Leo’n Sky – Life Is

CD Release in Graz

Am Freitag, 12. Mai 2017 ist es im Dom im Berg soweit. Eine neue Band betritt mit einem CD Release Live Konzert die Bühne: Leo’n Sky. In Wahrheit ist dieses Sextett den Grazern gar nicht neu, sondern nur der neue Name des jedermann bekannten Outfits von Leo Kysèla, einem Urgestein der Grazer Soulszene, das er gemeinsam mit Joerg Veselka (Gesang und Gitarre) und seinen Freunden Jasmin Holzmann Kiefer (Gesang), Louis Kiefer (Bass und Gitarre), und den Streichern Giorgio und Chris Hammer (Viola und Violine) nun als Gruppe benennt. „Leo im Himmel“.

Jasmin, Leo, Joerg
Seit Jahren gemeinsam auf der Bühne (2011 Auster, Graz) | Foto © Gerald Ganglbauer

Live Is ist bereits das 12. Album Kysèlas. Am Cover ein gekrönter Affe in Denkerpose, darüber der Schriftzug LEO’N SKY hinein gequetscht, klein und kaum auszumachen der Titel, Life Is darunter. Es sieht nach einem philosophischen Konzeptalbum aus, in dem über das Leben sinniert wird. Die Reflexionen beschränken sich allerdings auf den Titelsong, ein sehr schönes Lied, in das sich alle drei Stimmen gut einbringen, das wird aber vom darauf folgenden Rolling Stones-Fetzen Honky Tonk Women gleich wieder kaputt geschlagen. Eine kleine Unterlassung: Für meine Promo CD gab es noch keine Titelmeldung bei iTunes, als ich das Album importieren wollte. Das habe ich unverzüglich gemeldet und Kygripp Music wollte sich gleich darum kümmern.

Überhaupt handelt es sich hier um ein sehr inhomogenes Album: Live Mitschnitte sind mit Studio Aufnahmen durchmischt. Zwar in bester Tonqualität, aber ich höre lieber das eine oder das andere, einen Konzertmitschnitt oder ein stimmiges Konzept. Oder gleich eine Doppel-CD. Von beidem hat es zu wenig für ein kombiniertes Album. Irgendwie denke ich dabei an Kraut und Rüben, sorry! Da gibt es Hadern zum Mitsingen, wie Back in the Days oder Living on a Freewave, die erschlagen die ruhigen Stücke.

In den langsamen Balladen und den Stimmen liegt die Stärke, auf das Fußstampfen, das Schlagzeug der One-Man-Bands, könnte Leo verzichten. Die Älteren unter uns kennen das noch, „aus jenen Tagen, als sie noch jung und schön waren“. Die Jüngeren würden eine Beatbox und Hip-Hop vorziehen.

Veselka und Kysèla mit Gerald Ganglbauer
Joerg Veselka & Leo Kysèla mit Gerald Ganglbauer (2015, Lässerhof Stattegg) | Foto © Uli Sajko

Um Missverständnisse auszuschließen: Ich liebe die Musik von Kysèla und Veselka; kenne und wertschätze beide seit langem. Dieses Album will allerdings zu sehr verkauft werden, sogar der Teaser, seine eigene Werbung, ist als „Bonus Track“ mit drauf und schreit: “ Kauf mich!“. Muss man löschen.

Es gibt Gespräche mit einer ”großen“ Plattenfirma, aber inzwischen haben die Musiker schon rund 10.000 € für die Produktion der CD vor finanziert, die wieder herein kommen sollten. Leben kann ohnedies keiner vom Verkauf, das ist bestenfalls Taschengeld, der Lebensunterhalt kommt von den Gigs und den Radiostationen via AKM, Geschäftliches passt gar nicht zu den beiden großherzigen Musikern, die ein  Benefizkonzert für mich gespielt haben. Jetzt machen wieder beide bei meinem Parkinsong Duets Projekt mit, was mich riesig freut.

