AT)Uli Drechsler, Tenorsaxophon, Alex Deutsch, Schlagzeug/Bass und Oliver Steger, Bass – im Marenzikeller Leibnitz.

Es gab eine Hotel-Package, bzw. ein Shuttle-Service nach Graz für diejenigen, die nicht wie ich über Nacht in Leibnitz blieben weil sie das Privileg eines Backstage-Pass hatten. So fühlte sich der Kulturjournalist wie in einer Familie aus Kollegen, z.B. Andreas Felber von Ö1, Gabi Sailer, Christoph Giese und Julian Schoenfeld, Musikern, Roadies und einer ganzen Menge anderer Helfer, mit denen es hinter den Kulissen zu vielen guten Gesprächen und neuen Freundschaften kam.

Ich unterhielt mich gerne mit der britischen Saxophonistin Tori Freestone (die ich als einzige Frau dieses Festivals scherzhaft Lisa Simpson nannte, was sie sehr amüsierte) und Cyril Atef, dem innovativen Drummer beim Yves Robert Trio. Mit Stevie Bernstein, Trompete, und Tony Scherr, dem trockenen Bassisten vom Sexmob frühstückte ich im Café Deli, mit Jan Roder, Bass der Berliner Band Die Enttäuschung, trank ich Backstage und Axel Deutsch, den energiegeladenen Schlagzeuger des  Café Drechsler traf ich natürlich auch beim Frühstück im Café Deli.

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Die verbleibende Freizeit verbrachte ich mit der Jazzfotografin Ulla C. Binder, deren Bilder im Kulturzentrum ausgestellt waren und die im Rahmenprogramm des Festivals einen Workshop für Jazzfotografie im Retzhof machte, bei dem ich gleich assistieren durfte. Dabei hatte ich meine  Canon Spiegelreflexkamera samt Objektiven vor zwei Jahren verschenkt und knipse seither nur noch mit dem iPhone und einer kleinen IXUS, was zum Bloggen (siehe oben) eigentlich ausreicht.

Abschliessen möchte ich meinen Bericht mit zwei CD Empfehlungen: Das neue Album des Tori Freestone Trios: El Barranco, das im Weinkeller live zu hören war und die neue CD des Café Drechsler: and now…boogie!, die gesprochene Worte enthält, die man beim Abtanzen im Klub nicht hörte. Muss man haben!

See you at the next Leibnitz Jazz Festival in 2018.

80 Jahre Wolfgang Dauner

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Album Cover

80 Jahre Wolfgang Dauner – Das Jubiläumskonzert heißt das neue Album Dauners, mit dem der SWR sein Lebenswerk ehrt. In der Tat ist es das Beste aus den zwei Konzerten vom 23. und 24. Jänner 2016 im Stuttgarter Theaterhaus; und das gleich mit zwei Dauners: auch Sohn Florian Dauner ist Musiker, am Schlagzeug, wenn es nicht gerade von John Hiseman bedient wird.

Ich habe den deutschen Altmeister (Jahrgang 1935) einmal mit dem Bassisten Eberhard Weber im United Jazz & Rock Ensemble erlebt, aber nie Solo. Deshalb bin ich dankbar für dieses Tondokument, das man unter die großen Jazzpianisten wie Friedrich Gulda, Keith Jarrett oder Herbie Hancock einreihen kann.

Das Konzert wird mit der Eigenkomposition Drachenburg eröffnet, einem wunderschönen Solo am Piano, auf Track zwei begleitet ihn bereits Flo am Schlagzeug und auf Track drei arbeitet Dauner am Keyboard eines Moog Synthesizers, was seine Grenzüberschreitungen Richtung Fusion und Jazzrock bestätigt. Aus jungen Jahren werden Happenings mit seinem nackten Schlagzeuger Fred Braceful im Wolfgang Dauner Trio kolportiert; die habe ich leider versäumt und das wäre auch eine ganz andere Geschichte. Aber all die großen Namen des deutschen Jazz sind da: Albert Mangelsdorff steuert z.B. seinen Wheat Song bei, Christof Lauer ein großartiges Sopran Sax und u.a. gibt es sogar ein Tribut an George Gershwin zu hören.