Aber jeder Leser sollten sich sein eigenes (Hör-)bild von Leo’n Sky machen, dazu findet man Clips wie den erwähnten Teaser auf YouTube, und natürlich Infos auf www.soul.at – für diese Seite „und den ganzen Internetkram“, wird übrigens ein eifriger junger Mitarbeiter gesucht. Vielleicht ein Blogger?

Überlassen wir Leo Kysèla das Schlußwort:

„Was soll ich sagen: Bin stolz auf dieses, mein 12. Album – YEAH !!!!!!!!!!!!!!!!!“

The Ghost and the Machine

Andi Lechner, Heidi Fial, Matthias Macht
The Ghost and the Machine

LILI Records
Wien 2016

Cover: The Ghost and the MachineEs war einem jener glücklichen Einfälle zu verdanken, dass ich die Bekanntschaft mit The Ghost and the Machine machte. Letzten Donnerstag Abend – ich war mit meiner Gang Kegeln gewesen und machte danach einen längeren Zwischenstopp bei IKEA (geöffnet bis 21 Uhr) – wartete ich an einer Kreuzung, als ich spontan die Eingebung hatte, noch bei der Postgarage vorbeizuschauen. Ich zwängte meinen BMW aus der linken Spur, nahm die Abkürzung quer über den Grünstreifen und parkte wenige Minuten später vor dem Venue. Obwohl das Lokal dunkel und verlassen aussah, war ein Doppelkonzert im Gange. Beide Bands (die andere war Town of Saints aus Holland) waren mir nicht bekannt, aber ein gemütliches Sofa direkt vor der Bühne war frei, denn es waren überraschend wenig Zuhörer da, also ließ ich mich hineinfallen und hörte mich ein.

Drei Leute waren auf der Bühne, links ein Schlagzeuger, der als Ossi-Export vorgestellt wurde. Ich freute mich schon, wieder jemand aus Australien zu treffen, wurde aber vom Bass auf der rechten Seite sogleich korrigiert, Matthias Macht sei kein Aussie, sondern Deutscher aus Dresden. Die Dame, die mir geantwortet hatte, war Heidi Fial, eine Wienerin mit sehr schönen Augen. Zentrale Figur war Andi Lechner, ein junger Herr, der zwei uralte Resonatorgitarren bediente, was der Band den typisch blechernen Sound zwischen Blues und Jazz verlieh.

Doch nicht nur die National (eine Resonatorgitarre wie die Dobro) ist ein seltenes Instrument, auch Frauen am stehenden Kontrabass sind nicht oft zu sehen, weshalb ich ihr scherzhaft vorschlug, doch auf einen U-Bass (U steht für Ukulele) umzusteigen, damit hätte sie weniger zu schleppen, worauf sie meinte, dass der nie so gut klingen würde wie ihr Doublebass. Damit hatte sie recht. Ich habe zwar schon sehr guten U-Bass gehört, das Klangvolumen eines grossen Holzkörpers kann er jedoch nicht imitieren. Musikalisch sind durch diese Instrumentierung bereits viele Parameter vorgegeben, es ist also nicht verwunderlich, wenn ich wiederum an Memories of an Old Friend erinnert werde, das wunderschöne Album der Westaustralier Angus & Julia Stone.

GAM Band GAM Band GAM Band
The Ghost and the Machine in Selbstdarstellungen | Fotos © Malin Walleser 2016

Cover inside: The Ghost and the MachineCover: The Ghost and the MachineCover oinside: The Ghost and the MachineEin von Heidi Fial exit akribisch gezeichnetes 16-seitiges Begleitheft zur CD liefert die Texte. Man muss den feinen Nuancen der allesamt im Kollektiv geschriebenen Lyrics genau zuhören, um den Schmerz, die Hoffnung aber auch die essentielle Lebensfreude aus den Zeilen zu destilieren, die Eingeschlossenheit, Krankheit, und Einsamkeit evoziiren, aber auch die Freiheit in der Kunst und jene der Künstler, ihr Leben zu gestalten, sei es in verwaschenen Fotografien oder in sich unendlich wiederholenden Ornamenten, die zwar wie Maschinensprache anmuten, durch die Abwesenheit von Farbe aber etwas geisterhaftes an sich haben, wie auch der Räucherbergmann aus dem Erzgebirge und der Nussknacker, die Repräsentanten des Debütalbums ohne Titel.

Glass Animals – How to be a Human Being

Universal Music
Wien 2016

Glass AnimalsIch hatte plötzlich Lust auf Pop. Nein, ich werde mein Radio nicht auf Ö3 zurück drehen. Nicht einmal im Auto. Aber ich bin neugierig, was den Erfolg von Popmusik ausmacht und höre einmal genauer hinein. Nach dem Erfolgsalbum „Zaba“ ist nun das zweite Album der englischen Indie-Rockband Glass Animals erschienen. Glass Animals sind eine Band, die im großen, vielfach als eintönig abgetanen Indie-Pop-Kosmos einen ganz eigenen „abgedrehten“ Sound kreiert hat, hört man. Ich kannte sie nicht, aber irgendwie habe ich dabei an Stevie Wonders „The Secret Life of Plants“ (1979) denken müssen, wie es sich heute vielleicht angehört hätte.

Verpackt ist die Scheibe recht hübsch und wie es sich für Indie gehört in Papier, nicht Plastik. Man bekommt ein Heft mit den Lyrics dazu, dazwischen Fotos von ganz normalen menschlichen Wesen (Dave Bayley und die Band) in 50er Jahre Settings. Alles sieht handgemacht aus, in erdigen Farbtönen und Pixel-Look von Mat Cook.

„Life Itself“, die erste Nummer von „How To Be A Human Being“ brennt sich mit seinen Jungle’esken Drums und dem eingängigen Popsound Stück für Stück tiefer in die Gehörgänge. „The Other Side Of Paradise“ habe ich sogar schon auf FM4 gehört. Pop passt also überall hin. Vielleicht ist es einfach nur wichtig, den Chorus in angenehmen Harmonien endlos zu wiederholen, bis man ihn nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Wie auch immer, es klingt so als hätte die neue Glass Animals-Platte ordentlich Potential für viele zum Release des Sommers, respektive des Jahres zu werden, wünscht sich der Vertrieb. Pop ist schließlich die Abkürzung von „populär“ und ich denke, dass eineinhalb Millionen Aufrufe des folgenden Videoclips durchaus das Pop-Kriterium erfüllen.

Cassius – Ibifornia

Interscope Records
Netherlands 2016

Cover: TransalpinCassius lieben Pop-Musik, die mit Kalifornien in Verbindung gebracht wird – also solche, die beispielsweise Michael Jackson oder die Beach Boys gemacht haben. Auf der anderen Seite lieben sie die Musik der gefeierten Balearen-Insel Ibiza genauso. Dort könne man einen zehn-minütigen Loop eines Dubs spielen, in dem nichts passiert, und die Leute würden immer noch vor Begeisterung durchdrehen. Vor diesem Hintergrund haben Cassius mit „Ibifornia“ einen Ort geschaffen, der Ibiza-Underground-House und das dortige Gefühl von Freiheit mit ihrer Vorstellung von Kalifornien kombiniert. Darüber hinaus sagen die beiden, dass dieses Album zum ersten Mal in ihrer Geschichte mehr ist, als nur eine Aneinanderreihung von Tracks. Da sei mehr drauf los, wie sie gegenüber Pitchfork mit einem Lachen zu Protokoll geben: „Dieses Album inspiriert dazu, über das eigene Leben nachzudenken – dein eigenes Ibifornia zu finden, wenn man so will. Geh da hin und werde glücklich!“

Soweit der Pressetext, dem ich eigentlich nichts hinzuzufügen brauche. Außer vielleicht noch den Videoclip, der die Swingerszene auf Ibiza sehr gut visuell umsetzt. Zumindest wie ich es erzählt bekomme, als einen Arthur Schnitzler-Reigen, ein „Eyes Wide Shut“ mit weniger Klasse, dafür sehr viel mehr Alkohol und andren Substanzen.