Das United Jazz & Rock Ensemble gibt es bereits in Second Generation auf dieser CD und Dauner und die Jungen fetzen so richtig los. Ein Jazz Album, das keine musikalischen Wünsche offen lässt und wieder einmal aufzeigt, wie breit das Œvre tatsächlich ist.

 

Großmütterchen Hatz & Klok

Salon Oskar

Das fesche Großmütterchen Hatz aus dem Steirerland hatte mich zwar zur Präsentation des neuen Albums nach Wien eingeladen, aber der lange Weg von Stattegg war mir an jenem Abend zu mühsam. Doch bald darauf steckte ein handgeschriebenes Kuvert mit ebensolchem Kärtchen und der neuen CD in meinem Postkastl: „Lieber Gerald […] wir würden uns wieder über ein paar Worte von dir freuen, herzlichst Franziska Hatz„. Wir hatten uns nur einmal bei einem Konzert in der Grazer Postgarage gesehen, aber offenbar war die Sympathie gegenseitiger Natur. Klok, eine Wiener Formation im Bereich Jewish-Balkan-Jazz kannte ich noch nicht, jedoch wurde schon beim ersten Querhören des Albums klar, dass sich Großmütterchens Akkordeon mit der orientalischen Klarinette von Richard Winkler gut verstehen würde.

Neben Hatz und Winkler, der auch am Saxofon ein wahrer Meister ist, sind auf diesem „Salon Oskar“ betitelten Album noch Jörg Reissner an der Gitarre, Roman Britschgi am Bass und Saša Nikoliç am Schlagzeug zu hören. Alle Musiker zeichnen sich auch als Komponisten aus und bis auf Britschgi, den Bassisten,  bringen sie auch ihre Stimme sporadisch zu experimentellen Texten von Hatz und Pichlbauer ein:

Tausende Traktoren/ Tanzen durch die Gurkenfelder/ Eine Frau mit roten Ohren/ Hat den Überblick verloren// Und sie pflückt jetzt nicht mehr Gurken/ Sondern teure Abendkleider/ Sie pflückt heiße Schokolade, Tulpen, Eierschneider.

So hört sich etwa eine Strophe aus „Trattoria“ von Hatz und Pichlbauer an. Da ist man froh, wenn man auf der CD die Texte nachlesen kann, wenn auch die kleinen schlanken Grossbuchstaben im von Joanna Styrylska grafisch schön gestalteten Album bei uns Älteren die Verwendung einer Lesebrille erfordern.

Kleiner Wermutstropfen: Beim Import in meine iTunes musste ich leider feststellen, dass das Album nicht in den Gracenotes zu finden ist. Das wird hoffentlich bald nachgeholt, denn wer tippt schon gern jeden einzelnen von 13 namenlosen Tracks einer „Audio CD“ und scannt auch noch das Cover in seine Mediathek?

Musikalisch gibts nix als Lob. Aber anderes hätte ich von Großmütterchen Hatz und ihren Jazz-Freunden auch nicht erwartet. Leidenschaftliche Musiker und geschliffene Kompositionen, gepaart mit perfekter Studiotechnik und Tonmeistern, die ihr Handwerk verstehen, ergeben nun einmal gehobenes Hörvergnügen, das auch tanzbar ist.

Tausende Traktoren/ Säen Winterweizensamen/ Primfaktoren Diktatoren/ Nächte ohne Kosenamen…// Und sie pflücken nicht mehr Gurken/ Sondern Thonet Garderoben/ Tauben Himbeermarmelade/ Mäuse und Mikroben.

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Großmütterchen Hatz und Klok | Foto: Gregor Buchhaus

Amüsiert lese ich dann noch Großmütterchens selbst verliehene Bezeichnung als „Master of Social Management„. What the … ?

Kontakt: info@gmhorkestar.at

All that Jazz

Berndt Luefs Jazztett Forum Graz ist ein fester Bestandteil der hiesigen Jazzszene, Luef selbst ein Urgestein. Wir kennen einander seit Jahrzehnten und ich habe schon einige Berichte in Gangway Music Reviews über seine Musik verfasst. Über die zehn hervorragenden Jazzmusiker, allesamt Profis mit eigenen Bands oder im Musikunterricht, braucht man nichts mehr zu sagen, auch deren Schrullen (wie barfuß auf der Bühne zu stehen) sind bekannt.