Erwin & Edwin – Moskau–Wien–Paris

Dreieck Records
Wien 2015

Cover: Erwin & Edwin EPBundeshymne hin oder her, dieses Land ist tatsächlich voll großer Söhne! Meine persönliche Entdeckung am Augarten Fest waren diese zwei Oberösterreicher, ein Niederösterreicher und ein Steirer (der schönste Gitarrist der Band, von dem alle steirischen Mütter als Schwiegersohn träumen) mit dem seltsamen Bandnamen, die sich noch dazu alle vier irgendwas mit „E“ nennen (Ewald, Eberhart, Erwin und Edwin). Warum, soll vorläufig ein Geheimnis bleiben, meint Edwin in einem Gespräch nach dem Auftritt, es habe etwas mit dem Muttertag zu tun …

Die Musik ist „epic“ (das Modewort der Saison, das „geil“ abgelöst hat), die Band ist jung, die Bühnenshow voller Saft, sie haben keine Scheu, das Publikum einzubeziehen und tun es auch. „Ganz Graz“ hat sich brav acht Schritte vor und zurück bewegt und sogar die Altvorderen sind gehüpft und haben getanzt wie die Jungen.

Die Besetzung Schlagzeug, Trompete, Gitarre und Turntables legt in etwa die musikalische Richtung der Gruppe fest. Tanzbare Musik, die ein bißchen an Parov Stelar erinnert, der ja auch aus Linz kommt. Am Debüt-Album wird gearbeitet, man darf gespannt sein!

Markus Schlesinger live in Stattegg Markus Schlesinger live in Stattegg
Erwin & Edwin live am Augarten Fest, Graz | Fotos © Claudia Parenzan 2015

Mehr übers Grazer Augarten Fest und die Soundportal-Bühne in Gangway Specials. Info: www.augartenfest.at und www.soundportal.at

Erwin & Edwin live am Augarten Fest, Graz | Fotos © Claudia Parenzan 2015
Markus Schlesinger live in Stattegg Markus Schlesinger live in Stattegg

Holler My Dear – Eat, Drink & Be Merry

Traumton Records
Berlin 2015

Holler My Dear
Ungewöhnlich? Frau am Schlagzeug, Herren mit Trompete, U-Bass (Bass Ukulele) und Akkordeon | Fotos © Gerald Ganglbauer 2015

Cover: Eat and Drink & Be MerryDie Widmung, die mir Laura „Laus“ Winkler, die kleine Frau aus Graz mit der großen Stimme, in die CD schreibt, lautet Listen to your heart, Für Gerald! Laus. Kennt sie mich näher, frage ich mich? Doch, nein, ist bloss einer jener Zufälle, jedenfalls stammt das aus den Lyrics eines der 15 Tunes des neuen Albums Eat, Drink & Be Merry.

War es nur ein simpler Ratschlag oder versteckt sich auch tiefere Bedeutung dahinter? Essen und Trinken wäre mir noch zu wenig, um fröhlich zu sein. Als ich die Texte nachlese, bin ich hinterher auch nicht schlauer. Also lege ich die Scheibe ein und spiele sie den ganzen Vormittag rauf und runter. Mal sehen, ob ich dann die Lyrics verstehe. Damit meine ich natürlich nicht die Worte, sondern die Botschaft dahinter. Mittagszeit. Leerer Magen?

Nee, nix. Und dabei isses nich mal Berliner Schnauze. Trotzdem erfüllt mich langsam kulinarische Fröhlichkeit bei dieser Musik. Ich schwinge mit, finde den U-Bass cool und dass ’ne Frau die Drums bedient und die kleene „Laus“ kann auch mit ihrer Stimme umgehen. Dann is ja alles jut. Jetzt wippt auch schon der Kopf auf den Schultern … alle anderen Zutaten kann man sich selber auf www.hollermydear.com zubereiten.

Frau aus Graz mit Charme und Stimme, ein Herr aus Brandenburg mit Mandoline | Fotos © Gerald Ganglbauer 2015
Laura Winkler, Stephen Moult Fabian Koppri

Die Berliner Band Holler My Dear sind die Österreicher Laura „Laus“ Winkler (Vocals, Fender Rhodes, Glockenspiel, Choir) und Lucas „Lukasch“ Dietrich (U-Bass, Vocals, Choir), der Brite Stephen Moult (Trumpet, Vocals, Rap, Choir), der Deutsche Fabian Koppri (Mandolin, Guitar, Vocals, Choir), sowie die Russen Valentin Butt (Accordeon, Choir) und Elena Shams (Drums, Choir).

Erwähnenswert ist noch das schrullige Artwork des Bassisten – essbare Instrumente – wie die Karottete, das Akkordieschen, Auberginoline, Kontranabass und Mikroffel. Mahlzeit.

Alma – Transalpin

col legno music
Wien 2015

Cover: TransalpinSeit 2011 verbindet Alma volksmusikalische Bodenständigkeit spielerisch mit komplexen Arrangements. 2013 erschien Nativa, deren Debütalbum, und nun legt die Band Transalpin als zweites Album vor.

So weit die Phantasie zu hören vermag lautet das Motto der zart blaugrauen CD, die in der Grazer Postgarage bei Pangea (Weltmusik-Reihe) präsentiert wurde. Dass just zur selben Zeit andernorts der Steirische Geigentag stattfand, war wohl Zufall. Diese drei Geigen, eine Harmonika und der Kontrabass beschallten den 2nd floor unplugged – also ohne den Einsatz jeglicher Mikrofone und Verstärker – und wurden fallweise auch noch von den jungen Singstimmen unterstützt. Das Publikum dankte es mit konzentrierter Stille, in der sogar der Verschluss der Spiegelreflexkameras von zwei oder drei Fotografen ab und zu hörbar war.

Die fünf Musiker, ein junger Mann und vier Frauen – die, wie Barbara, eine kleingewachsene Radiojournalistin nach dem Konzert bemerkte, allesamt sogar noch kleiner seien als sie – brauchten nicht mit Körpergröße zu beeindrucken, dennoch bot ich mich an, den Kontrabass zu tragen, was dankend abgelehnt wurde.

Julia (Geige, Gesang) und ihre Schwester Marlene Lacherstorfer (Kontrabass, Gesang) stammen aus Oberösterreich, Evelyn Mair (Geige, Gesang) aus Südtirol, der Hahn im Korb Matteo Haitzmann (Geige, Gesang) ist Salzburger und Marie-Theres Stickler (Steirische Harmonika, Gesang) kommt aus Niederösterreich, und gemeinsam führen sie mit Leib und Seele (con alma y vida) vor, dass zeitgenössische Volksmusik lebt.

Julia Lacherstorfer Evelyn Mair Matteo Haitzmann
Alma live in der Postgarage | Fotos © Gerald Ganglbauer 2015
Alma Marie-Theres Stickler Marlene Lacherstorfer

Ein umfangreiches zweisprachiges Begleitheft zur CD liefert Texte, Anmerkungen der Künstler und Hintergrundinformationen zu den Stücken und bietet vorweg auch gleich eine blumige Vorbesprechung des „Austrophilen“ Briten Gavin Plumley, der für den BBC und „Musikpublikationen in aller Welt“ schreibt. Ich denke mir, too much information, denn sollte nicht die Phantasie jedes Zuhörers eine „musikalische Seelenwanderung“ durch die Berge entlang eigener Wege begleiten? OK. Man muss es ja nicht lesen, einfach die Augen schließen, zuhören und hoch über die Almen fliegen.