Cover_35d7230f16Für mich bislang unbekannt war Dorothea Jaburek, eine sehr sympathische kleine Frau mit großer Stimme, die ich auch deshalb erwähne, weil sie nach der Show meine Frage sofort spontan mit einem JA beantwortet hat, ob sie mit uns bei Parkinsong Duets mitsingen würde.

Hier eine Hörprobe, fünf Minuten Live Mitschnitt von gestern Abend, „Between the Walls“, von der gleichnamigen CD, den ich mit meiner nagelneuen ultrakleinen Canon IXUS 190 aufgenommen habe. Viel Vergnügen.

Dorothea Jaburek ist auf Facebook und hat eine ausführliche „hörbare“ Website – www.dorotheajaburek.com

Stockwerk Graz – City of Jazz 3

Jedes Jahr um diese Zeit laden KPD* sich gerne Gäste ein. Dem Vernehmen nach sind bislang auch alle Musiker unseres diesjährigen Weihnachtskonzertes pumperlgesund (im Vorjahr musste das traditionelle Konzert wegen Erkrankung von gleich zwei Musikern ja erstmals in seiner langen Geschichte abgesagt werden). Das traditionelle Weihnachtskonzert ist gleichsam auch unser letztes Konzert in diesem Jahr.
Otmar Klammer

StockwerkStockwerk Jazz
Jakominiplatz 18, 8010 Graz
phone: +43.316.82 14 33

Weihnachtskonzert

Samstag, 22. Dezember 2012, 21 (!) Uhr, Stockwerk Graz

Bettina Wenzel
Bettina Wenzel (Stimmen) | © Otmar Klammer, Stockwerk Graz 2012

Bettina Wenzel (Stimmen), Nika Gorič (Sopran), Martin Philadelphy (Gitarre), Heimo Puschnigg (Klavier), Josef Klammer (Schlagwerk, Elektronik)

Otmar Klammer*) KPD steht bekanntlich für das langjährige neutönerische Klammer-Puschnigg Duo, das Jahr für Jahr ein spezielles Weihnachtskonzert für die Reihe STOCKWERKJAZZ erarbeitet. Die dabei jährlich wechselnden Gastmusiker sind so auserlesen wie das stilistisch nicht fassbare Programm ungewöhnlich, aber noch immer irgendwie weihnachtlich ist.

Den traditionellen Gesangspart übernimmt heuer die lyrische Sopranistin Nika Gorič aus Maribor, und Bettina Wenzel wird als zweite (oder erste?) Sängerin gesangstechnisch keinen Stein auf dem anderen lassen.

Normale Singtöne, also do, re, mi, fa, so und so weiter sind Wenzels Sache nicht. Nein, sind sie wirklich nicht. Zischen, Schnalzen, Zwitschern, Quietschen, Grunzen, Glucksen und Meckern sowie Formen vorsprachlicher Lautäußerungen sind es schon eher. Beschrieben ist die Mission von Bettina Wenzel damit aber nur unzulänglich. Die Kölner Stimmakrobatin und unangefochtene Meisterin im Wenzeln ist jedenfalls der diesjährige Stargast unseres traditionellen Weihnachtskonzertes.

Damit aber noch nicht genug, hat sich doch das verwegene Gespann Klammer/Puschnigg mit Martin Philadelphy weiters einen Gitarristen eingeladen, der zu den buntesten Vögeln der Rock- und Improvisationsszene im Lande zählt und dem wir auch einen gewissen Hang zum Song nachsagen wollen.

Auf der Abendordnung stehen klassisch Improvisiertes, improvisiertes Klassisches, weihnachtlich Avantgardistisches, zwölftönerisch Weihnachtliches und allseits Versöhnliches.

Graz, am 16. Dezember 2012

Das KPD Weihnachtskonzert

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Stockwerk Graz | Fotos © Gerald Ganglbauer 2012

Graz, am 23. Dezember 2012