Wer sollte sich nun gleich ein Alma-Album kaufen, ohne die Gelegenheit, sie zuerst live zu erleben? Musiksammler mit breitem Geschmack, in deren Regalwänden zwischen Philip Glass und Hubert von Goisern noch Platz für schräge Klänge ist, die manchmal mit einer Prise Jazz, dann wieder mit Minnesang oder Jodlern gewürzt sind und wohl aus Hausmusik mit offenem Blick in die weite Welt(musik) gekocht wurden. Schmackhaft!

The Base – 15 for the Jukebox 1996–2008

monkey
Vienna 2008

Cover: 15 for the JukeboxLast night I saw The Base again, this time in a completely different environment, the „Hör- & See- BÜHNE“ of the Austrian Broadcaster, ORF, nicely playing a couple of tunes between readings of poetry and prose. It was interesting to watch the elderly audience, mostly folks who had been coming to listen to a well known poet, yet found themselves in a rock concert, well, almost. I thought they liked it though, as the queue at the CD stand was longer than the one at the bookseller.Most of the performed songs (like the hit „Not My Dog“) can be found on a somewhat „Best Of The Base“ album: „15 for the Jukebox 1996–2008“.

Their record company monkey says: The Base, das ist gefährlicher Stoff für labile Geister. Zerbrechliche Lyrics, zerschrammter Blues, zerschließener Rock’n’Roll, der auf jene Ganglien-Zone abzielt, die seltsam zu pochen beginnt, wenn man an das Vergangene zurückdenkt und feststellen muss, dass man eventuell einst glücklicher war. Punktum. So music has one dimension more than poetry. Listen for yourself, if you’re one of those „aufgeschlossene Musik-Connaisseurs“ (Bastian Kellhofer). Perhaps you want to hear all your favourite poems sung to you by Norbert Wally.

The Base live im ORF Landesstudio Steiermark, Graz 2013
The Base Live The Base Live The Base Live The Base Live

The Base – Where is My Weather

Konkord
Vienna 2015

Gestern Abend war ich bei der Release Show des neuen Base Albums Where is My Weather im Grazer p.p.c., einem Venue, den ich bisher nur vom Hörensagen kannte und der sich mir als eine angenehme Überraschung präsentierte. Publikum, wo ich mich nicht als Großvater zu fühlen brauchte (unter anderem steuerte Werner Krause auf mich zu und begrüßte mich herzlich), trotz vollem Haus kein zu großes Gedränge und alles in rauchfreier Luft. Wer unbedingt rauchen musste, konnte das im Ghetto hinter Glas im hinteren Bereich tun. Freundliche Security und Barbedienung, solide Bühnentechnik (ich kletterte beim Fotografieren darin herum), eine geniale Lightshow und perfekter Sound.

Es wurde eine kurzweilige Wartezeit. Mit der üblichen guten Stunde Verspätung erklangen schließlich zwei Rockfetzer hinter dem Vorhang, The Base verschaffte sich Gehör.

Bevor mir jemand Befangenheit vorwirft, gestehe ich es gleich vorab: Ich bin zu einem großen Fan von The Base geworden, finde Norbert Wallys Stimme einfach großartig und habe mit ihm sogar ein Duett gesungen (siehe kleines Foto). Allerdings bin ich bekannt dafür, mir weder vor Freund noch Feind ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Wenn nun vom Wetter die Rede ist kommt wohl gleich Crowded House der Finn Brothers aus Neuseeland mit dem Ohrwurm (Take the) Weather With You in den Sinn, dicht gefolgt von unserem eigenen, leider zu früh verstorbenen Joe Zawinul, der seinen Weather Report in die USA exportiert hatte. Vom Wetter zu sprechen, hat etwas triviales an sich, es steht als eine Metapher für Small Talk, wenn man sich nichts zu sagen hat.

Nicht so auf diesem neuen Album, wo es das Konzept eines Tagesverlaufes von wechselhaftem Wetter sympolisieren könnte. Als der Vorhang gefallen war, war der erste musikalische Sturm auch schon vorüber, es hellte auf und das Trio spielte sich durch Regen und Sonnenschein. Unscharf wie das Cover Artwork, aber so waren sie schon bei den vorausgehenden Alben: für jeden etwas. Die wüdn Hadern wurden von zarten Balladen abgelöst, und ein bissl Französisch wird auch drübergestreut. Wally brillierte und zeigte den breiten Bogen seiner stimmlichen Kapazität, Miklin trommelte mit einer Präzision und Kondition ohne auch nur einen Schweißtropfen, die ich nur bewundern konnte (muss am Mountainbiken liegen) und Klinger trieb die Musik mit seinem Bass voran. Einige Songs der neuen Platte (wie schon zuvor gibt es auch diesen Tonträger auf Vinyl, CD und iTunes) waren bereits im Radio zu hören gewesen und ich wünsche der neuen Wetterstation noch viel mehr internationales Airplay und gute Wetterberichte.

PS.: Bei den im fast zweistündigen Konzert natürlich auch gespielten Tunes aus vorangegangenen Alben war es schön zu beobachten, wie viele der Zuhörer die Lyrics kannten und deren Lippen die Worte dazu formten. Sind ja auch schöne Stücke 🙂

The Base live im p.p.c., Graz 2015 | Fotos: Gerald Ganglbauer
Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show
Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show
Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show Live at p.p.c.: The Base, Where is the Weather release show

Binder & Krieglstein – New Weird Austria

essay recordings
Frankfurt 2010

Cover: New Weird AustriaEigentlich verrät – nomen est omen – der Titel dieses Albums bereits alles. Neu: Meint wohl zeitgenössische „Garage Band“ Musikprogrammierung, sehr tanzbar, gut stampfbar. Seltsam: Das ist dieses Werk in der Tat. Nicht einzuordnen, der Zuhörer fühlt sich fast auf den Arm genommen. Österreich: Darin steckt Heimat, Volksmusik, „Binder-Krieglstein, ein echter Österreicher“, wie bereits auf einem früheren Album statuiert wurde.„Und jeder fragt mit stillem Graus, was kommt da wohl einmal heraus?“ (Eugen Roth) Nun ja. Ein sehr schräger Mix, unterstützt von einem launigen Wilfried in „Bratlgeiger“, Karl Gründling, Heimo Mitterer (von Portnoy), Mieze Medusa, Didi Bruckmayr, Molto Mosso (ach, allein wie diese Namen auf der Zunge zergehen), Christian Fuchs, sowie suzy on the rocks & Steirischer Jägerchor (von Bunny Lake). Und natürlich leiht Rainers Partner Makki auch auf diesem Album einigen Tracks wieder ihre starke Stimme.

Wer hört sich das Ergebnis nun an? Nicht Otto Normalverbraucher. Nicht der klassische FM4 Listener. Wohl auch nicht die Landjugend in Tracht. Wer dann? Ich zum Beispiel. Immer wieder. Auch wenn ich nie im Leben eine Polka oder einen Landler tanzen würde. Einfach, weil auch diese zwölf so unterschiedlichen Kompositionen „ein echter Binder-Krieglstein“ sind, die (Landes- und musikalische) Grenzen ausloten, definieren und zugleich verwischen. Unbedingt anhören!

Binder & Krieglstein live in der Postgarage, Graz 2012
Binder & Krieglstein, Graz 2012 Binder & Krieglstein, Graz 2012 Binder & Krieglstein, Graz 2012 Binder & Krieglstein, Graz 2012

Binder & Krieglstein: sind Rainer Binder-Krieglstein, Makki, Kurt Bauer, Michael Bergbaur und Richie Winkler